Daniela Danz und Martina Maria Kieninger erhalten Deutschen Preis für Nature Writing 2019

Die Preisverleihung findet am 30.08.2019 in Berlin statt

(lifePR) ( Berlin, )
Zum dritten Mal vergeben der Verlag Matthes & Seitz Berlin und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam den Deutschen Preis für Nature Writing. Dieser geht in diesem Jahr mit Daniela Danz und Martina Maria Kieninger an zwei Preisträgerinnen, deren Beiträge ganz unterschiedlich gelagert sind. Die Preisverleihung findet am 30. August 2019 um 18.30 Uhr im Elias-Kuppelsaal in Berlin mit einer Laudatio des Autors und Journalisten Jan Volker Röhnert statt. Außerdem wurden zum ersten Mal an drei Autorinnen Stipendien für Seminare zum Thema Nature Writing vergeben.

»wildernis« heißt der dreiteilige, streng gebaute Zyklus von Daniela Danz. »wildernis« – das war die raue Gegend, Synonym der Einsamkeit, das bedeutet im Niederländischen jemanden seinem Schicksal zu überlassen und im Englischen bezeichnet es Wildheit, Wildnis, Zügellosigkeit und Leidenschaftlichkeit. Der Name ist für Daniela Danz Programm. Ihre Beschreibungen von den verlassenen Rändern der Welt mitten in Europa fragen in Bildern aus dem Tier-, Pflanzen- und Mineralienreich wie es weitergeht, wenn die Menschen an ihren Fortschritten zugrunde gehen. Es ist ein zorniger Text mit einem melancholischen Unterton, der das lineare Erzählen verlässt und in mehreren Schichten – Zeitebenen, Perspektiven und Sprecherfiguren – gegen die Mutlosigkeit anschreibt, es sich nicht in den Erinnerungen an vergangene Zeiten  gemütlich einzurichten. Ein Schweben zwischen Hoffnung und Eschatologie. Wenn sie Kali als Pflanze, Bergbaulandschaft und indische Göttin in eins setzt mit den Rissen in der Landschaft und in den Menschen, wenn sie über die unsichtbare Leere der ausgehöhlten Landschaft und über die Unsicherheiten des menschlichen Lebens und die schwarzen Träume spricht, entsteht ein einzigartiger Sprachstrudel, ein Sog, der einen tief in  diese Texte hineinzieht.

In ihrem Text »Ofnvogl/Goschnhobl« nähert sich Martina Maria Kieninger dem Nature Writing als (Doppelwesen aus) Naturwissenschaftlerin / Chemikerin und Autorin: In einem gekonnten Setting aus schwarzem Humor und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen stellt sie die Frage nach der Natur des Menschen und seinem bestialischen Anteil an der jüngeren, nationalsozialistischen Vergangenheit. Damit geht sie einem Aspekt / einem Erkenntnisfeld der Naturdichtung – die Frage nach der menschlichen Natur – nach, der / das zuletzt in den haarsträubenden Narrationen Identitäre Bewegungen auf eine landschaftlich geprägte Heimatverbundenheit reduziert wird.

Mit Suspense und Witz entwirft Kieninger einen rasanten Roman, in dem geklonte Nazis von Leihmutterhunden ausgetragen werden und ein Institut für postdarwinistische Literaturkritik die genetischen Grundlagen des Horst-Wessel-Liedes erforschen. Lustvoll werden darin falsche / jegliche Rekreationsversprechen mit und durch die Natur dekonstruiert, zugleich jedoch auch Empathie und Mitleid mit den Kreaturen geweckt, die wir für jede noch so abstruse wissenschaftliche Hypothese allein unserer Verfügungsgewalt ausliefern. Aktueller und cooler kann die Frage nach der Natur nicht gestellt werden; amüsanter / unterhaltsamer zu lesen war sie selten.

Daniela Danz, wurde 1976 in Eisenach geboren und lebt in Kranichfeld. Sie studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Tübingen, Prag, Berlin, Leipzig und Halle und promovierte über den Krankenhauskirchenbau der Weimarer Republik. Seit 2002 ist sie freiberufliche Autorin und Kunsthistorikerin. 2010 gründete sie die internationale Schülertextwerkstatt »svolvi« und bekleidet seit dieser Zeit einen Lehrauftrag an der Universität Hildesheim. Daniela Danz ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz und leitet seit 2013 das Schillerhaus in Rudolstadt. 2018 erhielt sie den Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste und ein Grenzgänger-Recherchestipendium der Robert-Bosch-Stiftung.

Martina Maria Kieninger wurde 1966 geboren. Sie studierte Chemie in ihrer Heimatstadt Stuttgart und promovierte in Heidelberg. Seit 1996 lebt sie in Uruguay, und arbeitet dort an der Universität von Montevideo als Dozentin für Chemoinformatik. Mit ihren literarischen Arbeiten wurde sie zu verschiedenen Residenzen eingeladen, u.a. in die Villa Aurora. Das Verhältnis von Natur zu Naturwissenschaften ist auch das Thema ihres Schreibens, beispielsweise in »aldehyd alkahest« oder im »Elternverwirrbuch«. Auszüge aus beiden Projekten finden sich in Literaturzeitschriften und Anthologien.

Bestandteil des Deutschen Preises für Nature Writing ist neben dem Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro ein vom Bundesamt für Naturschutz vergebenes Aufenthaltsstipendium auf der Insel Vilm, auf der die Internationale Naturschutzakademie des BfN ihren Sitz hat. Der der natürlichen Entwicklung überlassene Wald der Insel Vilm und der Austausch mit den aus aller Welt kommenden Teilnehmer*innen der auf Vilm stattfindenden Fachveranstaltungen bieten ein inspirierendes Umfeld für die Reflexion über das Verhältnis von Mensch und Natur.

In Kooperation mit der Bayerischen Akademie des Schreibens sowie der Stiftung Nantesbuch wurden in diesem Jahr außerdem an drei Autorinnen Stipendien für Seminare und Schreibwerkstätten zum Thema Nature Writing vergeben:

Linn Penelope Micklitz erhält ein Stipendium zur Teilnahme am Nature Writing-Seminar der Bayerischen Akademie des Schreibens vom 19.-24. September 2019 im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg. Die Bayerische Akademie des Schreibens ist eine Kooperation der Stiftung Literaturhaus, dem  Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg und des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Anna Ospelt und Sophia Klink erhalten jeweils ein Stipendium zur Teilnahme an der Schreibwerkstatt »Nature Writing – Von der Natur schreiben« der Stiftung Nantesbuch vom 2.-5. April 2020 in Bad Heilbrunn. An ihrem Wirkungsort inmitten eines weitläufigen Wald-, Wiesen und Moorgeländes wagt die Stiftung Nantesbuch ungewohnte Projekte, um Menschen in Kontakt mit Kunst und Natur zu bringen.

Die Jury des Deutschen Preis für Nature Writing setzte sich in diesem Jahr aus der Autorin Sabine Scho, der Autorin und Herausgeberin der Reihe »Naturkunden« Judith Schalansky, der Literaturvermittlerin Brigitte Labs-Ehlert, dem Autor Christian Lehnert, dem Literaturwissenschaftler und Autor Ludwig Fischer sowie dem Literatur- und Kulturwissenschaftler Steffen Richter zusammen.
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