Freitag, 22. September 2017


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Dauerhafte Hilfe bei Lipödem

Chirurgen im Klinikum nutzen Spezialkamera zur Schonung der Lymphbahnen

Kassel, (lifePR) - Eine Fettabsaugung (Liposuktion) ist die einzige Möglichkeit, um Patienten mit einem Lipödem, einer krankhaften Fettverteilungsstörung, langfristig zu helfen. Im Klinikum Kassel setzen die Fachleute der Klinik für Plastisch-rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie dafür eine spezielle Hightech-Kamera ein, um bei der Liposuktion die Lymphbahnen nicht zu schädigen – ein Verfahren, das deutschlandweit einmalig ist.

„Mach mehr Sport, mach Diät, achte auf die Ernährung…“ Diese Sprüche haben Uta Melzer ihr Leben lang begleitet. Bis zur Diagnose Lipödem war es für die 47-Jährige ein langer, steiniger Weg, der von vielen Selbstzweifeln, depressiven Stimmungen und Schmerzen begleitet war. Die Krankheit machte sich bei ihr seit der Pubertät bemerkbar: Die Beine wurden immer dicker und fingen an zu schmerzen. „Bei leichten Berührungen zuckte ich zusammen und das ständige Spannungsgefühl sah ich im Laufe der Zeit als normal an“, erzählt die Baunatalerin. „Mit einem schmalen Oberkörper sahen meine Beine immer aus, als ob sie nicht dazu gehören.“ Während und nach der Schwangerschaft verstärkten sich die Beschwerden weiter. „Ständig schmerzende, schwere Beine, Spannungsgefühl, Übergewicht, dauernde Müdigkeit, Kurzatmigkeit und keine Energie waren mein ständiger Begleiter.“ Ungezählte Diäten blieben erfolglos.

Das kann Priv.-Doz. Dr. Holger Engel bestätigen: „Diäten helfen bei einem Lipödem nicht“, so der Leitende Oberarzt der Klinik für Plastisch-rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie (Direktor Prof. Dr. Goetz A. Giessler). Häufig werde das Lipödem überhaupt nicht erkannt, die Patientinnen würden als fettleibig (adipös) stigmatisiert. Die Diagnose ist nach Angaben von Priv.-Doz. Dr. Engel auch deshalb schwierig, weil über die Hälfte der Patientinnen gleichzeitig unter Adipositas litten, manchmal zusätzlich noch an einem Lymphödem. „Das Lipödem als Grundproblem wird dabei oft übersehen.“  

Uta Melzer hörte 2010 erstmals von der Erkrankung Lipödem und fand einen Arzt, der sich mit der Erkrankung auskannte. Seitdem trägt sie Kompressionsstrümpfe und führt wöchentlich Lymphdrainage durch. Der Austausch mit Betroffenen eröffnete ihr eine ganz andere Sichtweise: „Ich fühlte mich nicht mehr allein. Endlich wusste ich, dass ich eine Krankheit habe!“ Ausführlich beschäftigte sie sich anschließend mit der Möglichkeit einer Liposuktion und fand in Priv.-Doz. Dr. Engel einen Arzt ihres Vertrauens.

Bei einer Liposuktion wird das krankhaft vermehrte Fettgewebe möglichst vollständig abgesaugt, um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen. Das krankhafte Fettgewebe ist entfernt und kommt im Operationsgebiet nicht wieder. Als Besonderheit setzen die Plastischen Chirurgen im Klinikum Kassel dabei als einzige in Deutschland eine Spezialkamera zur Darstellung der Lymphbahnen ein. „Die Lymphbahnen werden vor dem Eingriff im Operationsfeld eingezeichnet. So können wir unter Echtzeitdarstellung der Lymphgefäße das krankhafte Fettgewebe an Armen und Beinen schonend absaugen und das Risiko einer Lymphbahnschädigung stark minimieren“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Engel.

