Freitag, 20. April 2018


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IfKom: Breitbandausbau in Deutschland muss deutlich schneller vorangehen!

Bonn, (lifePR) - Die jüngsten Erfolgsmeldungen über die Versorgung von Landkreisen und Kommunen mit schnellen Internetzugängen sind erfreulich, dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ausbaugrad in Deutschland insgesamt noch zu langsam steigt. Das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2018 flächendeckend 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stellen zu können, dürfte nach Einschätzung der Ingenieure für Kommunikation (IfKom) mit der bisherigen Geschwindigkeit nicht erreicht werden.

Im Auftrag der Bundesregierung stellte der TÜV Rheinland Mitte 2013 eine Verfügbarkeit von 58,4% der Haushalte mit einem Zugang von mindestens 50 Megabit pro Sekunde fest. Ein Jahr später, Mitte 2014, betrug der Ausbaugrad 64,1%, zum Ende 2014 wuchs er auf 66,4%. Das ist ein Zuwachs um 5,7 Prozentpunkte in einem Jahr, im letzten Halbjahr nur um 2,3 Prozentpunkte. Linear hochgerechnet, würde es noch länger als sechs Jahre dauern, also über das Jahr 2020 hinaus, bis alle Haushalte und Arbeitsstätten in Deutschland über einen schnellen Netzzugang verfügten. Dabei bleiben der höhere Aufwand für die Zugänge der letzten 5 bis 10 Prozent der Haushalte im ländlichen Bereich und die dort bestehende wirtschaftliche Deckungslücke noch unberücksichtigt.

FINANZIERUNG NICHT GESICHERT

Etwa 80% der Haushalte würden marktgetrieben im Wettbewerb mit Breitbandanschlüssen versorgt werden können, stellen die Netzbetreiber im Kursbuch Netzallianz des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fest. Zugleich verpflichten sie sich, in diesem Jahr rund 8 Milliarden Euro in den Netzausbau zu investieren. Die Deutsche Telekom spricht von 6 Mrd. Euro, die sonstigen Netzbetreiber zusammen wollen in den Jahren bis 2018 insgesamt rund 9 Mrd. Euro ausgeben.

Einer TÜV-Studie aus dem Jahr 2013 zufolge, sind selbst bei einem Technologiemix aus Festnetz- und Funkanschlüssen mindestens 20 Mrd. Euro erforderlich, um eine flächendeckende Breitbandversorgung mit 50 Megabit pro Sekunde zu erreichen. Um die Finanzierungslücken zu füllen, setzt das BMVI auf die anstehenden Frequenzversteigerungen und erwartet mehr als eine Milliarde Euro Erlöse. Hinzu kommen 1,1 Mrd. Euro aus der jüngsten Innovationsinitiative der Bundesregierung, die insgesamt 10 Mrd. Euro umfasst.

Die IfKom sehen damit die Finanzierung noch nicht als gesichert an, denn insbesondere für die wirtschaftlich nicht darstellbaren Ausbaugebiete fehlen Beträge in Milliardenhöhe. Es ist daher unverständlich, warum nicht intensiv weitere Finanzierungsmöglichkeiten genutzt werden. Bereits im Koalitionsvertrag ist unter anderem ein Bürgerfonds vereinbart worden, über dessen mögliche Einrichtung jedoch derzeit kein Wort verloren wird. Auch die fraktionsübergreifende Forderung mehrerer Bundestagsabgeordneter, aus der 10 Milliarden Euro Investitionsinitiative der Bundesregierung die Hälfte in den Breitbandausbau zu geben, ist angesichts der lediglich vorgesehenen 1,1 Mrd. Euro verpufft.

