Mittwoch, 18. Juli 2018


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Kunsthaus Zürich: Neue Strukturen, populäre Themen und ein Programm mit grossen Namen sollen 2018 den Aufschwung bringen

Zürich, (lifePR) - Nach einem Rückgang der Besucherzahlen um 90‘000 Eintritte in 2017 gibt das Kunsthaus Gegensteuer: Das Programm 2018 reicht von jungen Werken, an deren Entstehung sich lokale Initiativen beteiligen können, über Erscheinungen extremer Mode in der Kunst und eine Würdigung der Naiven Malerei bis zu monografischen Ausstellungen der beliebten Künstler Robert Delaunay und Oskar Kokoschka. Mit einer neuen Geschäftsleitungsfunktion für Verkauf und Services soll die Einnahmenposition langfristig verbessert werden.

Mit 230‘000 Eintritten (Vorjahr 320‘000) lag das Besucheraufkommen im Kunsthaus Zürich 2017 unter dem langjährigen Durchschnitt von 300‘000 Eintritten. Der sechsstellige Jahresverlust, den die vorläufige Jahresrechnung für 2017 ausweist, wird durch eine Ausgleichsreserve teilweise gedeckt. Der Rückgang war von der Zürcher Kunstgesellschaft vor Jahresfrist angekündigt worden. Grund dafür sind neben einem experimentellen Programm die laufenden Bauarbeiten zur Anbindung des Bestandsgebäudes an die Erweiterung von David Chipperfield. Diese Massnahme bindet Ressourcen, die dringend zur Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie benötigt werden, um betriebliche Abläufe effizienter zu gestalten und die Interaktion mit dem Publikum zu verbessern. Trotz der erschwerten Bedingungen formiert sich die Institution in entscheidenden Bereichen neu und erreicht ihre Ziele. So ist der private Anteil an den Gesamtinvestitionen der Erweiterung inzwischen gesichert. Für die Passage, die den Bestand mit dem Erweiterungsbau verbindet, konnte Lawrence Weiner für eine Auftragsarbeit gewonnen werden – ein Kunstwerk, das dank privater Unterstützung möglich wird. Und soeben wurde eine Vereinbarung geschlossen, die dem Kunsthaus 17 Werke des Norwegers Johan Christian Dahl zuführt, dem nach Caspar David Friedrich berühmtesten Künstler der Romantik: ein Geschenk des Geschäftsmanns und Mäzens Christen Sveaas aus Oslo, der in St. Gallen an der HSG studiert hat.

NEUE STRUKTUREN, NEUE KÖPFE

Wie an der Generalversammlung der Zürcher Kunstgesellschaft beschlossen, sind 2017 neue Strukturen installiert worden: ein international besetzter Beirat ist im November erstmals zusammengetreten. Auf Mai 2018 wird die vierköpfige Geschäftsleitung durch Christoph Stuehn komplettiert. Stuehn, noch bis Ende März Direktor von Memoriav, war zuvor Leiter Museumsbetrieb und Mitglied der Geschäftsleitung des Schweizerischen Nationalmuseums sowie als stellvertretender kaufmännischer Direktor am Schauspielhaus Zürich tätig. Als Leiter Verkauf und Services verantwortet Stuehn u.a. die Bereiche Shop, Mitglieder- und Besucherservice. Zudem wird er für das ab 2020 grösste Kunstmuseum der Schweiz eine Raumvermietungs- und Veranstaltungsorganisation aufbauen. Im Sponsoring folgt Jacqueline Greenspan auf Monique Spaeti, die in Pension geht. Und im Mai wird die Leitung der Restaurierung von Hanspeter Marty, der ebenfalls in den Ruhestand wechselt, an Kerstin Mürer übertragen. Neu besetzt und aufgestockt worden ist die Stelle des Konservators in der Grafischen Sammlung. Der Nachfolger von Bernhard von Waldkirch heisst Jonas Beyer. Beyer, der am 1. Januar eintrat, war zuletzt Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kunstgeschichtlichen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen und davor an der Hamburger Kunsthalle tätig. Damit ist das Team der Ausstellungsmacher wieder komplett. Susanne Schärer, seit September 2017 dabei, hat per Anfang Jahr die Personalleitung von Gerda Kram übernommen.

Im Jahr 2018 nimmt die Zürcher Kunstgesellschaft nun die Planung für wichtige mittel- und langfristige Personalentscheidungen auf, die Besetzungen der Vizedirektion und der Direktion. Es ist vorgesehen, den Wechsel der Vizedirektion im Frühjahr 2020 und der Direktion nach der Eröffnung der Kunsthaus-Erweiterung zu vollziehen.

AUSSTELLUNGSPROGRAMM
Das Angebot an Ausstellungen weist 2018 einen hohen Aktualitätsbezug auf, es erschliesst weniger bekannte Strömungen neu und ist bei klassischen Positionen überaus populär.

