Samstag, 23. September 2017


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Schrumpfkur für die Prostata

Sindelfingen, (lifePR) - Noch ist die Prostata-Embolisation in der deutschen Kliniklandschaft eine Ausnahmeerscheinung. Nur wenige Häuser bieten das innovative Verfahren an. Seit kurzem zählt nun auch das Zentrum für Radiologie Leonberg-Böblingen dazu. Chefarzt Dr. Jens Schneider und sein Team führten den minimalinvasiven Eingriff am Standort Leonberg nun erstmals durch.

Apfelsinengroß war die Prostata, die Dr. Ulrich Haag, Chefarzt der Urologie an den Kliniken Nagold, bei einem seiner Patienten entdeckte. Dazu gesellten sich ein kleinzelliges Bronchialkarzinom mit Lymphknotenmetastasen, Diabetes, eine koronare Gefäßerkrankung und zahlreiche weitere Begleiterkrankungen. Als indiskutabel gilt eine Operation der Vorsteherdrüse unter diesen Vorzeichen, so dass der Urologe den 77-Jährigen zur Prostata-Arterien-Embolisation (PAE) nach Leonberg überwies. Bundesweit findet sich nur eine überschaubare Anzahl interventioneller Radiologen mit der erforderlichen Expertise für diesen Eingriff. Dr. Jens Schneider, Chefarzt des Zentrums für Radiologie Leonberg-Böblingen, besitzt das PAE-Zertifikat bereits seit geraumer Zeit und kann zudem eine langjährige Erfahrung als ausgewiesener interventioneller Radiologe vorweisen. Für zukunftsweisend hält der Mediziner die nebenwirkungsarme Prostata-Embolisation, die auf dem Prinzip der Verödung beruht. Ziel des schonenden Eingriffs ist es, mithilfe kleiner Kunststoff-Partikel jene Arterien zu verschließen, die die Vorsteherdrüse versorgen, um so einen Teil der Blutzufuhr zu dem Organ zu stoppen. Auf diese Weise schrumpft die Prostata in den folgenden Monaten, wodurch der stetige Harndrang peu à peu nachlässt.

Ermöglicht wurde diese Therapie durch die im Januar diesen Jahres neu angeschaffte Angiografie-Anlage in Leonberg, wie Dr. Schneider betont: "Sie versetzt uns in die Lage, die nötige Sicherheit anzubieten." Neben einer exzellenten Bildqualität wartet die Röntgenanlage auch mit einer neuen Technik auf, der Rotations-Angiografie: Der sogenannte C-Bogen des Geräts kann 360 Grad um den Patienten rotieren und liefert so dreidimensionale CT-Bilder. Diese ermöglichen es dem zertifizierten interventionellen Radiologen, die Prostataarterien zweifelsfrei von jenen zu unterscheiden, die das Rektum oder den Penis versorgen. "So haben wir die Kontrolle, ob wir das richtige Gefäß embolisieren. Mit den Angiografie-Bildern allein könnte man ganz schön danebenliegen", erläutert Dr. Schneider.

Um die Therapie sorgfältig planen zu können, geht der Embolisation stets eine MRT-Untersuchung voraus. "Mit dieser können wir bestimmen, wie groß die Prostata ist und welche Seite die dominante Seite ist. Dadurch wissen wir, wie ausgedehnt man embolisieren muss und wie viele Partikel man braucht", erklärt Dr. Schneider. In örtlicher Betäubung erfolgt dann der Eingriff. Mit einem Katheter, in dem sich ein hauchdünner Mikrokatheter samt Draht befindet, verschafft sich der interventionelle Radiologe über die Leistenarterie Zugang zu dem verästelten Gefäßsystem und arbeitet sich zu den Prostata-Arterien auf der rechten und linken Seite vor. Dort bringt er die nur 0,25 Millimeter oder weniger messenden Kunststoff-Partikel aus, die durch den Blutdruck in die Peripherie der Prostata gedrückt werden und dort verbleiben. Letzteres muss niemanden beunruhigen, versichert Dr. Schneider: "Das Plastik reagiert nicht mit dem Körper, der Körper interessiert sich nicht dafür." Bei der Embolisation der anderen Prostata-Hälfte profitiert der Patient von der Geschicklichkeit des Radiologen: In der Regel muss dieser keinen zweiten Zugang legen, sondern benötigt dank geschulter motorischer Fähigkeiten nur einen einzigen.

Dr. Schneider weist auf noch einen weiteren Vorteil hin: "Die Embolisation ist in der Regel komplett schmerzlos, so dass man oft auf eine Schmerztherapie verzichten kann. Ein leichtes Druckgefühl beobachten manche Patienten." Dem Arzt hingegen verlangt der Eingriff nicht nur Erfahrung, sondern auch einen langen Atem ab, wie der Radiologe weiß: "Die Embolisation kann durchaus zeitaufwendig sein." Knapp zwei Stunden dauerte die Angiografie bei Dr. Schneiders Erstfall, dem 77-jährigen Patienten mit gutartiger Prostatavergrößerung. "Währenddessen ist man unter Bleischutz und die ganze Zeit voll konzentriert", berichtet der Mediziner. Eine schweißtreibende Angelegenheit. Ist der Eingriff gut überstanden, bleibt der Patient noch ein paar Stunden zur Überwachung in der Klinik und wird dann zurück nach Nagold transportiert. "Der Druck auf die Harnröhre schwindet schon nach wenigen Tagen und knapp 43 Prozent der Patienten bemerken dann schon eine Symptom-Verbesserung", weiß Dr. Schneider.

Eine weitere Volumenreduktion der Prostata erfolgt innerhalb der nächsten sechs Monate. Empfehlen kann der interventionelle Radiologe die Therapie auch deshalb, weil sie kaum Risiken birgt: Vor Inkontinenz, Impotenz oder einer Nachblutung muss sich keiner seiner Patienten fürchten. Lediglich dann, wenn eine ausgeprägte Kontrastmittelallergie oder eine schwere Niereninsuffizienz vorliegt, ist eine Embolisation nicht möglich. Dr. Schneiders erster PAE-Patient hat den Eingriff mittlerweile bestens überstanden. "Dank der guten standortübergreifenden Zusammenarbeit im Klinikverbund konnte er die optimale Therapie erhalten", freut sich der Radiologe.

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