Sonntag, 17. Dezember 2017


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Sachsens Wirtschaft sucht (die richtigen) Fachkräfte

Facharbeiter und Gesellen sind die mit Abstand gefragtesten Fachkräfte in der sächsischen Wirtschaft / Alternde Belegschaften und fehlende Dynamik in der Ausbildung stellen Unternehmen vor große Herausforderungen

Dresden, (lifePR) - Am 18. Dezember präsentierten die Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer Dresden (HWK), Dr. Günter Bruntsch und Dr. Jörg Dittrich  – stellvertretend für die sechs sächsischen Wirtschaftskammern  – in Dresden die Ergebnisse ihrer jüngsten Unternehmensbefragung zum Fachkräftebedarf der sächsischen Wirtschaft : das Fachkräftemonitoring 2015.

Seit 2001 legen die Kammern im zwei- bis dreijährigen Rhythmus die Ergebnisse ihres Monitorings zur Fachkräftesituation im Freistaat vor. Im zweiten Quartal 2015 beteiligten sich 1.177 IHK-Unternehmen und 263 Handwerksbetriebe mit zusammen ca. 57.000 Beschäftigten an der Befragung. Sie äußerten sich zum aktuellen und künftigen Bedarf an Mitarbeitern und deren Qualifikationen, zu den Auswirkungen von Personalmangel auf die betrieblichen Abläufe, zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung und von ausländischen Arbeitnehmern, zu Erfahrungen bei der Personalbeschaffung, zur Mitarbeitermotivation und -bindung sowie zur Lehrlingsausbildung. Ergänzt wurden bei der 2015er Erhebung Fragen zu den Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns und der „Rente mit 63“ auf die Personalsituation.

Die wichtigsten Ergebnisse


545 der befragten Unternehmen wiesen zum Zeitpunkt der Befragung 2.060 offene Stellen aus. Mit 36 offenen Stellen auf eintausend Beschäftigte wurde 2015 die höchste Quote aller bisherigen Befragungen erreicht.



Die Qualifikationsanforderungen an die offenen Stellen haben sich gegenüber der letzten Befragung 2012 teils deutlich verschoben. So entfielen 51 % auf Facharbeiter und Gesellen (2012: 55 %). 18 % der Stellen bezogen sich auf Akademiker (2012: 26 %), 22 % richteten sich an Un- und Angelernte (2012: 10 %), hier besonders im Dienstleistungssektor. Die von den Unternehmen am häufigsten gesuchten Qualifikationen sind bei Facharbeitern und Gesellen Berufskraftfahrer, Mechaniker, Elektriker/Elektroniker, Mechatroniker sowie Köche und Restaurantfachleute. Bei akademischen Abschlüssen rangieren Bauingenieure/Bauleiter, Informatiker/Programmierer und Elektrotechniker/Elektroniker ganz vorn. Die Nachfrage nach un- und angelerntem Personal bestimmen Fahrer/Beifahrer, Helfer in Küche/Restaurant/Hotel sowie in Lager/Logistik/Produktion.



Bei 69 % der Unternehmen, die offene Stellen meldeten, können diese seit mindestens zwei Monaten nicht besetzt werden. Fast einem Drittel der Firmen (31 %) gelingt es selbst nach einem halben Jahr nicht, ihre offenen Stellen zu besetzen.



Größtes Problem bei der Einstellung neuer Mitarbeiter ist mit 43 % der Nennungen das Ausbleiben von Bewerbungen (2012: 33 %). Es folgen mit jeweils 39 % die mangelnde Motivation und Arbeitsbereitschaft der Bewerber sowie unterschiedliche Gehaltsvorstellungen.



Binnen Jahresfrist planen 523 der befragten Unternehmen 2.206 neue Mitarbeiter einzustellen, 1.481 (67 %) davon aufgrund zusätzlichen Bedarfs und 590 (27 %) als Ersatz für altersbedingt ausscheidende Mitarbeiter.



Erstmalig wurden die Unternehmen gefragt, ob ihre individuelle Fachkräftesituation von einem „Fachkräftemangel“ geprägt wird, und wie sich dies betriebsintern äußert. Die Frage wurde von 18 % der Unternehmen bejaht, von denen wiederum ein Drittel (34 %) bereits Aufträge mangels Personalkapazitäten ablehnen mussten. 29 % bekommen aus gleichem Grund Probleme mit der Einhaltung von Fertigstellungsterminen.



Die Einstellung ausländischer Arbeitnehmer ist weiter in den Fokus der Unternehmen gerückt. 15 % gaben an, bereits ausländische Mitarbeiter zu beschäftigen (2012: 12 %). 21 % planen (weitere) Einstellungen (2012: 11 %). Hindernisse bei der Einstellung sind insbesondere Sprachbarrieren (81 %) und Unsicherheiten über das Qualifikationsniveau (45 %). Der Anteil der Unternehmen, die bürokratische Hürden bei der Einstellung ausländischer Arbeitnehmer beklagen, hat sich mit 28 % gegenüber 2012 fast verdoppelt.



Mehr als ein Drittel (37 %) der Firmen beschäftigen Menschen mit Behinderung. 11 % planen die erstmalige Einstellung bzw. wollen weitere Arbeitsplätze schaffen. Hürden bei der Einstellung sehen 71 % in den spezifischen Anforderungen an die Arbeitsplätze, 39 % in den geltenden rechtlichen Regelungen. Tendenziell stehen größere Unternehmen dem Thema offener gegenüber.



Bis zum Befragungszeitpunkt kam es in fast einem Drittel der Unternehmen zum Ausscheiden von Mitarbeitern durch die „Rente mit 63“. Insgesamt verließen 938 Mitarbeiter ihre Firmen aufgrund dieser neuen gesetzlichen Regelung. Handwerk und Baubranche hatten die im Verhältnis zur Mitarbeiterzahl größten Verluste zu tragen.



42 % der Befragten wurden von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes direkt getroffen, insgesamt 6.292 Stellen. Das entspricht rund 11 % aller Beschäftigten, wobei die Spanne von weniger als 3 % im Bauwesen bis zu 16 % bei Dienstleistern reicht. Als Reaktionen auf den Mindestlohn wurden am häufigsten die Anpassung der Arbeitszeit (41 %) und die Optimierung von betrieblichen Abläufen (38 %) genannt. Durch den Mindestlohn sind in den befragten Firmen 297 Stellen weggefallen, davon die Hälfte Vollzeitstellen.

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