REFORMATION: Verlängert bis 18. Februar!

Dem Leitgedanken des Umgestaltens und der Erneuerung folgend, sind Werke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert aus dem Bestand des Kunsthauses zu einer thematischen Ausstellung vereint: Sakralbilder, gegenreformatorische Barock-malerei, Historienbilder des 19. Jahrhunderts und die unterschwellig-religiöse Kunst Mondrians und der Konkreten. Gastkurator: Andreas Rüfenacht

GEGEFEIERT UND VERSPOTTET. FRANZÖSISCHE MALEREI 1820–1880

Bis zum 28. Januar ist das vielfältige Panorama der französischen Malerei im 19. Jahrhundert zu sehen. Romantik, Realismus, Naturalismus, Freilichtmalerei, Impressionismus: Künstler dieser Stilrichtungen verliessen damals den offiziellen «Hauptweg» der Malerei, die akademisch-klassizistische Manier. Zu ihrer Zeit höchst umstritten, gehören diese Künstler heute zu den weltweit gefeierten «Wegbereitern der Moderne». Die französische Malerei des 19. Jahrhunderts bietet allerdings eine Vielzahl anderer, ebenso wichtiger Künstler, die damals bei Kunstkritik und Publikum das grössere Ansehen genossen und hochgefeiert wurden. Kuratorin: Sandra Gianfreda

ABRAHAM CRUZVILLEGAS. AUTORRECONSTRUCCIÓN: SOCIAL TISSUE 16.2. – 25.3.18

Zum ersten Mal in der Schweiz: Der mexikanische Künstler Abraham Cruzvillegas (*1968). In seinen Werken und raumfassenden Installationen untersucht er skulpturale Formen als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Seine Werke sind von einer Idee des ständigen Werdens geprägt. Improvisation, das Arbeiten mit vorgefundenen Materialien und der Austausch mit Menschen vor Ort spielen eine entscheidende Rolle. Cruzvillegas verwandelt den Ausstellungssaal in eine Werkstatt, in der im Laufe der Ausstellung neue Arbeiten entstehen und verschiedene Veranstaltungen stattfinden. Am Ende fügen sich die neu entstandenen Werke zu einer Gesamtinstallation zusammen. Der für Cruzvillegas' Werk zentrale Gedanke des dynamischen Prozesses wird so auf das Ausstellungsformat selber übertragen.

Kuratorin: Mirjam Varadinis

MAGRITTE, DIETRICH, ROUSSEAU. VISIONÄRE SACHLICHKEIT 9.3. – 8.7.18

Die Entwicklung der abstrakten Kunst war ein zentraler Prozess der Kunst der Moderne. Aber auch Künstlerinnen und Künstler, die sich an den Stilmitteln der gegenständlichen Kunst orientierten, prägten die Moderne wesentlich mit. Dies wird anhand meisterhafter und zum Teil selten gezeigter Werke der Sammlung des Kunsthauses deutlich. Im späten 19. Jahrhundert erfasste Félix Vallotton die sichtbare Welt fast altmeisterlich präzis – legte aber mit psychologischer Schärfe zugleich ihre Brüchigkeit frei. Gleichzeitig schilderte der «naive» Autodidakt Henri Rousseau fein säuberlich visionäre Bildwelten der Imagination. In der Ausstellung ebenfalls vertreten sind die späteren «Naiven» André Bauchant, Camille Bombois, Élie Lascaux und Grandma Moses. Nach dem Ersten Weltkrieg gewann die gegenständliche Schilderung der Welt in der sogenannten Neuen Sachlichkeit (Niklaus Stoecklin, Adolf Dietrich) neuen Raum. Und bediente sich nicht sogar der Surrealismus (René Magritte, Salvador Dalí) bei seiner Darstellung unbewusster Inhalte der Mittel gegenständlicher Kunst?
Kurator: Philippe Büttner

FASHION DRIVE. EXTREME MODE IN DER KUNST
20.4. – 15.7.18

Wie haben Künstler auf extreme Erscheinungen wie Schlitzmode, die Schamkapsel, die Krinoline oder den Smoking reagiert? Die Ausstellung betrachtet 500 Jahre Modegeschichte im Spiegel der Kunst. Es stehen Kippmomente im Fokus, in denen die Mode extrem, schrill, laut, getarnt und verpönt ist. Heute fördern Globalisierung und Homogenisierung eine «Fast Fashion». Dagegen strebt die exklusiv im Kunsthaus stattfindende, in Koproduktion mit den Festspielen Zürich realisierte Ausstellung eine kritische und sinnliche Betrachtung von Kleidung in der Kunst an: Bedeutende Momente der Modegeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart in Malerei, Zeichnung, Plastik, Installation, Fotografie und Film. Mit rund 60 Künstlern, darunter Joseph Beuys, Giovanni Boldini, Leigh Bowery, Daniele Buetti, Salvador Dalí, Honoré Daumier, Albrecht Dürer, Esther Eppstein, Sylvie Fleury, Emilie Flöge & Gustav Klimt, Natalja Gontscharowa, K8 Hardy, Herlinde Koelbl, Peter Lindbergh, Manon, Malcolm McLaren & Vivienne Westwood, Mai-Thu Perret, Tula Roy und Christoph Wirsing, Wolfgang Tillmans, Félix Vallotton und Andy Warhol – und mit einem Fashion Ball am 5. Mai!
Kuratoren: Cathérine Hug, Christoph Becker

