Der Kampf der Sternsinger gegen die Trockenheit

Kinder im Nordosten Brasiliens lernen schonenden Umgang mit Ressourcen von Manfred Kutsch (Text) und Silke Fock-Kutsch (Fotos)

(lifePR) ( Petrolina/Brasilien, )
Erzählen wir doch zunächst von dieser Begegnung. Unter stechender Sonne, hier auf dem kargen, rötlichen Boden von Sao Bento, wo 37 Trockenjahre im 20. Jahrhundert nur Buschweide, Kakteen und Sträucher hinterlassen haben. Jamerson (12) und Fabricio (11) kommen gerade aus der Schule, ihr abgelegenes Heimatdorf gehört zur "Caatinga", einem Trockengebiet in der Größe von Deutschland und Frankreich im verarmten Nordosten Brasiliens, das derzeit wieder unter einer Dürreperiode leidet.

Auch heute wurden die beiden Jungs aus Büchern unterrichtet, die das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" finanziert hat. Wir fragen, was sie gelernt haben. Und Jamerson erzählt, dass es um Kompostierung ging. "Sie ist deshalb so wichtig, weil sie Pflanzen Nahrung gibt, das Wasser länger konserviert und Schädlinge abwehrt", sagt er - und blickt ganz stolz. Freund Fabricio fügt hinzu: "Ich weiß jetzt auch, wie man Regen auf den Dächern der Häuser sammeln und berechnen kann." Der freilich war in der jüngsten Regenzeit so gering wie seit 30 Jahren nicht mehr: Anstelle von durchschnittlich 530 Millimeter fielen nur rund 150 pro Quadratmeter.

Doch auch unabhängig von der aktuellen Brisanz werden die Themen des neuen Unterrichtsstoffes der beiden Schüler bei der UN-Konferenz für nachhaltige Umwelt- und Klimaentwicklung vom 20. bis 22. Juni 2012 in Rio de Janeiro eine Rolle spielen. Das Kindermissionswerk unterstützt seinen Partner IRPAA (Instituto Regional da Pequena Agropecuária Apropriada), einen gemeinnützigen Verein für Kleinbauernwirtschaft, in gezielten Maßnahmen für klimagerechtes Leben und Arbeiten. "Denn es fehlt hier nicht nur an Wasser, sondern vor allem an Information", sagt IRPAA-Gründer Harald Schistek, dessen Organisation durch den Dachverband ASA bei der UN-Konferenz vertreten sein wird.

Die Caatinga mit ihren 60 Millionen Landbewohnern ist seit jeher geprägt von Armut und Mangelernährung. Längst wurde sie zur Drehscheibe für Massenflucht in die Metropolen des fruchtbareren Südens Brasiliens. "Und zwar vor allem, weil Landwirtschaft und Tierhaltung dem Trockenklima im Nordosten nicht angepasst sind", erklärt der 70-jährige Schistek. "Deshalb setzt unser Konzept bei den Kindern an, die der Schlüssel für Veränderung sind. Sie sind offen und neugierig und bringen das Wissen aus der Schule nach Hause in die Familien."

Die Fakten, so die IRPAA-Fachkraft Maria Oberhofer: "Nicht allein die geringe Menge der Niederschläge ist das Problem, sondern vor allem deren Unregelmäßigkeit. Das Regenwasser muss gesammelt und vor Verdunstung bewahrt werden." Eine Zisterne von 16.000 Litern garantiere zu normalen Zeiten während der Trockenperiode 14 Liter täglich pro Person in einer fünfköpfigen Familie. Mit der von IRPAA entwickelten Handpumpe können zudem Flachbrunnen in Betrieb genommen werden, die 50 Menschen versorgen. "Auch die Agrarkultur muss angepasst werden", so Oberhofer. Nicht der regelmäßig Wasser benötigende Mais, sondern die Hirse müsse Priorität genießen. Nicht das Rind, das 50 Liter Wasser täglich benötige, sondern die Ziege und das Schaf (nur sechs Liter) seien die klimagerechte Viehzucht. Zumal die Kleintiere auf den Naturweiden auch Dürregestrüpp fressen und mit Nachwuchs, Milch, Fleisch und Fell rentabler sind. Und: Feldkulturen sollten auf Pflanzen setzen, die keine zusätzliche Bewässerung benötigen - etwa Straucherbse, Umbu- oder Kaschubäume.

Kurzum die Botschaft von IRPAA: "Im Einklang mit der Natur leben!" Die Multiplikation über die Schulen in die Bevölkerung trägt Früchte im wahrsten Sinne des Wortes: "Meine Tochter Gislaine hat mir immer wieder aus dem Unterricht berichtet, jetzt können wir mit Hilfe von IRPAA eine Zisterne und einen Flachbrunnen nutzen", sagt Edileuza Rodriguez dos Santos, deren Kinder Elaine (13) und Gislaine (9) das Umdenken nach Hause brachten. Stolz zeigt die 30-Jährige ihr Gartenbeet mit den Heilpflanzen Malvao und Hortela, mit Gemüsesetzlingen und Kraut. Derweil turnen die Mädchen auf einem Umbu-Baum herum, der für Maria Oberhofer der Beweis dafür ist, "dass nicht die Natur die Schuld an der Armut trägt", sondern nur die Unfähigkeit, sich dem Klima anzupassen: "Die Knollenwurzeln dieses Baumes können bis zu 3.000 Liter abspeichern." Für sie steht fest: "Wenn dies ein Baum kann, dann ist der Mensch dazu auch in der Lage - zum Beispiel mit Zisternen."

Elaines und Gislaines Schule "Liberato Felix Martin" in Sao Bento hat mit IRPAA und der Hilfe der Sternsinger längst einen prächtigen Nutzgarten angelegt, in dem Kinder Kompostierung und behutsamen Umgang mit Wasser lernen sowie Ernteerfolge erleben: "Mit Reis, Bohnen, Maniok, Kürbis und Kopfsalat hat sich die Qualität unserer Schulspeisung erheblich verbessert, früher haben wir Dosen mit Sardinen verteilt", sagt Direktor Wesley Santos Fernandez. 160 Kinder studieren hier mit ihren acht Lehrern das Lehrmaterial von IRPAA, das den bisherigen Alltag der Menschen so nachhaltig ändern kann.

Held der Unterrichtslektüre ist übrigens José Bostinha, "der Mistkönig", eine großmaulige Comicfigur mit rundem Kopf und platten Füßen, die den Schülern die Chancen ihres ökologischen Überlebens in der Heimat vermittelt. Jüngst hat Lehrerin Annalice Carvallo (30) mit Hilfe des gewitzten Mistkönigs erklärt, "wie Ziegenmist Pflanzen ernährt". Und dann hat sie den Kindern gesagt: "Mist hat jeder von euch zu Hause. Er kostet nichts und ist ein Dünger mit großer Wirkung."

Es sind die einfachen Erkenntnisse, die in unaufgeklärten Regionen wie der Caatinga zu Umwälzungen im Kleinen und einer Verträglichkeit mit dem Klima im Großen führen sollen. Eine Bewegung, die den verarmten Menschen Hoffnung macht.
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