Freitag, 20. April 2018


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Inflation in Deutschland und der Euro-Zone: Was kommt nach dem Ölpreiseffekt?

Düsseldorf, (lifePR) - Die Inflationsrate in Deutschland ist von 1,7 % im Dezember 2016 auf 1,9 % im Januar 2017 angestiegen. Ein großer Teil dieser Erhöhung ist technisch getrieben und dementsprechend zu erwarten. Dennoch dürften die momentanen Inflations-zahlen die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der derzeitigen Geldpolitik schüren. Ein Thema, das von der IKB bereits aufgegriffen worden war (siehe IKB Kapitalmarkt News 12. Januar). Entscheidend für Geldpolitik und Sparer ist jedoch nicht die gegenwärtige Inflation, sondern die mittelfristige Entwicklung der Teuerungsrate. Ist der aktuelle Inflationsanstieg nachhaltig, werden die realen Renditen weiter sinken, und die realen Kurzfristzinsen könnten noch stärker ins Negative rutschen. Auf Sicht verschafft eine höhere Inflation der EZB jedoch Raum, um ihre Geldpolitik zu normalisieren, was letztendlich wieder zu positiven realen Renditen führen sollte. Die EZB geht in ihrer Prognose zwar von einem nachhaltigen, aber nur moderaten Anstieg der Inflation aus, und die Kurzfristzinsen dürften noch mindestens dieses und nächstes Jahr preisbereinigt negativ bleiben.

Die Inflationsrate wird primär von drei Treibern bestimmt:


Importpreise: beinhalten Wechselkurse und Rohstoffpreise,
Lohnstückkosten: geben Auskunft über Lohnsteigerungen und Produktivität
Kapazitätsauslastung: zeigt, inwieweit Unternehmen steigende Kosten weitergeben können und spiegelt die konjunkturelle Lage.


Importpreise sind oftmals der volatilste Treiber, da Rohstoffpreise oder Wechselkurse deutlichen kurzfristigen Korrekturen ausgesetzt sein können, wie auch aktuell zu erkennen ist. Entscheidend für eine Beschleunigung der grundsätzlichen Inflationsdynamik sind jedoch steigende Lohnstückkosten. Sie bergen aber auch die Gefahr einer Lohn-Inflationsspirale, während Veränderungen der Importpreise meistens nur einmalige Effekte darstellen. Entwickelt sich eine positive Eigen-dynamik der Lohnkostenentwicklung, u. a. als Folge einer konjunkturellen Erholung bzw. eines stabilen Arbeitsmarktes in der Euro-Zone, so unterstützt dies die Erwartung, dass die Teuerungsrate grundsätzlich zunimmt.

Arbeitsmarktreformen gehen oft mit einer Schwächung der Gewerkschaften einher. Höhere Löhne sind dann schwieriger durchzusetzen. Auch die strukturellen Reformen in Südeuropa zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sind mit einem nur geringen Anstieg der Lohnstückkosten verbunden und zeigen die für erfolgreiche Reformen typischen Brüche bei der Lohnkostendynamik. Inflationsimpulse wirken lange nach: Höhere Löhne führen zu steigenden Lohnstückkosten, welche die Grundlage einer allgemein anziehenden Inflation bilden. Um diese Entwicklungen zu analysieren, ist eine fundamentale Untersuchung des Arbeitsmarktes, der Reformen und der Lohnentwicklung nötig. Eine Analyse über die Entwicklung und über mögliche Veränderungen der Lohnstückkostendynamik kann einen ersten Aufschluss geben. Bei den vier großen Euro- Ländern lassen sich auf Grundlage empirischer Auswertungen folgende Einschätzungen ableiten:


Spaniens Lohnstückkostendynamik unterscheidet sich aufgrund hoher Arbeitslosigkeit und daraus resultierender struktureller Veränderungen des Arbeitsmarktes fundamental von der Entwicklung vor der Finanzkrise. Die Wachstumsrate bei den Lohnstückkosten ist – trotz hohem BIP-Wachstum – deutlich niedriger als vor der Krise. Von allen vier Ländern weist Spanien die größte Veränderung bei der Lohndynamik auf.
Ebenso ist bei Italien ein Bruch zu erkennen, auch wenn dieser weniger stark ausgeprägt ist. Hier scheint vor allem die schwache Konjunktur für die niedrigeren Lohnzuwächse verantwortlich zu sein. Da sich die gesamtwirtschaftliche Dynamik erst mittelfristig verbessern dürfte, ist in Italien erst auf Sicht mit nachhaltigen Inflationsimpulsen zu rechnen.
Bei Frankreich und Deutschland ist keine fundamentale Veränderung des Lohnstückkostendrucks zu erkennen. Für Deutschland ist dies angesichts des robusten Arbeitsmarktes nicht verwunderlich. Hier scheint sich sogar eine höhere Lohnstückkostendynamik abzuzeichnen. Höhere Löhne, Vollbeschäftigung und ein moderates Wachstum heben die Wachstumsrate der Lohnstückkosten auch aufgrund eines moderaten Produktivitätsanstiegs. Empirisch ist festzuhalten, dass sich die Dynamik der Lohnstückosten in Deutschland und Frankreich seit der Finanzkrise soweit verändert hat, dass Anstiege durchaus auch mittelfristig zu einer höheren Lohnstückkostenentwicklung führen können.
Insbesondere im Falle Frankreichs ist diese Entwicklung aufgrund der hohen Arbeitslosenquote und des schwachen Wirtschaftswachstums enttäuschend. Es bestätigt die Einschätzung, dass sich Frankreich bei der effektiven Umsetzung von Reformen schwer tut.
Das niedrige BIP-Wachstum drückt die aktuelle Lohnstückkostenentwicklung, und da kurzfristig von keiner nennenswerten Wachstumsbeschleunigung auszugehen ist, gilt für Frankreich genauso wie für Italien und Spanien: Eine zunehmende Eigendynamik des Lohnstückkostenwachstums, und damit der generellen Inflationsrate, ist bestenfalls mittelfristig zu erwarten. Entscheidend ist, dass die konjunkturelle Erholung in der Euro-Zone anhält. Doch wie EZB-Präsident Draghi nicht müde wird zu betonen, sind die Konjunkturrisiken anhaltend nach unten gerichtet.


Fazit

Für dieses Jahr ist mit einer Inflationsrate von knapp unter 2 % in Deutschland und in der Euro-Zone zu rechnen. Der aktuelle Anstieg der Inflationsraten ist jedoch kein Indiz für eine sich stabilisierende Inflationsdynamik, sondern eher ein Indiz für den Einfluss von einmaligen Effekten wie den Ölpreis. Wie nachhaltig der Inflationsanstieg sein wird, hängt vor allem von der Entwicklung der Lohnstückkosten ab.

Die Inflationsdynamik in der Euro-Zone hat sich seit der Finanzkrise grundlegend verändert. Dies hat weniger mit Deflations-risiken zu tun. Vielmehr haben hohe Arbeitslosenquoten und strukturelle Reformen die Dynamik der Lohnstückkosten verändert. Dies gilt vor allem für Spanien und Italien. Nur eine anhaltend gute Konjunktur wird in diesen Ländern wieder zu nachhaltig steigenden Löhnen führen. Ähnliches gilt für Frankreich. Kurzfristig ist zwar mit einem Anstieg der Inflationsrate zu rechnen, Sorgen über eine bevorstehende, eskalierende Inflationsrate in der Euro-Zone sind jedoch unangebracht. Auch in 2018 sollte die Inflationsdynamik deutlich unter 2 % liegen.

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