"Dunkle Wolken am Konjunkturhimmel"

IHK Südlicher Oberrhein präsentiert Ergebnisse ihrer Konjunkturumfrage zum Herbst 2014 - abschlagsfreie Rente mit 63 verschärft Fachkräfteengpässe

(lifePR) ( Freiburg, )
Noch ist die Wirtschaft am Oberrhein auf Kurs. 93 Prozent der Unternehmen bezeichnen die eigene Geschäftslage aktuell als gut oder befriedigend, während lediglich 7 Prozent sie negativ bewerten. Bereits zum dritten Mal in Folge steigt der Index der Geschäftslage um einen Punkt leicht an und stabilisiert sich bei 40 Punkten auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Sinkende Geschäftserwartungen

Im Gegensatz dazu stehen die Geschäftserwartungen. So stürzt der Index der Geschäftserwartung von 26 auf 11 Punkte ab und liegt damit so niedrig wie seit über einem Jahr nicht mehr. Für Unkenrufe im Hinblick auf eine drohende Rezession besteht jedoch noch kein Anlass. "Die Zeiten, in denen Baden-Württemberg eine konjunkturelle Lokomotive für Deutschland und Europa war, gehören nun aber vorerst der Vergangenheit an", fasst IHK-Präsident Dr. Steffen Auer die Lage zusammen. Basis der Daten ist die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Südlicher Oberrhein, bei der rund 1.000 Unternehmen um Auskunft über ihre derzeitige Geschäftslage und ihre Erwartungen an die Zukunft gebeten werden.

IHK-Konjunkturklimaindex fällt

Aus der Kombination der Angaben zur aktuellen Geschäftslage und den zukünftigen Geschäftserwartungen wird der IHK-Konjunkturklimaindex gebildet. Dieser kann Werte zwischen 0 und 200 annehmen, wobei Werte über 100 Wirtschaftswachstum anzeigen und Werte unter 100 auf eine Rezession hindeuten. Im Vergleich zum Frühjahr muss er einen Dämpfer hinnehmen. Insgesamt 8 Punkte verliert er im Vergleich zur Vorumfrage und steht nun bei 124 Punkten.

Seit drei Jahren stabiler Arbeitsmarkt

Für den Arbeitsmarkt bedeutet die noch immer gute Geschäftslage der Unternehmen, dass die erfreulich hohen Beschäftigungsstände gehalten werden können. Trotz der jüngsten Eintrübung der Geschäftserwartungen hat sich die Arbeitslosenquote im Kammerbezirk bereits seit mehr als drei Jahren um einen Wert von vier Prozent stabilisiert, während in den vergangenen Jahren sogar mehrmals neue Beschäftigungshöchststände gefeiert werden konnten. Auch für die kommenden zwölf Monate sind hier keine größeren Veränderungen zu erwarten. 65 Prozent der Unternehmen planen keine Änderungen der Mitarbeiterzahl. Auch in Zeiten schwächerer Konjunktur zählen die Unternehmen auf ihren Mitarbeiterstamm. Bereits in der Finanzkrise vor einigen Jahren haben sie damit gute Erfahrungen gemacht. Zudem merken die Unternehmen, dass sich geschulte Fachkräfte immer schwerer finden lassen.

Fachkräfte mit Berufsausbildung weiter gefragt

So können 30 Prozent der Betriebe derzeit eine offene Stelle nicht besetzen, weil sie die passende Fachkraft nicht finden. Dabei sind Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung am meisten gefragt. 68 Prozent der suchenden Unternehmen fahnden nach Absolventen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Bei 51 Prozent werden auch Fachwirte, Meister und andere Praktiker gesucht. Deutlich einfacher ist es für die Unternehmen, passende Hochschulabsolventen zu gewinnen. Nur 28 Prozent der suchenden Unternehmen geben an, entsprechende Stellen nicht besetzen zu können.

Abschlagsfreie Rente mit 63 verschärft den Fachkräftemangel

Seit dem 1. Juli 2014 besteht für Arbeitnehmer die Möglichkeit, bereits mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente zu gehen, falls sie 45 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert waren. Bereits in den ersten drei Monaten machte sich diese Neuregelung in 10 Prozent der Betriebe der Region in Form eines vorzeitigen Ausscheidens von Fachkräften bemerkbar. Für weitere 31 Prozent der Betriebe ist dieses Szenario bereits absehbar. Insgesamt wurden in den ersten drei Monaten deutschlandweit bereits 137.000 Anträge gestellt. Da regionale Daten bisher nicht verfügbar sind, können die lokalen Auswirkungen nur geschätzt werden. Ausgehend vom regionalen Stellenbesatz muss für den Kammerbezirk von mehr als 1.800 Fällen ausgegangen werden - gut ausgebildete Fachkräfte, die den Unternehmen fehlen werden.

Belastung der Rentenkasse als zusätzliche Konsequenz

Neben den Auswirkungen auf das Fachkräfteangebot sind aber vor allem auch die Effekte auf die Rentenkasse bedenklich. So wurde die eigentlich fällige Rentenbeitragssenkung zu Jahresbeginn bereits verschoben. Dass die nun angekündigte Rentenbeitragssenkung für das kommende Jahr sich im Rahmen von maximal 0,3 Prozentpunkten bewegt, zeigt, dass die Kosten des Rentenpakets den Spielraum bereits heute einengen. Eine direkte Folge ist, dass es wieder nicht möglich ist, die Lohnnebenkosten entscheidend zu senken. "Statt den Weg, der Deutschland in den letzten Jahren zur Konjunkturlokomotive Europas gemacht hat, konsequent weiter zu gehen, werden Überschüsse bei erster Gelegenheit leichtfertigt verfrühstückt," prangert Dr. Auer den allzu sorglosen Umgang mit den Rücklagen an.
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