Sonntag, 17. Dezember 2017


  • Pressemitteilung BoxID 677835

Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas

Berlin, (lifePR) - Das Saola (Pseudoryx nghetinhensis) ist eine endemische Huftierart des Annamiten-Gebirges zwischen Vietnam und Laos. Es steht kurz vor dem Aussterben. Hauptbedrohung sind kommerzielle Fallensteller, die den florierenden Handel mit Wildfleisch in Indochina beliefern. Um das Überleben des Saola zu sichern, ist die Einrichtung eines Erhaltungszuchtprogramms notwendig. In einem Brief in der Fachzeitschrift Science hat nun eine Gruppe von NaturschützerInnen und NaturschutzwissenschaftlerInnen, einschließlich MitgliederInnen der „IUCN Saola Working Group“ und dem Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, ihre Sorge um die Zukunft dieser Art geäußert und betont, wie wichtig und dringlich ein Management außerhalb seines Ursprungsortes (ex-situ) ist.

Seit seiner Entdeckung vor 25 Jahren ist das Saola in Südostasien zur Flaggschiffart für den Naturschutz geworden. „Seit vielen Jahren arbeitet die Saola Working Group eng mit Nichtregierungsorganisationen und den Regierungen von Vietnam und Laos zusammen, um die Wälder und die Tierwelt im Annamiten-Gebirge zu schützen. Doch trotz aller Anstrengungen in Vietnam und Laos war es bisher nicht möglich, das Jagen mit Schlingfallen auf ein vertretbares Maß zu reduzieren, sodass die letzten Saolas überleben können“, sagt William Robichaud, Koordinator der Saola Working Group. Schlingfallen töten wahllos und führen dadurch in der Region bei allen Populationen großer und mittelgroßer Säugetiere zur Dezimierung. Für alle am Boden lebenden Arten ist das sehr tragisch, doch für endemische Arten - wie dem Saola - ist es katastrophal. Denn die massive Dezimierung des Saola im Annamiten-Gebirge führt zeitgleich zu seinem globalen Aussterben. Zwei weitere endemische Säugetierarten, die sich in akuter Gefahr befinden, sind das erst vor kurzem beschriebene Riesenmuntjak (Muntiacus vuquangensis) und das Annamitische Streifenkaninchen (Nesolagus timminsi).

Dem Saola steht die unmittelbare Ausrottung bevor. Obwohl die Bestimmung der Populationsgröße problematisch ist, schätzte die Saola Working Group die globale Saola-Population im Jahr 2015 auf weniger als 100 Individuen. Seitdem hat sich die Situation merklich verschlechtert und die Experten gehen davon aus, dass nur noch wenige Individuen verstreut in der Region leben. Um dieser fatalen Entwicklung entgegenzuwirken, arbeitet die Saola Working Group mit den Regierungen von Vietnam und Laos zusammen. Ziel ist es, ein Erhaltungszuchtprogramm einzurichten. „Am wichtigsten ist jetzt das Fangen der letzten Saolas und ihre Unterbringung in einer geschützte Zuchteinrichtung, gut ausgestattet und von internationalen Experten geleitet. Nur so können wir diese geheimnisvolle Art vor dem Aussterben bewahren“, sagt Robichaud. Doch das Aufspüren und Fangen der letzten Saolas ist für NaturschützerInnen und NaturschutzwissenschaftlerInnen ein schwieriges Unterfangen. Die Tiere sind nicht nur sehr selten, sondern sie leben auch in einem der undurchdringlichsten Regenwälder unseres Planeten. Die letzte bestätigte Sichtung ist eine Aufnahme einer Kamerafalle vom WWF-Vietnam von 2013 im Saola-Naturreservat.

„Wir benötigen systematische und großräumig angelegte Untersuchungen im Annamiten-Gebirge, um die letzten Saolas sowie die verbliebenen Hochburgen anderer, höchst gefährdeter Arten zu finden“, erklärt Andrew Tilker vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, Erstautor des Science-Briefes. Tilker ist Mitglied in der IUCN Saola Working Group und als Naturschutzforscher auch bei Global Wildlife Conservation tätig. In den letzten drei Jahren haben ForscherInnen des Leibniz-IZW gemeinsam mit NaturschützerInnen vom WWF und Global Wildlife Conservation die Säugetiergemeinschaften im Annamiten-Gebirge erforscht. „Um die letzten Populationen bedrohter und endemischer Arten zu finden, müssen die Untersuchungsgebiete ausgeweitet und herkömmliche Methoden, wie der Einsatz von Kamerafallen, mit neuen Ansätzen kombiniert werden. Hier bietet sich beispielweise die genetische Analyse von blutsaugenden Egeln an, die dazu verwendet werden kann, terrestrische Bewohner aufzuspüren“, sagt Tilker. „Mit den so gewonnen Daten können NaturschutzwissenschaftlerInnen wichtige Empfehlungen zur effektiven Nutzung der begrenzten Ressourcen geben und zur Erhaltung seltener und hoch bedrohter endemischer Arten beitragen.“

Barney Long, Mitglied der Saola Working Group und Artenschutz-Direktor bei Global Wildlife Conserservation, sagt: „Gemeinsam mit internationalen Partnern und Regierungsvertretern von Vietnam und Laos haben wir noch immer eine Chance, das Saola vor dem Aussterben zu bewahren. Wenn wir die notwendigen finanziellen Mittel aufbringen können, glaube ich, dass wir erfolgreich sein werden, und dann wird die Geschichte des Saola ein Vorbild für die Rettung weiterer hoch bedrohter Arten im Annamiten-Gebirge sein.“

Publikation:

http://www.sciencemagazinedigital.org/sciencemagazine/22_september_2017?pg=44#pg44

Tilker A, Long B, Gray TNE, Robichaud W, Van Ngoc T, Vu Linh N, Holland J, Shurter S, Comizzoli P, Thomas P, Ratajszczak R, Burton J (2017): Saving the saola from extinction. Science 357, 1248. doi: 10.1126/science.aap9591.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Online-Karten: Schweinswale und Seevögel in Nord- und Ostsee

, Natur & Garten, Bundesamt für Naturschutz

Langzeitbeobachtung­en des BfN im Meer von 2001 bis 2016 jetzt online Angebot informiert über Verbreitung geschützter Tierarten in deutscher...

Geschützte Arten: Augen auf beim Online-Kauf

, Natur & Garten, Bundesamt für Naturschutz

Wer statt Krawatte oder Parfum eine Geldbörse aus Krokodilleder oder eine Halskette aus Papageienfedern unter den Weihnachtsbaum legen möchte,...

„Natürlich Hamburg!“: Mehr Natur für die Metropole

, Natur & Garten, Bundesamt für Naturschutz

Das wilde und das gärtnerische Grün sollen in Hamburg noch enger zusammenwachsen. Ziel dabei: mehr biologische Vielfalt in Parks und Naturschutzgebieten...

Disclaimer