Nadelöhr Brücke

Umfrage der IHK Südlicher Oberrhein: Geplante Brückensperrung bereitet Unternehmen in Rheinau und Achern Probleme

(lifePR) ( Freiburg, )
Die Rheinbrücke zwischen Rheinau und Gambsheim ist auf französischer Seite sanierungsbedürftig. Daher soll dieser Teil abgerissen und neu errichtet werden. Dazu ist zwischen August und November 2017 eine, so die Prognosen, dreimonatige Vollsperrung des Rheinübergangs erforderlich. Nicht nur in Rheinau, sondern auch in Achern, wären von dieser Sperrung viele Firmen betroffen. In einem Pressegespräch informierte die IHK Südlicher Oberrhein am heutigen Dienstag in Offenburg über die Folgen für ihre Mitgliedsunternehmen.

Vor rund zweieinhalb Wochen hatte die IHK Südlicher Oberrhein über einen Rheinauer Betrieb von den Plänen zur Brückensanierung erfahren und daraufhin eine Umfrage unter den Betroffenen gemacht. „Rund 150 Betriebe in Rheinau, Achern und im nahen Umfeld zur Grenze haben wir angeschrieben“, berichtete Andreas Truttenbach, Vizepräsident der IHK Südlicher Oberrhein. „Fast 40 Prozent haben geantwortet, das ist ein enormer Rücklauf. Davon haben sich 85 Prozent als betroffen gemeldet.“ Als Geschäftsführer von RMA Rheinau bekommt auch Truttenbach durch die Brückensperrung Probleme: Seine 50 bis 60 französischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort in Rheinau nutzen die Brücke für ihren Arbeitsweg. Ähnlich die Rückmeldungen beinahe aller Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben. Truttenbach: „Aber selbst wenn bei kleineren Betrieben nur wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sind, kann das dennoch einen Großteil der Belegschaft ausmachen.“

Hoch sind auch die Folgen für Einzelhandel und Gastronomie in Grenznähe. Sie haben sich auf französische Kunden und deren besonderen Bedarf spezialisiert. „Zum Teil geben die Unternehmen erwartete Umsatzeinbußen bis zu 95 Prozent beziehungsweise absolute Umsatzverluste in Millionenhöhe an“, informierte der Vizepräsident. Ebenso problematisch wird es für den Transitverkehr: Die L87 ist als wichtige Ost-West-Achse für den überregionalen Warenverkehr von Bedeutung. „Baustellenlieferungen wie Zement oder Fertigbeton, wo es auf Schnelligkeit ankommt, werden durch die Sperrung nicht möglich sein.“

Tobias Müller, Geschäftsführer von Duralog in Achern, berichtete von enormen Mehrkosten, die auf die Duravit-Logistik-Firma und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukämen: „Für unsere 30 Elsässer bringt die Sperrung eine zusätzliche Fahrtstrecke von 60 Kilometern pro Weg mit sich. Das sind 400 Euro Mehrkosten, die sie jeden Monat zu tragen haben.“ Hinzu kommt der Zeitfaktor: Fast eine Stunde länger ist der Arbeitsweg. Müller: „Gerade für unsere Frühschichtler, die um 6 Uhr beginnen, sind das keine schönen Aussichten.“ Für den Werksverkehr erwartet der Duralog-Geschäftsführer bei einer dreimonatigen Brückensperrung Zusatzkosten in Höhe von 32.000 Euro - dabei sind die Herausforderungen, um trotz des längeren Wegs die Lkw-Lenkzeiten einzuhalten, noch gar nicht eingerechnet.

Unmittelbar in der Nähe der Brücke, auf deutscher Seite, haben die BKB Badische Kioskbetriebe eine Filiale. „Die Sperrung der Brücke wäre für uns ein signifikanter Einschnitt, da etwa 90 bis 95 Prozent unserer Kunden aus Frankreich kommen“, sagte Dominik Eble, Unternehmensberater für BKB. Gleichzeitig müsse der Tabakhändler dennoch Verträge mit Dritten einhalten und sich auch an die in den gemieteten Räumen vorgegebenen Öffnungszeiten richten. Seine Befürchtung: „Die Kunden werden ihre Gewohnheiten ändern und auch nach Fertigstellung der neuen Brücke nicht zu uns zurückkommen.“ Sorge bereitet ihm auch, dass die BKB-Teilzeitkräfte durch den längeren Fahrtweg Probleme haben werden, die bisher funktionierende Kinderbetreuung weiter sicherzustellen.

„Über die Möglichkeiten, die es hier gibt, um die Schwierigkeiten während der Sperrung zu bewältigen, werden wir unsere Mitgliedsunternehmen so gut wir können informieren“, sagte Truttenbach. Andreas Kempff, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, ergänzte: „Leider ist die Informationspolitik von französischer Seite bisher alles andere als befriedigend.“ Inzwischen habe er in Erfahrung gebracht, dass die Brücke im Dreischichtbetrieb und mit Hilfe von Betonfertigteilen erneuert werden soll. „Das ist die schnellste Methode.“ Von der Agentur für Arbeit gibt es die Information, dass auch für französische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der betroffenen Unternehmen ein Kurzarbeitergeld 0 möglich sei. Kempff: „Die Unternehmen müssen nun mit ihren Banken reden, um Liquidität zu schaffen, über die Möglichkeit der Anmietung von Ferienwohnungen, über Home Office oder Schichtmodelle nachdenken.“ Falls es, wie er aus Gesprächen mit französischer Seite erfahren habe, eine Fußgängerbehelfsbrücke geben werde, müssten sich die Betriebe in Achern zusammentun, um Pendlerbusse einzurichten. Truttenbach: „Hier kann die IHK Südlicher Oberrhein die Betroffenen zusammenbringen.“

Ein Punkt ist für den IHK-Hauptgeschäftsführer nun von enormer Bedeutung: „Die Unternehmen brauchen Planbarkeit, aber dazu sind konkrete Informationen erforderlich.“ Diese hofft er in den kommenden zwei Wochen in weiteren Gesprächen mit der französischen Seite zu erhalten. „Dann werden wir eine Informationsveranstaltung für unsere Mitgliedsunternehmen anbieten.“

Zusatzinformation: Der Grenzübergang Gambsheim/Rheinau:

Die Brücke zwischen Rheinau und Gambsheim ist die überregionale Verbindung zwischen Hagenau und Achern. Das tägliche Verkehrsaufkommen liegt bei rund 10.000 Fahrzeugen, davon 1.500 Schwerlastverkehr. Auf etwa 40 Kilometern ist dies die einzige Rheinbrücke. Eine Umleitung über Iffezheim bedeutet einen Umweg von mehr als 60 Kilometern einfacher Weg. Aber schon heute ist die Verkehrsbelastung des Grenzübergangs mit 12.000 Fahrzeugen pro Werktag, davon 2.600 Schwerverkehr, hoch. Eine Umleitung über Kehl/Straßburg bedeutet einen Umweg von bis zu 50 Kilometern. An diesem Grenzübergang liegt die Verkehrsbelastung derzeit bei 31.000 Fahrzeugen pro Werktag, davon 2.000 Schwerverkehr. Für Lkw gibt es im Stadtgebiet von Straßburg außerdem Durchfahrtsverbote und somit keine direkte Verbindung zur französischen Autobahn.
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