Montag, 20. November 2017


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Kunsthaus Zürich zeigt «Franz Gertsch. Jahreszeiten. Werke 1983 bis 2011»

Zürich, (lifePR) - Vom 10. Juni bis 18. September 2011 zeigt das Kunsthaus Zürich in einer retrospektiven Werkschau rund 30 grossformatige Gemälde und Holzschnitte von Franz Gertsch - einem der bedeutendsten Schweizer Künstler der Gegenwart. Unter dem Titel «Jahreszeiten» sind seine realistischen, zwischen 1983 und 2011 entstandenen Arbeiten im grossen Ausstellungssaal versammelt. Höhepunkt ist der nun vollendete «Vier Jahreszeiten-Zyklus».

Franz Gertsch (*1930) zählt zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart. International bekannt wurde er in den 1970er Jahren mit seiner hyperrealistischen Malerei. Arbeiten dieser Zeit erzielten an den jüngsten Auktionen Spitzenpreise. Ein herausragendes Renommee hat sich der Künstler jedoch auch mit seinem in Technik und Formaten einzigartigen Holzschnittwerk erworben.

Die Eröffnung der aktuellen Ausstellung fällt zusammen mit der Vollendung des magistralen «Vier Jahreszeiten-Zyklus». Dieser bildet den Leitfaden für die Präsentation, welche weit über die jüngsten Bilder hinaus auch einen Rückblick auf Gertschs Schaffen seit 1983 bietet. Die rund 30 von Kurator Tobia Bezzola gemeinsam mit Franz Gertsch ausgewählten Werke finden im grossen Ausstellungssaal des Kunsthauses gebührend Platz: Auf einen Prolog folgen «Herbst», «Winter», «Frühling» und «Sommer» in separaten, stimmungsvoll geprägten Räumen. Diesen vier Jahreszeiten-Bildern sind sämtliche seit den 1980er Jahren entstandenen Gemälde sowie Holzschnitte zur Seite gestellt - Natur- und Landschaftsstudien sowie Porträts von Frauen.

Über ein Jahr Arbeit steckt in "Frühling".

«Frühling» (2011) komplettiert den Jahreszeiten-Zyklus, der mit dem 2008 fertiggestellten «Herbst» begann und auf den «Sommer» (2009) und «Winter» (2009) folgten. Gertsch, der am «Frühling» täglich bis zu fünf Stunden arbeitete, füllte dabei manchmal nur eine Fläche von 20 x 25 cm. Die Vollendung der 3,25 x 4,80 Meter grossen Leinwand nahm ganze 16 Monate in Anspruch. «Es war ein stetiger Prozess der Beobachtung und der Verdichtung», analysiert der Kunsthistoriker Jean-Christophe Ammann in der begleitenden Publikation. Hingebungsvoll erfüllt Gertsch seine Vorlagen mit Leben, erlebt dies als Schöpfungsakt. Die autonome Dichte der Teile - so schreibt Amman weiter - ist atemberaubend.

Fotografische Vorlagen und edle Materialien

Der Katalog und der Audioguide bieten weitere Einblicke in das Schaffen des Künstlers und helfen dem Betrachter, das Werk zu deuten: So sind die naturalistischen Jahreszeiten nicht im Freien, wenige Meter hinter dem Haus des Künstlers gemalt, wo die botanische Vorlage liegt, sondern im Atelier, mit Hilfe von fotografischen Vorlagen. Betrachtet man das von ferne naturalistisch erscheinende Werk im Detail, tritt - für manchen Besucher überraschend - eine fast impressionistisch anmutende Technik zutage.

Gertsch schätzt nicht nur die bildnerische, sondern auch die konzeptionelle Herausforderung. Obgleich er von Fotos ausgeht, folgen seine Bilder einer eigenen, inneren Logik, die auf absolute Stimmigkeit aller Elemente zielt. Die Reinheit des verwendeten Materials ist dabei Programm: Von den Farben, oft aus Mineralien wie Lapislazuli, Azurit und Malachit hergestellt, über Bindemittel bis hin zu Leinwand oder handgeschöpftem japanischem Papier wird alles sorgfältig ausgewählt und auf das Werk abgestimmt. Als völlig singulär kann Gertschs Holzschnittwerk gelten. In einer bisher unbekannten Präzision der Ausführung - das gilt für das Stechen ebenso wie für das Drucken - und in Monumentalformaten, die an die Grenzen des Machbaren bei der Papierherstellung stossen, hat Gertsch diesem traditionellen Medium neue Dimensionen erschlossen.

Schweizer Künstler mit internationalem Renommé

International ist der 1930 in Möringen im Kanton Bern geborene Gertsch seit seinem Durchbruch auf der «documenta 5» in Kassel 1972 bekannt. Von da an, über die Präsentationen seiner Werke auf den Biennalen in Venedig 1999 und 2003, spannt sich bis heute ein reiches malerisches und grafisches Werk. In den letzten 15 Jahren entstanden Ausstellungen in Berlin, München, Paris, Wien, Nagoya und New York. Die Stadt Goslar verlieh ihm den begehrten Kaiserring. In der Stadt Kiel hat Gertsch 2005 die Ehrenbürgerwürde durch die Christian Albrechts-Universität erhalten.

Gespräch, Führungen, Publikation, Film

Die Beiträge im Katalog (Kerber-Verlag, 112 S., 30 Abb.) stammen von Jean-Christophe Ammann, Tobia Bezzola, Harald Kunde, Guido de Werd und Klaus Albrecht Schröder. Die Publikation ist in deutscher sowie englischer Auflage für CHF 47.- im Kunsthaus-Shop erhältlich.

Im Rahmen des «Meet the artist day» der Zürcher Festspiele wird über die Kunst von Franz Gertsch diskutiert. Am 25. Juni um 13 Uhr treffen im Restaurant Metropol (Zürich) die Kunsthistoriker Jean-Christophe Ammann und Philip Ursprung (Prof. für Kunst- und Architekturgeschichte am Institut gta der ETH Zürich) aufeinander. Eintritt frei.

Öffentliche Führungen in der Ausstellung: sonntags 11 Uhr, mittwochs 18 Uhr (CHF 6.-). Private Führungen buchbar unter Tel. +41 (0)44 253 84 84, Mo-Fr 9-12 Uhr.

Im Jahr 2009 liess Franz Gertsch, der sich ungern bei der Arbeit über die Schulter blicken lässt, die Entstehung seines Werks «Winter» dokumentieren. Der 8-minütige Werkstattfilm von Maria Gertsch-Meer (Kamera) und Renate Gertsch (Schnitt) wurde 2011 fertig gestellt und ist während der Öffnungszeiten der Ausstellung im Filmraum des Kunsthaus Zürich zu sehen.

Unterstützt von Swiss Re - Partner für zeitgenössische Kunst.

ALLGEMEINE HINWEISE
Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1, 8001 Zürich.
Offen: Sa/So/Di 10-18 Uhr, Mi/Do/Fr 10-20 Uhr. Feiertagsöffnungen siehe www.kunsthaus.ch.
Eintritt inkl. Audioführung (d/e/f) bis 16 Jahre gratis.
Erwachsene CHF 18.-/12.- reduziert/14.- Gruppen ab 20 Personen. Anmeldung für Schulen und Gruppen obligatorisch.
Vorverkauf: SBB RailAway-Kombi: Ermässigung auf Anreise und Eintritt: am Bahnhof oder beim Rail Service 0900 300 300 (CHF 1.19/Min. ab Festnetz), www.sbb.ch. Magasins Fnac: www.fnac.ch.

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