Donnerstag, 23. November 2017


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"Eine reduzierte Sichtweise können wir uns absolut nicht leisten"

Internationale Bündelungskommission der Milcherzeuger fordert, EU-Politik solle wichtige Aspekte des Milchsektors nicht ausblenden

Göttingen, (lifePR) - In Frankreich stellt sich nach dem Regierungswechsel auch im Agrarbereich die Frage, welcher Weg in Zukunft eingeschlagen wird. Die französischen Mitglieder der Internationalen Milchbündelungskommission (IBM) – die Milcherzeugerorganisationen France Milk Board Grand Ouest, Bas Normand und Sud Ouest – hatten dazu heute eine Unterredung mit dem Minister, um diese Frage zu besprechen. Insbesondere ging es bei diesem Gespräch um die Verträge in der Landwirtschaft. Die FMB haben dem Agrarminister gegenüber betont, dass der französische Milchsektor eine unabhängige Kontrollstelle einrichten muss, die es den Erzeugern ermöglicht, für Wettbewerb unter den Molkereien zu sorgen.

Des Weiteren haben sie darauf beharrt, dass es nur einen einfachen und einheitlichen Status für alle Milcherzeuger geben darf, mit den gleichen Rechten und Pflichten im Rahmen der Vertragslandwirtschaft und Erzeugerorganisationen. Die Genossenschaften könnten nicht als Erzeugerorganisation betrachtet werden, da der Mehrwert, der mit den Verarbeitungsanlagen erwirtschaftet wird, den Erzeugern in den Genossenschaften entgeht.

Die Erzeugerorganisationen FMB haben außerdem eine Verschärfung des Gesetzes SAPIN 2 zur Transparenz im Sektor und zur Aufnahme eines Indizes in die Preisformel gefordert, der es ermöglicht, alle Produktionskosten zu decken.

Abschließend haben sie an die dringende Notwendigkeit erinnert, Europa mit einem dauerhaften Mengenregulierungsinstrument auszustatten, das künftige Krisen abwenden, die bäuerliche Landwirtschaft erhalten und einen positiven Beitrag zum Haushaltsgleichgewicht der GAP leisten kann (MVP des EMB).

Für die IBM ist es notwendig, dass auch auf europäischer Ebene von den verantwortlichen politischen Institutionen alles daran gesetzt wird, die großen Probleme im Milchsektor merklich zu reduzieren.

Die Internationale Bündelungskommission der Milcherzeuger  hat sich als Dachinstitution verschiedener nationaler Erzeugerorganisationen eingehend mit dem EU-Kommissionsbericht zur Funktionsweise des Milchpakets* beschäftigt. „Angesichts der turbulenten negativen Entwicklungen im Milchsektor in den vergangenen Jahren ist eine umfassende Einschätzung der Wirkung des Milchpakets natürlich sehr wichtig“, so Emmanuel Binois vom France MilkBoard, einem Mitglied der IBM. Diese Einschätzung sei de facto von der EU-Kommission auch erstellt worden, leider mangele es hier aber an einer vollständigen Erfassung der Milchmarktsituation. „Zwar verweist die Kommission ganz richtig darauf, dass die vom Milchpaket geförderten Erzeugerorganisationen nicht ausreichend zu einer Stabilisierung des Milchmarktes beitragen können. Jedoch wird in dem Bericht zum Beispiel die Rolle der Genossenschaften, die ja einen großen Einfluss auf das Marktgeschehen haben, ausgeblendet“, so Binois. Ebenso würden bezüglich der Wirkungsweise von Erzeugerorganisationen keine aussagekräftigen Marktdaten herangezogen.

Ihre Anmerkungen hat die IBM in einem Evaluationspapier festgehalten, das sie der EU-Kommission sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

„Gehen wir einmal davon aus, dass Politik und Erzeuger ein Interesse daran haben, die Schieflage am Markt, die zu Ungunsten der Erzeuger besteht, zu korrigieren“, merkt Alain Minet von der belgischen Erzeugerorganisation WAFAB an. „Dann müssen in Zukunft aber auch die realen Umstände des Milchsektors umfassend analysiert werden. So wie es in Deutschland beispielsweise über das dortige Kartellamt geschieht.“ Sonst könnten politische Instrumente kaum greifen. Axel Walterschen von der deutschen MEG Milch Board fügt hinzu: „Eine reduzierte Sichtweise können wir uns angesichts der großen Schwierigkeiten im Milchsektor absolut nicht leisten.“

*Download 25.01.2017

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