Gedenken an die Opfer der NS-Euthanasie

Am Allerheiligentag Pontifikalamt und Gedenkveranstaltung "Lichter gegen das Vergessen" in Kloster Irsee / Freitag, 1. November 2013, ab 15.00 Uhr

(lifePR) ( Irsee, )
Im Rahmen seines Jubiläumsprogramms "60 Jahre Bezirk Schwaben" wird in diesem Jahr den Opfern der NS-Krankenmorde in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Irsee (vgl. Historischer Hintergrund) in besonderer Weise gedacht:

Nach der Segnung der Gräber auf dem Gemeindefriedhof zelebriert Weihbischof Dr.Dr. Anton Losinger, Augsburg, um 15.00 Uhr ein festliches Pontifikalamt in der ehemaligen Klosterkirche Irsee. Kirchenmusikalisch wird die Feier vom Vokalensemble Kaufbeuren und der Capella Buronia unter Leitung von Daniel Herrmann gestaltet. Auf dem Programm stehen die "Missa A. Apolloniae, Virginis et Martyris" des Irseer Musikpriors Meinrad Spieß und das "Pie Jesu Domine" des Irseer Renaissance-Abtes Carolus Andreae.

Anschließend (gegen 16.15 Uhr) spricht Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert auf dem ehemaligen Patientenfriedhof hinter der Klosterkirche das Totengedenken im Rahmen der Gedenkstunde "Lichter gegen das Vergessen", die der in Irsee lebende Autor Robert Domes mit seiner bewegenden Roman-Biographie "Nebel im August" angeregt hat.

Zur Gedenkveranstaltung hat sich auch das Bayerische Fernsehen angekündigt, das am Sonntag, 03.11., 18:05h, im Rahmen der Sendung "Schwaben & Altbayern" über das Irseer Euthanasie-Gedenken berichten und Interviews mit der Lossa-Schwester Amalie Speidel und dem langjährigen ärztlichen Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren, Prof. Dr. Michael von Cranach senden wird.

Zu Pontifikalamt und Gedenkveranstaltung wird herzlich eingeladen. Das Schwäbische Bildungszentrum Irsee stellt Lichter für die Totenehrung bereit.

Zum historischen Hintergrund:

1832 beschloss der Kreis Schwaben und Neuburg als Vorgänger des Bezirks Schwaben die Einrichtung einer stationären Psychiatrie im ehemaligen Kloster Irsee. Diese wurde am 1. September 1849 als "Kreis-Irrenanstalt Irsee" für etwa achtzig Patienten eröffnet. Angesichts der massiven sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen im 19. Jahrhundert gab es einen großen Bedarf an stationären Behandlungsplätzen für Menschen mit seelischen Nöten, psychiatrischen Krankheitsbildern und Behinderungen. Innerhalb kurzer Zeit stieg die Zahl der Patienten auf über dreihundert an, so dass am 1. August 1876 die "Bayerische Heilanstalt für Geisteskranke in Kaufbeuren" eröffnet wurde. Irsee fungierte von nun an als Zweigstelle, in der vorwiegend chronisch Kranke untergebracht wurden. Die Unterscheidung von Patienten in "heilbar" und "unheilbar", in "arbeitsfähig" und "nicht arbeitsfähig" innerhalb medizinischer Therapien und ihre gesellschaftliche Bewertung führte im Rahmen der nationalsozialistischen "Gesundheitspolitik" zur Charakterisierung einer großen Patientengruppe als angeblich "lebensunwert". Patienten der der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren und ihrer Nebenstelle Irsee wurden so während des Dritten Reichs in "Tötungsanstalten" deportiert, man ließ sie mit fettloser "E-Kost" verhungern oder brachte sie mit Tabletten und Injektionen um. Ihre Leichen wurden auf anstaltseigenen Friedhöfen bestattet bzw. in einem eigens errichteten Krematorium verbrannt.

Einer der Patienten, dessen Schicksal bereits in den Prozessen der unmittelbaren Nachkriegszeit eine Rolle spielte, war Ernst Lossa (geb. 01.11.1929), der als vierzehnjähriger Bub im August 1944 mit zwei Spritzen Morphium-Scopolamin in Irsee ermordet wurde.

Insgesamt sind für Kaufbeuren/Irsee über zweitausend Opfer dieser Politik zu beklagen. Die Täter kamen, wenn sie überhaupt angeklagt wurden, mit nur geringen Haftstrafen davon.

1972 wurde Kloster Irsee als Abteilung des heutigen Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren auf Grund gravierender baulicher Mängel geschlossen. Nach der Sanierung errichtete der Bezirk Schwaben 1981, im Eröffnungsjahr des Schwäbischen Bildungszentrums Irsee, auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof ein Denkmal für die Opfer der NS-Patientenmorde. Mitte der 1990er Jahre folgte die Widmung der Gedenkstätte in der ehemaligen Anstalts-Prosektur, 2009 die Setzung von "Stolpersteinen" vor der Klosterfassade. Auf Anregung des in Irsee lebenden Autors Robert Domes, dessen bewegende Roman-Biographie "Nebel im August. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa" zur Schullektüre geworden ist, findet seit 2010 jährlich zu Allerheiligen, dem Geburtstag von Ernst Lossa, die Gedenkveranstaltung "Lichter gegen das Vergessen" statt, um alle Irseer "Euthanasie"-Opfer zu ehren.
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