Klaus-Dieter Lehmann: Goethe-Institut entwickelt sich ständig weiter

(lifePR) ( München, )
In diesem Jahr feiert das Goethe-Institut seinen 60. Geburtstag. In seinem Pressegespräch am Mittwochvormittag ging Präsident Klaus-Dieter Lehmann auf die wechselvolle Geschichte des größten deutschen Kulturmittlers ein. Die wichtigsten aktuellen Aufgaben seien die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Entwicklungen in Konflikt- und Krisenregionen sowie das Engagement im Bereich Bildung.

Die Geschichte des Goethe-Instituts, so Lehmann, sei stets auch ein Spiegel der Entwicklungen Deutschlands und der Welt gewesen. Im ersten Jahrzehnt seines Bestehens sei es vor allem darum gegangen, Deutschland wieder in die internationale Staatengemeinschaft zu integrieren und an die kulturelle Moderne anzuschließen. Die 70er Jahre seien geprägt gewesen von neuen außenpolitischen Gegebenheiten, die Auswärtige Kulturpolitik wurde zur Dritten Säule der deutschen Außenpolitik. Die Politisierung der Nach-68er-Gesellschaft habe sich auch in der Programmarbeit des Goethe-Instituts abgebildet. Die welthistorische Zäsur von 1989 habe dann einen großen Aufbruch in den Osten eingeleitet und in der letzten Dekade sei ein Netzwerkausbau vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern hinzugekommen. Lehmann erwähnte in diesem Zusammenhang auch die immer wieder schwierige Haushaltssituation des Goethe-Instituts: "Wurden uns für die neuen Aufgaben zunächst auch zusätzliche Mittel bereit gestellt, so glaubten einige Politiker ab Mitte der 90er Jahre, die neuen Herausforderungen in der Ferne durch einen Abbau des Engagements bei den europäischen Nachbarn finanzieren zu können - ein irriger Glaube, denn auch in einer zusammenwachsenden EU muss jede Generation neu gewonnen werden."

Die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik im 21. Jahrhundert sei geprägt von eruptiven Veränderungen und von der Suche nach einer neuen Weltordnung, so Lehmann. Das Goethe-Institut sei aufgerufen, in den zahlreichen Konflikt- und Krisenregionen der Welt seine Möglichkeiten anzubieten - als Kulturinstitution, nicht als politischer Akteur. Es schaffe Infrastruktur und ermögliche Begegnung und Austausch. So könne es beim Aufbau von Zivilgesellschaften mithelfen und Talenten die Chance zur Entfaltung geben. In zahlreichen Ländern würden Dokumentarfilmer ausgebildet, Theater beim Aufbau eines Ensembles unterstützt, Verlagsketten aufgebaut. Ein Beispiel für diese Facette der Arbeit der Goethe-Institute sei das Programm "Arab Shorts" mit Filmen junger arabischer Filmemacher, das auf dem Festival "Vor dem Sturm" vom 17.-22. Juni in Berlin zu sehen sei. Die Goethe-Institute in Nordafrika/Nahost hätten auf den "arabischen Frühling" umgehend reagiert, etwa indem sie deutsche Erfahrungen aus der Zeit nach dem Mauerfall von 1989 einbrächten. Das Goethe-Institut Kairo biete künstlerischen Initiativen und politischen Gruppierungen mit seiner Tahrir-Lounge eine Plattform für Diskussion, Meinungsbildung und Austausch.

Klaus-Dieter Lehmann wies darauf hin, dass die Arbeit des Goethe-Instituts seit nunmehr einem Jahrzehnt mit Recht nicht nur als auswärtige Kulturpolitik, sondern als Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik firmiere. Bildung sei ein Schlüssel zur Wahrnehmung der Chancen, die eine weltweite Lerngesellschaft biete. Das Goethe-Institut sei mit seinem Netz von knapp 150 Instituten, hunderten Bibliotheken und Informationszentren, 25 Millionen Besuchen jährlich auf Goethe-Webseiten in 40 Sprachen, 5000 Kulturprogrammen und 20.000 Sprachkursen im Jahr ein unverzichtbarer Akteur der deutschen und internationalen Bildungslandschaft. Dabei gehe der Bildungsbegriff des Goethe-Instituts bewusst über den engen Begriff von Aus- und Fortbildung hinaus. Er schließe die Entwicklung der ganzen Persönlichkeit ein und bedeute immer auch Aufklärung, Emanzipation, Urteilskraft, zivilgesellschaftliche Verantwortung und kulturelle Teilhabe. Die Institute wirkten dabei gleichermaßen nach Innen wie nach Außen. Mit ihrer Sprachausbildung und Informationsarbeit leisteten die Institute einen wertvollen Beitrag zur Stärkung des Studienstandorts Deutschland; qualifizierte Arbeitskräfte würden in der Heimat für Deutschland interessiert, nachziehende Ehegatten sprachlich und kulturell auf den Wechsel vorbereitet. Im 60. Jahr seines Bestehens hätten sich Profil und Aufgaben des Goethe-Instituts verändert und weiter ausdifferenziert. Das positive Echo aus Kultur, Politik und Wirtschaft - in Deutschland wie auch in den Gastländern - sei eine erfreuliche Bestärkung, den erfolgreichen Weg weiter zu verfolgen und sich dabei aber auch beständig weiter zu reformieren.

Eine ausführliche Pressemappe finden Sie unter folgendem LinK: http://www.goethe.de/prs/prm/a011/de7668308.htm
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