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Pressemitteilung BoxID: 612149 (Hatje Cantz Verlag GmbH)
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Patrick Angus - Porträtist des New Yorker Undergrounds

(lifePR) (Ostfildern, ) Das OEuvre des Malers Patrick Angus spiegelt die Einsamkeit und die verzweifelte Suche nach Anerkennung im New York der 1980er-Jahre. Die ausgelassene Farbigkeit seiner Werke kontrastiert mit expliziten Motiven und der exakten Beobachtungsgabe des Künstlers. Seine Gemälde und Papierarbeiten wurden zu Lebzeiten verkannt, gelten heute jedoch weltweit als gefeierte (Wieder-)Entdeckung. Die Monografie Patrick Angus ist eine posthume Hommage an den früh an Aids verstorbenen US-Amerikaner und versammelt erstmalig mehr als 100 Porträts, Selbstporträts, Landschaften und Stillleben. Berlin, 12. September 2016 – Im Alter von 19 Jahren blättert Patrick Angus durch Zeichnungen von David Hockney und erlebt eine Offenbarung: Er ist sofort fasziniert von den hedonistischen Darstellungen des schwulen Lebens in Los Angeles und begibt sich auf die Suche nach dieser glitzernden Erlebniswelt. Resigniert stellt er jedoch fest, dass der schimmernde Westküstenkosmos den Schönen und Reichen vorbehalten ist. Eine bittere Erkenntnis, die den von Selbstzweifeln geplagten Nordkalifornier veranlasst, Los Angeles den Rücken zu kehren und Anfang der 1980er-Jahre an die Ostküste der Vereinigten Staaten zu ziehen.

In Manhatten ist Angus aktiver Besucher von Erotik-Clubs, Badehäusern und Etablissements des Undergrounds. Viele seiner Gemälde und Papierarbeiten sind Impressionen dieser Aufenthalte. Sie zeugen von einer exakten Beobachtungsgabe und spiegeln die Suche nach Liebe, Freundschaft und Akzeptanz im Nachtleben des Big Apple der 1980er- und -90er-Jahre. Inspiriert von Hockney und der erotischen Kunst Picassos will Angus das schwule Leben in all seiner Ehrlichkeit festhalten: ungeschönt, direkt und stets im Spannungsfeld zwischen sexuellem Kick und unerfüllter Sehnsucht. Angus' Bilder sind erotisch aufgeladen, wirken aber nie pornografisch. Sie sind explizit, düster und nüchtern, gleichzeitig jedoch emotional und eindringlich. Das Buchcover Slave to the Rhythm (1986) zeigt beispielsweise eine detailgetreue Stripclub-Szenerie, das Motiv The Mysterious Baths (1984/85) bildet eine Momentaufnahme im Badehaus ab und Two Dancers in the Changing Room Backstage at the Gaiety (1991) ist das Abbild eines wie beiläufig aufgeschnappten Augenblicks im Umkleideraum des bei Männern beliebten New Yorker Burlesque-Theaters. In der Tradition des amerikanischen Realismus zeichnen sich Angus‘ Werke durch Flächenhaftigkeit und eine expressive Farbgebung aus. Die von ihm abgebildeten Personen büßen trotz der maskenhaften Darstellung ihrer Gesichter nichts von ihrem emotionalen Ausdruck ein. Im Gegenteil: Die eindringliche Bildsprache, insbesondere auch bei ungeschönten Selbstporträts oder sensibel eingefangenen Abbildungen von Freunden, zählen zu den stärksten Arbeiten von Angus‘ OEuvre. Das Werk Hustler with White Sox (1980er-Jahre) ist beispielsweise ein sehr intimes Aktporträt, das einen nur mit Socken bekleideten, jungen Mann mit weit geöffneten aufgestützten Armen vor einem Kaminsims zeigt – unmissverständlich explizit und doch sehnsuchtsvoll verletzlich anmutend. Die Monografie Patrick Angus versammelt Arbeiten sämtlicher Schaffensphasen des amerikanischen Malers, zu denen auch Stillleben und zahlreiche Landschaftsmotive gehören. Der Kunstkritiker und Kurator Mark Gisbourne, der einen Textbeitrag zur Publikation beisteuerte, würdigt Angus als »Maler, dessen Bildsprache und Sujets bis heute einzigartig sind«.

Dass der Maler trotzdem erst nach seinem Tod Ruhm erlangte, liegt möglicherweise darin begründet, dass er zeitlebens mit bürgerlichen Tabus brach: Schwule Kunst war in Museen und Galerien der 1980er-Jahre verpönt, sie galt als karrierreschädigend. So verstarb Angus 1992 einsam und mittellos im Alter von nur 38 Jahren an Aids. Seinem Nachlassverwalter Douglas Blair Turnbaugh sowie seiner Mutter Betty Angus ist es zu verdanken, dass seine zentralen Werke bewahrt wurden und – auch auch dank der Hilfe des Galeristen Thomas Fuchs – nun diese wertvolle Publikation erscheint.

Die in Stuttgart ansässige Galerie Thomas Fuchs präsentiert ab dem 23. September die Ausstellung Patrick Angus: Your Own Life. Darüber hinaus werden seine Arbeiten vom 15. bis 18. September auf der Berlin Art Week bei der Messe Positions ausgestellt. Am 17. September findet in diesem Rahmen ein Buch-Launch mit Thomas Fuchs und Marc Gisbourne statt: www.positions.de/rahmenprogramm.html

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