Donnerstag, 22. Februar 2018


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Kunsthaus Zürich zeigt Hodlers «Die Wahrheit» nach Restaurierung

Zürich, (lifePR) - Ferdinand Hodler (1853-1919), der herausragende Schweizer Maler an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, schuf zwei Fassungen seiner bedeutenden Komposition «Die Wahrheit». Die erste Fassung wurde restauriert. Vom 18. Januar bis 17. März 2013 ist sie gemeinsam mit der zweiten Fassung und weiteren Werken Hodlers in der Sammlung ausgestellt.

Das monumentale, 196 x 273 cm grosse Ölgemälde «Die Wahrheit» entstand in seiner ersten Fassung 1902. Es entstammt der Sammlung Alfred Rütschi und ging 1929 als Geschenk der Erben an das Kunsthaus über. Die Komposition zeigt in der Mitte eine unbekleidete Frau, die links und rechts von unheimlichen «Dunkelmännern» umgeben ist. Diese wenden sich, symmetrisch angeordnet, von ihr ab. Dabei repräsentiert die Frau für Hodler die Wahrheit, vor der die Mächte des Dunkeln fliehen müssen.

DIE RESTAURIERUNG: GEFÄHRDUNG ABGEWANDT
Aufgrund seiner Maltechnik wies das Gemälde unterschiedliche Probleme auf: Die Malschicht war wegen der geringen Bindemittelanteile und der kaum vorhandenen Grundierung splittrig, neigte zu starker Riss- und Schüsselbildung und «puderte» ab. Die bei früheren Restaurierungen ausgeführten Retuschen hatten sich im Laufe der Zeit farblich verändert und störten den ästhetischen Gesamteindruck. Im Januar 2012 wurde im Atelier des Kunsthauses zunächst mit den kunsttechnologischen Untersuchungen des Bildes begonnen. Fragen zum Aufbau der Malschicht und zu verwendeten Materialien wurden in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) geklärt. Die sich anschliessenden, bis Dezember 2012 andauernden Massnahmen umfassten die grossflächige Festigung und Stabilisierung der extrem matten Malerei. Schon die Reinigung der Oberfläche war eine delikate Angelegenheit. Durch Tests wurde das passende Konsolidierungsmittel bestimmt, das weder eine Verdunkelung der Farbigkeit noch eine Bildung von Glanzstellen hervorruft. Die fein craquelierte Malschicht wurde in einem arbeitsaufwendigen Prozess gefestigt. Nicht weniger zeitaufwendig gestalteten sich die daran anschliessenden Kittungs- und Retuschearbeiten der kleinteiligen Malschichtausbrüche. Ältere, nicht stimmige Retuschen und Übermalungen wurden abgenommen bzw. reduziert und mit Gouachefarben überretuschiert.

DIE AUSSTELLUNG: ZWEI FASSUNGEN UND ENTWURFSZEICHNUNGEN
Mit der vorübergehenden Hängung der jetzt restaurierten ersten und der zweiten Fassung von «Die Wahrheit» steigert das Kunsthaus den Erkenntnisgewinn über Hodlers Werk und Schaffensweise. Dazu tragen auch Entwurfszeichnungen bei, die Hodler zu beiden Projekten anfertigte und die das Kunsthaus aus konservatorischen Gründen nur selten ausstellen kann.
Hodler schuf die zweite, stärker stilisierte Fassung von «Die Wahrheit» 1903 und zeigte sie 1904 an der Ausstellung in der Wiener Secession. Dieses Werk gehört der Stadt Zürich und ist seit 1930 als Leihgabe im Kunsthaus deponiert. Im Gegensatz zu seinem Pendant ist es klassischer ausgeführt, besser erhalten und wird seit Jahrzehnten regelmässig gezeigt.