ROBERT DELAUNAY UND PARIS 31.8. – 18.11.18

Mit dieser umfangreichsten Präsentation in der Schweiz wird Robert Delaunay (1885–1941) gewürdigt, einer der bedeutendsten Wegbereiter in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Die visuell äusserst attraktive Ausstellung gibt dem Publikum Gelegenheit, das breite Spektrum und den vorausweisenden Charakter von Delaunays Werk zu erleben – indem sie sich mit dessen zentralen Themen auseinandersetzt: Licht, Farbe und der malerische Ausdruck eines als bewusste Tätigkeit verstandenen Sehprozesses. Das Publikum erfährt, wie der leidenschaftliche Verfechter und Vertreter der abstrakten Kunst zu einer zentralen Figur der Pariser Avantgarde wurde. Anhand von 80 Gemälden und Arbeiten auf Papier wird deutlich, wie entscheidend der Ansporn und Einfluss war, den Paris auf Delaunays Bildvokabular und seine malerischen Experimente ausübte. Fotografien und Filme von Zeitgenossen, die sich ebenfalls von der französischen Metropole inspirieren liessen, ergänzen die Ausstellung.
Gastkuratorin: Simonetta Fraquelli

OSKAR KOKOSCHKA: EINE RETROSPEKTIVE
14.12.18 – 10.3.19

Oskar Kokoschka (1886–1980) zählt heute zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Im von zwei Weltkriegen erschütterten Europa, wo realistische Kunst in Verruf geraten war, setzte sich Kokoschka unerschrocken für die Anerkennung der figurativen Kunst ein. Zeitlebens hielt er an der integralen Kraft einer Kunst jenseits von Staatspropaganda fest, was sich in seinem gesamten Werk niederschlägt. Die Retrospektive umfasst sämtliche von Kokoschka verwendete Techniken wie Ölmalerei, Pastell, Zeichnung, Aquarell, Druckgrafik sowie Theaterstücke und Kostümentwürfe. Die letzte Retrospektive in der Schweiz zu Kokoschka fand 1986 am Kunsthaus Zürich statt. Es ist an der Zeit, die spektakulären Originale dieses expressiven Malers mit dem unverkennbaren Pinselstrich sowohl einer jüngeren Generation wie auch langjährigen Bewunderern wieder näherzubringen.
Kuratorin: Cathérine Hug

HIGHLIGHTS VOM 13. – 21. JAHRHUNDERT: PRÄSENT UND IN BEWEGUNG

Von seiner Struktur her ein Museum und eine Kunsthalle zugleich, beherbergt das Kunsthaus eine bedeutende Sammlung von Gemälden, Skulpturen und Installationen – Werke der westlichen Kunst vom 13. Jahrhundert bis heute. Gut 350 der rund 5‘000 Werke sind dauerhaft ausgestellt.

Das plastische und malerische Werk Alberto Giacomettis kann nirgends besser als im Kunsthaus Zürich studiert werden. Zudem zeigt das Kunsthaus die grösste Sammlung an Gemälden von Edvard Munch ausserhalb Norwegens. Die französische Malerei gipfelt in drei monumentalen Seerosen-Werken von Claude Monet. Dada, in Zürich gegründet, und die geometrisch-konstruktive Kunst der «Zürcher Konkreten» – Glarner, Bill, Lohse – stehen mit internationalen Bewegungen auf Augenhöhe. Die New York School der Nachkriegszeit ist ebenso vertreten wie die europäische und die amerikanische Pop Art. Für den malerisch expressiven Aufbruch der 1980er-Jahre stehen Georg Baselitz, Anselm Kiefer und Sigmar Polke. Ab Juli 2018 wird dieser Bereich temporär mit grossen Installationen u.a. von Bruce Nauman bespielt. Fotografie, Video und Installationen führen bis ins 21. Jahrhundert, unter anderem von Jeff Wall, Pipilotti Rist und Peter Fischli/David Weiss.

ALLGEMEINE INFORMATIONEN
Auf www.kunsthaus.ch kann das Programm heruntergeladen werden. Auf Facebook, im elektronischen Newsletter und in der Online-Agenda findet der Besucher zudem viele aktuelle Ereignisse.

 

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