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Pressemitteilung BoxID: 710427 (Landessportbund Rheinland-Pfalz e. V.)
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"Körper, Geist und Seele spielen immer im Verbund"

LSB-Bildungskampagne: Mentalcoach Bruno Hambüchen begeistert 230 Zuhörer in Mainz

(lifePR) (Mainz, ) Unorthodox, praxisnah und immer im engen Dialog mit seinem Publikum: So bleibt der bekannte Mentalcoach und Diplom-Pädagoge Bruno Hambüchen den 230 Zuhörern mit seinem Vortrag unter dem Motto „Erfolgreich durch mentale Stärke – beim Sport gelernt“ in Erinnerung. Der 65-Jährige war auf Einladung des Landessportbundes und zahlreicher angegliederter Organisationen des rheinland-pfälzischen Sports in der Mensa des Otto-Schott-Gymnasiums zu Gast.

Besonders ein zwölfjähriges Mädchen aus dem Mainzer Stadtteil Hechtsheim wird den Abend ganz sicher nicht vergessen. Und das kam so: Zwei Turn-Übungsleiterinnen des TSV Schott Mainz hatten die Gunst der Stunde nutzen wollen und vom Onkel des Turn-Olympiasiegers Fabian Hambüchen ein paar Tipps haben wollen. Etwa, wie es ihre neun bis zwölf Jahre alten Eleven schaffen, nicht nur im Training („Da haben sie es hundertprozentig drauf“) Höchstleistungen abzurufen, sondern auch und gerade im Wettkampf. Und das regelmäßig. Die Nachwuchsturnerinnen waren alle dabei – in Reihe zwei. Um auch deren Sicht der Dinge zu hören, wandte sich Hambüchen direkt an die Athletinnen. Esilya Criber, genannt Essi, nahm all ihren Mut zusammen, ließ sich komplett auf den „Gold-Flüsterer“ ein und schilderte ihm ihre Gefühle und Gedanken. Etwa die Angst zu stürzen, wenn sie am Schwebebalken ran muss. „Man turnt unsicher und denkt, man schafft es nicht“, verriet Essi. „Manchmal habe ich auch Bauchweh vor Aufregung und bin sehr wackelig und weich in den Knien.“ Etwa wenn sie vor den Augen zahlreicher Zuschauer abliefern müsse. „Im Training klappt es, aber im Wettkampf wird man voll zittrig und fühlt sich unwohl.“

Was folgte, war eine Coachingstunde in aller Öffentlichkeit. Hambüchen forderte die Zwölfjährige auf, sich ganz genau vorzustellen, dass sie gerade in der Wettkampfsituation in der Halle wäre. „So intensiv, dass Du merkst, wie Dein Bauch und Deine Beine darauf reagieren.“ Angst und Traurigkeit seien die Gefühle, wenn sie in sich hineinspüre, verriet die Sechstklässlerin aus dem Mainzer Oberstadt-Gymnasium. Und vielleicht schäme sie sich auch ein wenig. Dann solle sie sich wie ein guter Geist neben sich selbst stellen. „Oft ist im Leben keiner da, der einen in den Arm nimmt – aber man ist ja selber da“, sagte Hambüchen. „Nimm Dich dann in Deiner Vorstellung also selbst in den Arm – auch wenn Du eine bullenstarke Braut bist und gar nicht in den Arm genommen werden willst.“ Wenn man sich so selbst aufmuntere, würden die Bauchschmerzen und die Angst weniger oder ganz verschwinden. Die Gute-Geist-Essi gebe der Wettkampf-Essi direkt Anweisungen, was sie besser machen könne und rufe ihr zu: „Leck mich am Arsch, wir ziehen das jetzt durch.“ Um voll im Fokus zu sein, helfe es, sich vorzustellen, eine imaginäre, undurchsichtige Riesenglocke in seiner Lieblingsfarbe sei über der ersten und der zweiten Essi drübergestülpt und man sei völlig abgedimmt. Alles andere finde gar nicht mehr statt, man bekomme es gar nicht mehr mit. „Jetzt sagst Du zu der anderen Essi: Lass mich mal auf den Balken und die zweite Essi steht jetzt da gibt Dir Tipps – und Du bist ganz bei Dir.“ Wer die Vorstellung mit der Kuppel richtig intensiv mache, kriege von den Zuschauern und sonstigen Nebengeräuschen nicht mehr viel mit.

„Es war hilfreich und ich denke, ich kann damit etwas anfangen“, sagte Esilya hernach. Und Bruno Hambüchen, der auch von seinen persönlichen Erfahrung mit sportpsychologischen Dingen als Oberliga-Handballer berichtete („Körper, Seele und Geist spielen immer im Verbund“), resümierte: „Ich weiß schon, wie ich meine 30 Jahre Erfahrung zusammengekriegt habe. Aber es hängt auch immer sehr davon ab, wie die andere Seite mitspielt.“ Er habe das „Glück gehabt, an Projekten beteiligt zu sein, die richtig geil geendet sind“. Klar sei aber, dass sich die von ihm betreuten Athleten immer selbst den Triumph verdient gehabt hätten und er nur dabei geholfen habe.

Die für Bildung zuständige LSB-Vizepräsidentin Petra Regelin betonte, auch beim dritten Bildungsevent des rheinland-pfälzischen Sports sei es „um den Zusammenhang zwischen Vereinssport und Bildung gegangen – diesmal eben speziell um psychische Prozesse. „Natürlich“, so Regelin, „bestehe ein Zusammenhang zwischen der Psyche und der Bewegung.“ Auch wenn Hambüchens zweieinhalbstündiger Auftritt ein bisschen anders war, als das manch einer möglicherweise erwartet hatte, und wenn es in den praktischen Beispielen überwiegend um Turnen und Handball ging: Wer genau zuhörte, konnte auch für seine Sportart wertvolle Tipps mit nach Hause nehmen.