Freitag, 24. November 2017


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Multiresistente Erreger in hessischen Gewässern: Die Zeit läuft uns davon

Frankfurt am Main, (lifePR) - Das Auftreten eines hochresistenten Erregers im Universitätsklinikum Frankfurt hat im Frühjahr für großes Aufsehen gesorgt. Die Untersuchungsergebnisse zur Herkunft des Erregers, die vom Gesundheitsamt Ende Juni vorgestellt wurden, lassen aufhorchen. Denn: Die multiresistenten Bakterien könnten aus dem Bachwasser stammen, in das der erkrankte Patient zuvor gestürzt war. Wasserproben des Baches wiesen diverse hochresistente Bakterien auf. Brisant daran ist, dass in diesen Bach auch das aufbereitete Abwasser einer nahegelegenen Kläranlage eingeleitet wird – und das ist kein Einzelfall in Hessen.

„Es ist höchste Zeit zu handeln“, sagt Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. „Wir müssen aus diesem sehr bedenklichen Fall am Universitätsklinikum Frankfurt unsere Lehren ziehen. Schon seit einigen Jahren ist bekannt, dass durch das Zusammentreffen unterschiedlichster Bakterien sowie von Antibiotika- und Medikamentenresten die biologischen Stufen der Kläranlagen wie Bioreaktoren wirken, aus denen Keime mit neuesten, bis dahin unbekannten Resistenzen hervorgehen können.“

Mehrere durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekte konnten bereits ergänzende Reinigungsstufen für Kläranlagen entwickeln, durch welche Medikamentenreste und resistente Keime entfernt werden könnten. Dastych betont, dass es dringend nötig ist, diese neuen Techniken der Abwasserreinigung fest zu etablieren. „In einem ersten Schritt sollten die Kläranlagen ausgebaut werden, in denen das Abwasser von Krankenhäusern und z.B. von großen Pflegeheimen gereinigt wird.“

Antibiotika sind lebenswichtige Arzneimittel die der Arzt besonnen und ausschließlich bei gegebener Indikation und entsprechend aktuellster Leitlinien einsetzt, da nur ein sachgemäßer Umgang die therapeutische Wirksamkeit von Antibiotika langfristig erhalten kann. Um dies zu unterstützen, ist die KV Hessen an allen hessischen MRE-Netzwerken beteiligt und ist Mitinitiatorin der 2015 gestarteten landesweiten Initiative „Weniger ist mehr“ zur Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Antibiotika.

Und so fragt Dastych: „Was nützen all unsere ärztlichen Bemühungen und die Entwicklung neuer Antibiotika, wenn die Keime in der Kläranlage gleich nebenan schon einen Schritt weiter sind?“

 

 

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