Donnerstag, 26. April 2018


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Keine Panik vor der neuen Fondsbesteuerung

Bestandsschutz entfällt / Fondsverband rät von steuerlich motivierten Verkäufen ab

Trier, (lifePR) - Für die Anleger in Publikumsfonds bringt das kommende Jahr große steuerrechtliche Veränderungen. Zum einen hat das deutsche Steuerrecht bisher ausländische Fonds benachteiligt. Zum anderen soll die Besteuerung einfacher werden, weil künftig nur noch vier statt wie bisher 33 Rechengrößen verwendet werden und Anleger keine gesonderten Angaben mehr machen müssen, die sie etwa dem Bundesanzeiger entnehmen mussten. Vor allem werden Steuern nun von den Depotbanken für alle Fonds abgeführt. Grundsätzlich neu ist, dass künftig nicht allein der Anleger, sondern auch der Fonds besteuert wird. Auf Dividenden, Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien müssen sie, falls diese Einkünfte aus Deutschland stammen, eine Steuer von 15 Prozent entrichten.

Wer jetzt eine doppelte Besteuerung befürchtet, muss sich keine Sorgen machen, denn Ausschüttungen und Gewinne werden teilweise von der Abgeltungsteuer freigestellt. Dies hängt von der Fondsart ab. Bei offenen Immobilienfonds sind 60 Prozent der Ausschüttungen künftig steuerfrei, legen sie mehrheitlich im Ausland an, sogar 80 Prozent. Für Aktienfonds bleiben 30 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei, für Mischfonds 15 Prozent. Letzteres aber auch nur dann, wenn die Aktienquote mindestens 25 Prozent beträgt. Sind es weniger oder handelt es sich um einen Rentenfonds, gibt es gar nichts. Das besitzt eine gewisse Logik. Denn da die Fonds keine Steuern auf Zinseinnahmen zahlen, brauchen Anleger dafür auch keinen Ausgleich. Mieterträge und Verkaufsgewinne machen in Immobilienfonds aber einen größeren Anteil an den Einnahmen aus als Dividenden in Aktienfonds. Mehr Steuern zahlen dagegen Anleger, die bisher keine Steuern auf Einkünfte aus Kapitalvermögen gezahlt haben. Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums sind dies durchschnittlich knapp drei Euro mehr pro Jahr.

Für viel Aufregung sorgt dagegen eine andere Änderung. Der Gesetzgeber kassiert nämlich den Bestandsschutz für Fondsanteile, die vor 2009 erworben wurden. Dieser war eine Folge der Einführung der Abgeltungsteuer: Für alte Fondsanteile sollte weiter altes Steuerrecht gelten und alle Verkaufsgewinne spätestens ab 2010 steuerfrei sein. Nun ist es damit vorbei. Begründung ist, dass der Bestandsschutz "für Steuergestaltungen ausgenutzt wurde", so das Finanzministerium. Treffen dürfte dies die meisten Privatanleger aber nicht. Denn als Ausgleich gibt es für diese Fondsanteile für die Zeit ab 2018 einen Sonderfreibetrag von 100.000 Euro (200.000 Euro für Ehepaare oder andere "Oder"-Depots). Dieser funktioniert so: Der Fiskus tut so, als ob die Anteile Ende 2017 verkauft und zum 1. Januar neu erworben würden. Damit entsteht 2017 ein fiktiver Veräußerungsgewinn, der aber steuerfrei ist. Danach beginnt die Uhr neu zu laufen. Alle in der Zeit danach anfallenden Wertsteigerungen bis zu 100.000 Euro bleiben steuerfrei. Deswegen lohne es sich auch nicht, die Fondsanteile vor dem Jahresende zu verkaufen, betont der Fondsverband BVI. Denn wenn Anleger die Anteile vor 2018 tatsächlich veräußerten, steht ihnen der Freibetrag nicht mehr zu.

Der Wegfall des Bestandsschutzes ist für Fondsanleger ärgerlich. Doch auch von 2018 an dürfte die Neuregelung wohl eher wenige Anleger treffen: Bei 100.000 Euro in Fondsanteilen und einem jährlichen Wertzuwachs von sechs Prozent ist der Freibetrag erst 2030 ausgeschöpft. Das gilt zumindest so lange, wie es sich der Gesetzgeber nicht wieder anders überlegt. Anlegern, die Gefahr laufen, in absehbarer Zeit den Freibetrag auszuschöpfen, bleibt aber eine andere Möglichkeit. Wenn sie Anteile etwa auf Kinder oder Ehepartner übertragen, kommen diese in den Genuss eines eigenen Freibetrags. Darauf weist etwa der Anlegerbrief "Finanztip" hin. Allerdings muss die Schenkung rechtswirksam vor Ende 2017 erfolgt sein. Da bietet sich Weihnachten als Anlass an. Darüber hinaus können Verluste aus Anteilsverkäufen von Altanlagen verrechnet werden, so dass der Freibetrag wieder aufgefüllt werden kann.

Eine weitere Änderung betrifft thesaurierende Fonds. Bisher mussten Anleger diese Erträge mit der Steuererklärung angeben, künftig werden diese laufend besteuert. Hier wird es richtig kompliziert. Anleger müssen sich an drei neue Begriffe gewöhnen: Vorabpauschale, Basisertrag und Basiszins. Jährlich muss künftig eine Vorabpauschale versteuert werden. Dies ist die Differenz zwischen dem Basisertrag des Fonds und der Ausschüttung. Den Basisertrag ermittelt die Depotbank zu Jahresbeginn für das vorangegangene Kalenderjahr. Dazu multipliziert sie den Rücknahmepreis zu Beginn des vorangegangenen Kalenderjahres mit 70 Prozent des jährlichen Basiszinses. Der Basiszins leitet sich aus der langfristigen Rendite öffentlicher Anleihen ab und orientiert sich an dem Zinssatz, den die Bundesbank anhand der Zinsstrukturdaten für den ersten Börsentag des Jahres errechnet. Veröffentlicht wird er im Bundessteuerblatt, 2017 waren es 0,59 Prozent. Vom Basisertrag wird die Ausschüttung des vorangegangenen Kalenderjahres abgezogen. Dies gilt praktisch aber nur für teilausschüttende Fonds, da es bei einem thesaurierenden Fonds ja keine Ausschüttung gibt.

Die Steuern werden von der Depotbank abgeführt. Diese darf dazu Geld von einem Konto des Anlegers einziehen, und zwar auch ohne Einwilligung und sogar unter Ausnutzung des Dispokredits. Das ist auch ein entscheidender Unterschied zur bisherigen Besteuerung von Zwischengewinnen. Bislang stellten in Deutschland aufgelegte thesaurierende Fonds den Depotbanken Geld für die fälligen Steuern zur Verfügung. Künftig zahlt der Anleger selbst. Steuergutschriften gibt es übrigens keine, die Pauschale wird mindestens mit null angesetzt. Dafür kann sie aber auch nicht höher sein als der tatsächliche Wertzuwachs und wird am Ende mit Veräußerungsgewinn verrechnet.

Unter dem Strich verteilt sich also die Steuerlast künftig vor allem anders. Riester- und Rürup-Sparer müssen sich nicht an neue Regeln gewöhnen. Dagegen unterliegen Fonds für vermögenswirksame Leistungen der neuen Besteuerung. Auch Fonds in fondsgebundenen Lebensversicherungen werden auf Fondsebene künftig genauso besteuert wie ohne Versicherungsmantel. Die Erträge bleiben dagegen weiter steuerfrei, wenn der Vertrag vor 2005 abgeschlossen wurde.

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