POLITISCHES PROTESTBILD?
Anlässlich der Präsentation wird die interessante Entstehungsgeschichte von beiden Kompositionen näher erläutert. Hodler selber brachte die Idee seines Bildes 1904 mit dem zweiten Prozess (1899) gegen den französischen Hauptmann Alfred Dreyfus in Verbindung, der zu Unrecht zu lebenslanger Verbannung verurteilt worden war. Der Autor Emile Zola hatte sich 1898 für Dreyfus eingesetzt und die volle Aufdeckung der Wahrheit gefordert. Hodler hätte sein Gemälde - Zolas Forderung teilend - aufgrund dieser Kontroverse gemalt. Wie die Hodler-Forschung darlegt, entstand die Bildidee aber möglicherweise schon früher in Verbindung mit derjenigen zur grossen Komposition «Der Tag». Hat Hodler das Bild also erst im Nachhinein in «Die Wahrheit» umbenannt und so zu einem Protest-Bild gemacht?
Die gemeinsame Präsentation der beiden Fassungen ermöglicht es, deren markant verschiedenen malerischen Charakter zu studieren. Dabei erscheint die zweite, endgültige Fassung glatter und stärker stilisiert, während die erste ihr gegenüber rauer und archaischer wirkt. In der ersten Fassung kontrastiert der symbolistische Bildgedanke auf lebhafte Art mit der unmittelbaren Präsenz der Pinselschrift des grossen Malers Hodler. Für einen durch die Entwicklung der modernen Kunst geschulten Blick mag daher gerade die erste, nun restaurierte Fassung besonders ansprechend sein.

VORTRAG AM 27. FEBRUAR 2013
Das Restaurierungsprojekt stand unter der Leitung des Kunsthaus-Chefrestaurators Hanspeter Marty. Viola Möckel war die ausführende Restauratorin. Sammlungskonservator Philippe Büttner hat die kleine Ausstellung kuratiert. Der Verlauf der Restaurierungsarbeiten ist auf www.kunsthaus.ch dokumentiert. Öffentliche Führungen finden am Sonntag, 27. Januar und Sonntag, 24. Februar um 11 Uhr statt.
Am 27. Februar um 18 Uhr findet im Hodler-Saal des Kunsthauses ein Vortrag statt. Paul Müller, Mitarbeiter des SIK-ISEA und Co-Autor des Catalogue raisonné der Gemälde Ferdinand Hodlers, spricht über «Die Wahrheit». Die Teilnahme ist im Sammlungseintritt inklusive.

UNTERSTÜTZUNG DURCH MERRILL LYNCH ART CONSERVATION PROJECT
Die Restaurierung profitiert von einem einmaligen Programm, dem Bank of America Merrill Lynch Art Conservation Project. Initiiert im Jahr 2010, leistet es Beiträge an Nonprofit-Museen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Zuletzt wurde das Programm auf die USA, den asiatisch-pazifischen Raum und Lateinamerika ausgedehnt. Damit werden Kunstwerke und kunsthandwerkliche Gegenstände erhalten, die für die nationale Kultur und zukünftige Generationen von herausragender historischer oder kultureller Bedeutung sind.

PREISE UND ÖFFNUNGSZEITEN
Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1, CH–8001 Zürich
Tel. +41 (0)44 253 84 84, www.kunsthaus.ch
Offen: Sa/So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do/Fr 10–20 Uhr.
Eintritt: CHF 15.–/10.– reduziert inkl. Sammlung. Bis 16 Jahre gratis. Kombiticket inkl. Ausstellungen «Paul Gauguin» (bis 20.1.13) CHF 25.-/18.- reduziert/20.- Gruppen ab 20 Personen.
Vorverkauf: SBB RailAway-Kombi. Ermässigung auf Anreise und Eintritt: am Bahnhof oder beim Rail Service 0900 300 300 (CHF 1.19/Min. ab Festnetz), www.sbb.ch. Magasins Fnac: Verkaufsstellen CH: Rives, Balexert, Lausanne, Fribourg, Pathé Kino Basel, www.fnac.ch; F: Carrefour, Géant, Magasins U, 0 892 68 36 22 (0.34 €/min), www.fnac.com; BE: www.fnac.be

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