Mittwoch, 18. Juli 2018


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Heterodoxie als wissenschaftliche Kategorie

Köln, (lifePR) - Richtiges versus falsches Wissen, erwünschte und unerwünschte Praxisformen, wahrer und falscher Glaube, wissenschaftlicher Mainstream oder Pseudowissenschaften, Faktenwissen oder alternative Wirklichkeitsbestimmung – aus einer abstrakten Position ist leicht festzustellen, dass die Ordnung komplexer Gesellschaften sowohl orthodoxe als auch heterodoxe Wissensbestände enthält. Während erstere von der Mehrheit der Gesellschaftsmitglieder als zutreffend angesehen und vermittelt werden, stellen letztere davon abweichendes Wissen dar, das spezifische Teile der Wirklichkeit anders beschreibt, interpretiert und erklärt. Doch was genau ist Heterodoxie? Wie stellt sie sich in verschiedenen Kontexten dar?

Seit ihrer Einführung in die Kultur- und Sozialwissenschaften durch Pierre Bourdieu beschäftigt sich eine Vielzahl von Disziplinen mit ihren Formen, Darstellungen und ihrer Bedeutung. Dabei stellt Heterodoxie die Verneinung der offiziellen Gegebenheiten und somit das Gegenteil der Orthodoxie dar. Beide funktionieren über die Abgrenzung vom jeweils "Anderen" und sind daher aufeinander angewiesen. Stark formuliert: Ohne Heterodoxie keine Orthodoxie.
Dennoch ist Heterodoxie als wissenschaftliche Kategorie unbestimmt und zumeist empirisch unkonkret geblieben. Aus diesem Grund widmen sich im neu erschienenen Sammelband Heterodoxie. Konzepte, Traditionen, Figuren der Abweichung Beiträge aus den verschiedensten Disziplinen wie der Religionswissenschaft, Medizingeschichte, Ökonomie und Kultursoziologie den Prinzipien der Heterodoxie, betrachten sie für ihr jeweiliges Fachgebiet und versuchen ihr nicht nur theoretische Schärfe zu verleihen, sondern auch empirisch eine erkennbare Kontur zu geben. Die anschaulichen Berichte reichen von historisch bis aktuell, überspannen Sektierertum, Aberglauben und Verschwörungstheorien, aber auch das Wesen von Forschungsanträgen und die Historie der Heilkunde.

Der von Michael Schetsche und Ina Schmied-Knittel herausgegebene multidisziplinäre Band richtet sich primär an ein akademisches Publikum aus den Sozial- und Geisteswissenschaften und spricht dabei gleichermaßen Forschende, Lehrende und Studierende sowie eine Vielzahl verschiedener Disziplinen an.

Michael Schetsche, Dr. rer. pol., studierte Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Die Promotion und die Habilitation (Venia für ‚Soziologie’) erfolgten an der Universität Bremen. Heute arbeitet er als Forschungskoordinator am IGPP Freiburg und lehrt als Außerplanmäßiger Professor am Institut für Soziologie der Albert-Ludwigs-Universität. Seine Forschungsschwerpunkte liegen primär im Bereich der Wissens- und Mediensoziologie, der Kultursoziologie und Kulturanthropologie. Aktuell beschäftigt er sich außerdem mit Fragestellungen aus Xenologie, Exosoziologie und Futurologie.

Ina Schmied-Knittel, Dr., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Empirische Kultur- und Sozialforschung am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. (Freiburg). Sie studierte Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Konstanz und promovierte später in Freiburg zu einem diskursanalytischen Thema. Ihre allgemeinen Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Wissens- und Religionssoziologie; konkret beschäftigt sie sich mit gesellschaftlichen Diskursen und kulturellen Deutungsmustern von okkulten Phänomenen und außergewöhnlichen Erfahrungen wie etwa Nahtoderlebnisse.

Michael Schetsche / Ina Schmied-Knittel (Hrsg.)

Heterodoxie
Konzepte, Traditionen, Figuren der Abweichung
2018, 288 S., 3 Abb., 2 Tab., 213 x 142 mm, dt.

ISBN (Print) 978-3-7445-1113-1
ISBN (PDF) 978-3-7445-1929-8

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Herbert von Halem Verlag



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