Häufig sind mehrere Eingriffe in Abständen von einigen Monaten notwendig. Denn pro Liposuktion werden nach Angaben des Plastischen Chirurgen maximal fünf Liter Fettgewebe entfernt - zwischen den Saugungsschritten müsse das Gewebe Zeit zum Heilen haben. „Als Endergebnis haben wir oft 20 Liter aus den Beinen abgesaugt, was übrigens nicht mit 20 Kilogramm Körpergewicht gleichzusetzen ist.“ Gegebenenfalls seien anschließend noch Straffungsoperationen notwendig, da sich der Weichteilmantel der Haut nicht vollständig zurückbildet.

Die Plastische Chirurgie am Klinikum Kassel führt jede Woche Liposuktionen durch. Die Behandlung von Lipödemen ist ein langer und aufwendiger Weg, aber mit langfristig sehr guten Ergebnissen, betont Priv.-Doz. Dr. Engel.

Bei Uta Melzer wurden bisher in mehreren Sitzungen 16,5 Liter Fett abgesaugt, weitere Eingriffe sind geplant. „Eine Liposuktion ist kein Kinderspiel“,  bestätigt auch sie. „Aber es ist gut zum Aushalten und das Resultat lohnt sich. Die Beine sind nicht mehr schwer und die Schmerzen fast weg. Spaziergänge machen wieder Spaß und ich kann mich insgesamt viel besser bewegen.“ Ihr haben die Eingriffe ein neues Lebensgefühl gebracht: „Hätte ich gewusst welche Erleichterung mir die Liposuktionen verschaffen, hätte ich mich längst dafür entschieden.“

Was ist ein Lipödem?

Bei einem Lipödem, von dem fast ausschließlich Frauen betroffen sind, handelt es sich um eine krankhafte Fettgewebsvermehrung, die zu einem disproportionalem Körperwuchs an Armen und Beinen führt. Häufig beginnt ein Lipödem mit der Hormonumstellung in der Pubertät, kann sich bei einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren verstärken. Lipödeme treten oft gemeinsam mit einer Adipositas auf, auch ein Lymphödem kann nach Jahren dazu kommen. (Lipo-Lymphödem) Die Therapie des Lipödems besteht aus zwei Säulen:


Behandlung der Symptome: maßgeschneiderte flachgestrickte Kompressionswäsche mindestens der Klasse 2 plus begleitende Lymphdrainage, dadurch lassen sich die Schmerzen reduzieren, das Fettgewebe vermehrt sich jedoch weiter
ursächliche Behandlung durch Absaugen des krankhaft vermehrten Fettgewebes (Liposuktion). Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen muss jeweils individuell beantragt werden.

Gesundheit Nordhessen Holding AG

Die Gesundheit Nordhessen Holding AG (GNH) bündelt Kompetenzen in der Region Nordhessen, um eine hochwertige medizinische Versorgung und Pflege anbieten zu können. Zur GNH gehören vier Kran-kenhäuser, Einrichtungen der ambulanten medizinischen Versorgung und Rehabilitation sowie Senioren-wohnanlagen mit ambulantem Pflegedienst. Die Krankenhäuser der GNH versorgen jährlich knapp 74.000 stationäre Patientinnen und Patienten. Mittelpunkt der Krankenhausgruppe ist das Klinikum Kassel als größtes kommunales Krankenhaus Hessens, im Umland stellen die Krankenhäuser in Bad Arolsen, Hof-geismar und Wolfhagen eine wohnortnahe Versorgung sicher. Mit rund 4.800 Mitarbeiterinnen und Mitar-beitern und über 390 Ausbildungsplätzen gehört die GNH zu den größten Arbeitgebern und Ausbildungs-betrieben der Region. In Kooperation mit der University of Southampton bietet die Kassel School of Medi-cine (KSM) ein bilinguales Medizinstudium für jährlich rund 30 Studierende an.

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