Samstag, 21. Oktober 2017


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Indikatoren zur Bewertung des nationalen Tierschutzstandards

KTBL-Fachgespräch fand am 22. und 23. März in Hannover statt

Darmstadt, (lifePR) - Gibt es Indikatoren, mit denen sich das nationale Tierschutzniveau in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung beschreiben lässt? Mit welchen Messgrößen lassen sich zeitliche oder regionale Vergleiche anstellen und der Erfolg von Tierschutzmaßnahmen belegen? Diesen Fragen ging das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL e.V.) im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) am 22. und 23. März im Rahmen eines Fachgesprächs in Hannover nach.

35 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Beratung, Politik und Praxis stellten in den Themen-Blöcken "Betrieb und Beratung", "Betriebsbetreuung und -kontrolle", "Handel und Vermarktung" bis hin zu "Transport und Schlachtung" ihre Erfahrungen mit Tierschutzindikatoren vor. Diese Betrachtungsweise ist relativ neu und soll den Tierschutz nachvollziehbarer und objektiver machen. Dazu werden Messgrößen, die sich direkt am Tier erheben lassen, ebenso herangezogen wie solche Indikatoren, die sich auf die Versorgung der Tiere beziehen und sich aus Betreuung und Management der Tiere ergeben. Die Teilnehmer waren sich einig, dass es notwendig sei, bestehende Indikatorsysteme weiter zu entwickeln und zu verdichten, um in der Praxis leicht zu erhebende, aber hinreichend aussagekräftige Indikatoren zu definieren, die sich idealer Weise automatisiert erheben lassen. Derartige Indikatoren können sowohl als Basis für die derzeit auf EU-Ebene diskutierte Tierschutzkennzeichnung dienen als auch eine Bewertung der Wirkung von Tierschutz bezogenen gesetzlichen Regelungen ermöglichen, unterstrich Stefan Schulz vom Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Mit dem Ziel einer Ideensammlung zu Tierschutzindikatoren hatte im Auftrag des BMELV das KTBL zur Diskussion am runden Tisch eingeladen. Projektpartner waren das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und das Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts in Celle.

Die Expertinnen und Experten erarbeiteten eine Reihe von Indikatoren, die Rückschlüsse auf die Haltungs- und Transportbedingungen zulassen. Als besonders belastbare Tierschutzindikatoren werden beispielsweise Befunderhebungen am Tier im Bereich des Schlachthofes sowohl bei der Lebendtierbeschau als auch am Schlachtkörper oder die Transportentfernung zwischen Erzeuger und Schlachtbetrieb hervorgehoben. Auch der Nachweis der Sachkunde des Landwirts, Tierbetreuers und Fahrers sowie Umfang und Häufigkeit des Antibiotikaeinsatzes auf den Betrieben wurden genannt. Kritisch angemerkt wurde die vielfach mangelnde Verfügbarkeit und unzureichende Erhebung solcher Daten, denen daher derzeit die Repräsentativität und damit die Aussagekraft fehlen. In der Diskussion wurde deutlich, dass Daten, die bereits routinemäßig erfasst werden, wie Daten aus der Fleischbeschaustatistik und des Eutergesundheitsdienstes, sinnvoll verknüpft und ausgewertet werden müssen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterstrichen die Bedeutung der Zusammenarbeit aller Beteiligten von der Betriebsebene bis hin zur Vermarktung. Unabdingbar seien Audits und Schulungen für Landwirte, Kontrolleure und Transporteure, zur Vereinheitlichung des Kenntnisstandes und zur Anpassung an den jeweils aktuellen Wissensstand.

Viele nationale und internationale Fachgruppen versuchen derzeit, Schmerzen, Schäden und Leiden bei Nutztieren zu objektivieren, Auswirkungen der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung auf Verhalten, Tiergesundheit und Wohlbefinden zu beschreiben und dazu Indikatoren zu entwickeln. Um Strategien für einen verbesserten Tierschutz zu formulieren, ist es nach Expertenmeinung erforderlich, sich neben den tierbezogenen Indikatoren auch auf Messgrößen zu verständigen, mit denen der Grad des erreichten Tierschutzniveaus auch auf höherem Aggregationsniveau gemessen werden kann.

Es ist bekannt, dass das Management mindestens so viel Einfluss auf das Tierwohl hat, wie die baulichen Gegebenheiten. Für eine Bewertung der Tiergerechtheit im Gesamtsystem der Haltung, des Transports und der Schlachtung gibt es bisher keine allgemein anerkannten Indikatoren. Das Fachgespräch hat wichtige Anstöße geliefert, über die Haltungsbedingungen hinaus weitere Indikatoren zu entwickeln, die Auskunft über das Wohlbefinden der Tiere geben.

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