TECHNOLOGIEMIX BEEINFLUSST INVESTITIONSENTSCHEIDUNGEN

Einig ist man sich im Kreis der Netzbetreiber und der Bundesregierung, dass das Ziel der flächendeckenden Breitbandversorgung mit 50 Megabit pro Sekunde bis zum Jahr 2018 nur mit einem Technologiemix aus Glasfasernetzen, LTE-Funknetzen sowie Kupfernetzen mit entsprechenden Technologien wie Vectoring zu erreichen sein wird. Aus technischer Sicht ist für die IfKom immer der Glasfaserausbau so nah wie möglich zum Kunden zu bevorzugen. Nur mit einer solchen Technologie wie FTTH, FTTB oder FTTC lässt sich auch zukunftssicher auf höhere Anforderungen oberhalb von 50 Megabit pro Sekunde reagieren, ohne wieder neue Investitionen für den Tiefbau ausgeben zu müssen.

Funklösungen wie LTE sind sicherlich ein probates Mittel, um Lücken zu schließen. Sie haben jedoch den Nachteil eines shared mediums. Die Verfügbarkeit der Bandbreite ist also davon abhängig, wie viele Nutzer gleichzeitig die Kapazität einer Funkzelle in Anspruch nehmen. Es spricht aus Sicht der IfKom auch nichts dagegen, vorhandene Kupfernetze mit Vectoring-Technologien schneller zu machen. Allerdings zeigt sich hier ein Konflikt für den Netzbetreiber: Investitionen in die vorhandenen Netze erhöhen zwar kurzfristig die Kapazität, verhindern aber den schnellen und sinnvollen Glasfaserausbau, da sie sich zunächst amortisieren müssen. Die IfKom sehen daher sowohl die Regulierungs- als auch die deutsche und europäische Förder- und Beihilfepolitik in der Pflicht, diese Aspekte langfristig zu bewerten und damit die Investitionsentscheidungen der Netzbetreiber in die richtige Richtung zu lenken.

VERANTWORTUNG WAHRNEHMEN

Die Ingenieure für Kommunikation (IfKom) fordern die Bundesregierung auf, entweder ihre Zieldefinition aus dem Koalitionsvertrag zu korrigieren oder deutlich zu machen, wie der Weg dorthin erfolgreich beschritten werden kann. Dazu gehören realistische Finanzierungsaussagen, eine grundsätzlich wettbewerbsorientierte Regulierungspolitik, die jedoch auch Regelungen zur Versorgung der Gebiete mit wirtschaftlicher Deckungslücke trifft sowie eine Förderpolitik, die langlebige Investitionsentscheidungen in die richtige Technologie ermöglicht.

"Das Ziel der Bundesregierung, bis 2018 ein digitales Netz mit 50 Megabit pro Sekunde in ganz Deutschland aufzubauen, wird erreicht werden", schreibt das BMVI aktuell zum Thema Breitbandausbau. Die Ingenieure für Kommunikation fügen hinzu: Dazu müssen jedoch die finanziellen und regulatorischen Voraussetzungen verbessert werden! Nur so kann das für die Teilhabe der Bürger an der digitalen Welt und für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft so wichtige Projekt des flächendeckenden Breitbandausbaus auch erfolgreich werden.

IfKom - Ingenieure für Kommunikation e.V.

Die Ingenieure für Kommunikation e. V. (IfKom) sind der Berufsverband von technischen Fach- und Führungskräften in der Kommunikationswirtschaft. Der Verband vertritt die Interessen seiner Mitglieder - Ingenieure und Ingenieurstudenten sowie fördernde Mitglieder - gegenüber Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit. Der Verband ist offen für Studenten und Absolventen von Studiengängen an Universitäten und Hochschulen aus den Bereichen Telekommunikation und Informationstechnik sowie fördernde Mitglieder. Der Netzwerkgedanke ist ein tragendes Element der Verbandsarbeit. Gerade Kommunikationsingenieure tragen eine hohe Verantwortung für die Gesellschaft, denn sie bestimmen die Branche, die die größten Veränderungsprozesse nach sich zieht. Die IfKom sind Mitglied im Dachverband ZBI - Zentralverband der Ingenieurvereine e. V. Mit über 50.000 Mitgliedern zählt der ZBI zu den größten Ingenieurverbänden in Deutschland.

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