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Pressemitteilung BoxID: 682456 (Gerda Henkel Stiftung)
  • Gerda Henkel Stiftung
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  • 40211 Düsseldorf
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Gewalt in der Geschichte, Kulturerhalt in Nepal und der Iran vor und nach der Revolution

Gerda Henkel Stiftung fördert 45 neue Projekte und stellt 3,4 Millionen Euro bereit

(lifePR) (Düsseldorf, ) Die Gerda Henkel Stiftung nimmt weltweit 45 Forschungsvorhaben in ihre Förderung auf. Das Spektrum reicht von Untersuchungen zur Geschichte der Gewalt bis zur Instandsetzung historisch bedeutender Paläste in Mustang, Nepal. Elf wissenschaftliche Vorhaben werden im Rahmen des Sonderprogramms "Islam, moderner Nationalstaat und transnationale Bewegungen" unterstützt, darunter drei Projekte über die Geschichte des Iran. Die Stiftungsgremien stellten in ihrer Herbstsitzung Fördermittel in Höhe von insgesamt 3,4 Millionen Euro zur Verfügung.

Förderbeispiele I: Gewalt in der Geschichte

In den Jahren 2013 und 2014 entdeckte Dr. Nicolaus Seefeld (Bonn) im mexikanischen Bundesstaat Campeche das Massengrab von Uxul mit Überresten von 27 Individuen. Der Fund aus der Zeit der Mayakultur der Klassik (250-900 n. Chr.) fand großes Interesse in Forschung und Öffentlichkeit. Die Niederlegung und die Spuren physischer Gewalt deuten an, dass es sich bei den Bestatteten um Opfer ritueller Gewalt handelt. Mit einem Forschungsstipendium der Gerda Henkel Stiftung wird Nicolaus Seefeld die Erkenntnisse zum Grab von Uxul mit denen über andere Massengräber vergleichen. Damit möchte er die Funktion ritueller Gewalt in der klassischen Mayagesellschaft systematisieren.

Mit maritimer Gewalt im Nordeuropa des Spätmittelalters befasst sich der Historiker PD Dr. Gregor Rohmann (Göttingen). Zwischen 1389 und 1466 tauchen in Quellen die "Vitalienbrüder" auf. Die Forschung sah darin Seeräuber, die zunächst ab 1390/91 für die Herzöge von Mecklenburg im Krieg gegen Dänemark gekämpft haben. Sie wurden danach zu "Piraten" und teilweise zu Gegenspielern einiger Hansestädte. Gregor Rohmann hinterfragt diese Darstellung. Betrachtet man die zeitgenössische Wahrnehmung von Gewalt intensiver, so sein Ansatz, ergibt sich ein anderer Begriff von den Vitalienbrüdern.

Förderbeispiel II: Kulturelles Erbe in Mustang

Seit 2008 steht Lo Manthang, die Hauptstadt des ehemaligen Königreiches Mustang im heutigen Nepal, auf der sogenannten tentativen Welterbeliste der UNESCO. Kulturhistorisch stellen in Mustang die Paläste der Könige von Mustang eine wichtige Baugruppe und eindrucksvolle Beispiele für die Bauweise im 15. Jahrhundert dar. Nicht zuletzt aufgrund der Erdbeben im Jahr 2015 weisen einige Palastanlagen der Region schwere Schäden auf. Ziel eines Forschungsprojekts unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Wulf-Rheidt (Deutsches Archäologisches Institut Berlin) und Dr. Susanne von der Heide (HimalAsia Foundation Kathmandu, Nepal) ist es, drei besonders gefährdete Paläste, die Paläste in Gemi, Dhagmar und Thingkar, zu dokumentieren und instandzusetzen. Die Gerda Henkel Stiftung fördert das Projekt im Rahmen des Förderschwerpunktes "Patrimonies", in dem sich die Stiftung für den Erhalt kulturellen Erbes vor allem in Krisenregionen einsetzt. Nach dem Erdbeben 2015 gab sie gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt eine Nepal-Initiative für Maßnahmen bekannt, mit denen seitdem die humanitäre Hilfe für die Bevölkerung ergänzt und bedeutende Bauwerke wiedererrichtet werden.

Förderbeispiele III: Der Iran vor und nach der Revolution

Der Staatsislam im vorrevolutionären Iran ist Thema eines Forschungsprojektes unter Leitung der Iranistin Dr. Bianca Devos (Marburg). Im Zentrum steht die Regierungszeit Mohammad Reza Schahs (1941-1979). Seine westliche und antireligiöse Haltung prägen die Vorstellung vom Iran jener Jahre bis heute, nicht zuletzt unter dem Eindruck der Revolution von 1979. Doch stimmt dieses Bild? Ziel des Projektes ist es, die Religionspolitik des Schahs eingehend zu untersuchen und hierfür auch bislang unpubliziertes Archivmaterial auszuwerten.

Der Zeit nach der Revolution 1979 widmet sich Dr. Simon Wolfgang Fuchs (Freiburg). Er geht der Frage nach, wie die Revolution in den Wochen, Monaten und Jahren nach den Ereignissen in der muslimischen Welt diskutiert wurde. Denn während diese für den Iran selbst gut erforscht sind, fanden die Perspektiven shiitischer Akteure, sunnitischer Denker und Politiker im Nahen Osten und Südasien, aber auch linker Gruppierungen bislang wenig Beachtung. Das Projekt setzt hier an, um wichtige Rückschlüsse darauf zu gewinnen, warum die Revolution räumlich auf den Iran beschränkt blieb.  

Einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren deckt Dr. Sahar Aurore Saeidnia (Paris) ab. Sie geht von der Beobachtung aus, dass Wohltätigkeit weltweit zunehmende Verbreitung findet, unabhängig von demokratischen oder autoritären, religiösen oder säkularen Kontexten. Im Rahmen ihrer Forschung wird die Soziologin die Wohltätigkeitspraxis im Iran zwischen 1906 und 2016 betrachten. Ihr besonderes Augenmerk gilt der Frage, wie Religion und Politik hierbei im Alltag verflochten sind. Die Studie vergleicht das politische Zentrum Teheran und die heilige (Provinz-)Stadt Ghom.