Mittwoch, 22. Februar 2017


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Zwischen politischen Forderungen und Ortenauer Gaumenfreuden

Rund 600 Gäste aus Wirtschaft und Politik zu Gast beim IHK Summerfäschd in der Offenburger Reithalle

(lifePR) (Freiburg, ) Zum dritten Mal nach 2013 und 2014 hat die Industrie und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein gestern ihr sogenanntes Summerfäschd in der Ortenau gefeiert. Der Austausch in lockerer Atmosphäre in und um die Offenburger Reithalle kommt gut an: Wieder waren rund 600 Gäste aus Wirtschaft und Politik der Einladung gefolgt.

Dr. Steffen Auer, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein, eröffnete den Abend mit einem Appell an die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer, sich politisch zu engagieren oder zumindest den Kontakt mit der Politik zu suchen. Es reiche nicht aus, so die Aussage des geschäftsführenden Gesellschafters von Schwarzwald-Eisenhandel aus Lahr, dass der Anteil der Firmeninhaber im Deutschen Bundestag nur acht Prozent ausmache. Laut einer Studie läge die Politikverdrossenheit dieser Gruppe maßgeblich am Wesenskern des Unternehmertums selbst: Kreativität, Eigenständigkeit, Entschlussfreude und Mut zum Risiko. Diese Eigenschaften würden Firmeninhaber in der Politik vermissen. Doch gerade in diesen Attributen sieht Auer die Notwendigkeit für einen politischen Einsatz. "Warum können wir Mittelständler mit unserem Mut zu Risiko und Veränderung nicht auch politisch tätig werden?" Schließlich würden sich auch die Politiker einen viel intensiveren Kontakt zu den wirtschaftlichen Entscheidern wünschen. Auer: "Sprechen Sie also die Politikerinnen und Politiker an - heute bietet sich eine wunderbare Gelegenheit." Zudem gäbe es über das ehrenamtliche Engagement weitere Möglichkeiten, sich einzubringen, beispielsweise als Prüfer der Industrie- und Handelskammer, als Kandidat für die neuen Vollversammlungswahlen im kommenden Frühjahr oder beim IHK-Erfolgsprojekt "Unternehmer machen Schule".

Dass die Wirtschaftsvertreter tatsächlich etwas in der Politik bewegen könnten, hätten beispielsweise die Gespräche zu den Themen Erbschaftsteuer und dem Mindestlohn mit politischen Vertretern gezeigt. "So haben wir uns intensiv mit Nils Schmid ausgetauscht und mit ihm unsere Position diskutiert." Schmid habe ein offenes Ohr für die Unternehmer und vertrete unter allen Länderfinanzministern die wirtschaftsfreundlichste Position hinsichtlich der Erbschaftsteuer. Da er jedoch mit seiner Position unter den Finanzministern der Länder allein dastehe, sei die IHK hier noch nicht am Ziel. "Es muss günstiger sein, sein Unternehmen zu vererben als es zu verkaufen", formulierte der IHK-Präsident eine seiner Forderungen ganz konkret. Und auch beim Mindestlohngesetz müsse ein neuer Vorstoß aus der Wirtschaft kommen. Hierbei gehe es in erster Linie jedoch nicht um finanzielle Fragen. "Die Belastungen der Unternehmen ergeben sich hauptsächlich aus der mit dem Gesetz verbundenen Bürokratie." Zudem schränke das Gesetz die Flexibilität der Betriebe erheblich ein, insbesondere im Hotel- und Gastgewerbe.

Dies bestätigten auch Auers Gesprächspartner im anschließenden Sommertalk auf der Bühne, bei dem die Themen Wein und Genuss am Wirtschaftsstandort Ortenau im Mittelpunkt standen. Daniel Fehrenbacher, Küchenchef des Restaurants Adler in Lahr-Reichenbach und einer der jüngsten Guide-Michelin-Sterneköche des Landes, sagte ganz offen, dass die Gewinnmarge im Sternebereich "relativ gering" sei. Schon heute steht für ihn fest: "Wenn unser Sternerestaurant einmal keinen Gewinn mehr abwirft, dann ist es vorbei. Ich möchte nicht in Schönheit sterben." Über seinen nicht ganz einfachen Start als Inhaber eines eigenen Weinguts berichtete der Durbacher Jungwinzer Alexander Laible - rückblickend klang seine Geschichte vom zweitgeborenen Sohn eines Winzers deutlich humoriger als sie damals vermutlich war. "Anfangs habe ich gedacht, jeden Tag kommen vier bis fünf Kunden auf unseren Hof und vor der nächsten Lese ist der Keller leer", erinnerte sich Laible. Am Ende habe er jedoch Klinken putzen müssen in den Gasthäusern der Region, bevor er seinen Wein verkauft habe.

Sowohl Fehrenbacher als auch Laible waren sich einig, dass sie ihren Weg nur mit dem Rückhalt aus der Familie hätten gehen können. Laible ging sogar noch weiter und wünschte sich eine engere Kooperation zwischen den Winzern der Region. "In Deutschland liegt der Anteil der ausländischen Weine derzeit bei 52 Prozent. Wenn wir uns zusammentun, können wir diese Quote auf 20 Prozent reduzieren."

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