Holzbau Forum "Urban Koeln" (EBH) mit vielen neuen Teilnehmenden

(lifePR) ( Frasdorf, )
Mit 720 TeilnehmerInnen (2018: 650) hat der Holzbaukongress „Urban Koeln“ von FORUM HOLZBAU in diesem Jahr eine neue Bestmarke erreicht. Dass die Veranstaltung für den Westen Deutschlands, auch bekannt unter dem Kurznamen EBH (Europäischer Kongress für Bauen mit Holz), so gut angenommen wird, liegt sicher zum einen an der momentan guten Baukonjunktur in Deutschland, hängt zum anderen aber auch mit notwendigen Schritten zur Dämpfung der Klimaerwärmung zusammen. Holzbau liegt „im Trend“ und ist auf gutem Weg, seine Nischenposition im Bauwesen merklich auszubauen.

„Momentan stehen wir elegant da, von der Ressource bis zur Umsetzung“, beschrieb FORUM-HOLZBAU-Vorstand Prof. Heinrich Köster bei der Begrüssung zur 12. Auflage des EBH am 23. und 24. Oktober im Kölner Veranstaltungszentrum Gürzenich die Lage. Das war auch beim Kongress spürbar. Insbesondere der auf etwa 220 TeilnehmerInnen gestiegene Anteil an Architekten, Planern und Sachverständigen, an Vertretern kommunaler Baubehörden und Baugesellschaften sowie von gewerblichen Bauträgern dokumentiert das wachsende Interesse an alternativen, klimafreundlicheren Baulösungen und den Informationsbedarf über Holzbau in der Stadt. Viele nahmen erstmals am Kongress teil.

Für FORUM HOLZBAU als Veranstalter und die Architektenkammern AKNW für Nordrhein-Westfalen, AKPF für Rheinland-Pfalz und die Ingenieurkammer Bau (IK Bau) in Nordrhein-Westfalen als Mitveranstalter ist es jedenfalls eine Bestätigung, dass die Hauptzielgruppen den EBH-Kongress immer besser annehmen. Das unterstreicht die Bedeutung des Forums als Branchentreff und als Plattform für Vernetzung im Rheinland (NRW und Rheinland-Pfalz). Weitere grosse Teilnehmergruppen in Köln stellten die Hochschulen aus dem Holz- und Baubereich mit Studierenden von 15 Lehranstalten, Forstverwaltungen, Kammern und Verbände. Insgesamt 60 Firmen mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen besuchten die Begleitausstellung, die den Praxisbezug des Kongresses massgeblich erweiterten und das Pausenumfeld gestalteten. Das Programm umfasste 35 Fachvorträge aus einem breiten Band an allgemeinen Themen des Holzbaus und des städtischen Umfeldes im Speziellen.

Martin Schwarz vom Zentrum Holz in Olsberg dankte im Namen des Landesbeirats Holz NRW dem Veranstalter FORUM HOLZBAU und den Mitveranstaltern der regionalen Architektur- und Ingenieurskammern für die Organisation des Kongresses und wies auf die Wachstumsmöglichkeiten für Holzbau hin.

Josef Kröger, Referent für Waldbau und Klimawandel im Düsseldorfer Umweltministerium, wies im Impulsreferat zum Kongressstart darauf hin, dass die NRW-Landesregierung dem Rohstoff Holz eine wichtige Rolle bei der Klimafolgenanpassung im Gebäudesektor, bei der Nachverdichtung urbaner Räume und der Schaffung eines gesunden städtischen Wohnumfelds beimisst. Als Einzelmassnahmen erwähnte er die Einrichtung eines Gründachkatasters, das neue Holzforschungszentrum der FH Aachen, das zusammen mit dem Handwerk Standardbauwerke in Holz etablieren soll, sowie die Etablierung einer Clusterinitiative mit dem Ziel einer Plattform Pro Holz NRW bis Ende 2020.

Hanno Kempermann (IdW Consult Köln) lieferte mit der Sparda-Studie „Wohnen in Deutschland 2019“ eine Analyse der Preissituation und -entwicklung für Wohneigentum. Danach sind die Preise für Eigentumswohnen seit 2005 bundesweit um 61,5% gestiegen, am stärksten in Berlin (+129%), in München (+116%) und in Hamburg (+110%), am wenigsten in den Flächenländern Ostdeutschlands, in NRW und im Saarland. Aber auch in einer Reihe von Mittelstädten haben sie deutlich angezogen, vor allem im Süden Deutschlands sowie in den Wirtschaftszentren des Ostens - eine Folge der Bevölkerungswanderung in die urbanen Zentren. Die Regionen, die sich in den nächsten Jahren aufgrund ihrer wirtschaftlichen Leistungs- und Zukunftsfähigkeit weiter positiv entwickeln werden, sind laut Sparda-Studie Süddeutschland in seiner Gesamtheit, die Ballungsräume Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, ferner Teile des Rheinlands und die Region um Wolfsburg.
Prof. Dr. Henning Austmann von der Hochschule Hannover zog viele Zuhörer mit mahnenden Worten (einfacher und „echt“ nachhaltig leben, lokal handeln), mit nachdenklich stimmenden Details zum Zustand unserer Lebensgrundlagen und mit Kritik am aktuellen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem in den Bann. Laut Austmann stehe die Welt kurz vor dem Kollaps. Die Probleme seien nicht mit Globalisierung, nicht mit mehr Technik und schon gar nicht mit mehr Wachstum zu lösen, sondern nur noch durch einen radikalen Wandel unseres Lebensstils. Anhaltender Beifall im Anschluss zeigte, dass sein deutliches Wort und sein Abweichen von der Mehrheitsmeinung beim EBH-Publikum zumindest auf offene Ohren stiess und Anerkennung erfuhr. Zur Nachahmung empfahl Austmann u.a. die Aktivitäten der „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“ von drei Dörfern im Weserbergland, deren Aktivitäten er privat begleitet.

Im Themenbereich Gebäudeaufstockungen beleuchtete Volkswirt Matthias Günther (Eduard Pestel Institut für Systemforschung) das Potenzial für neuen städtischen Wohnraum, ohne dafür zusätzliche Flächen in Anspruch zu nehmen. Denn der Flächenverbrauch für Bauen und Verkehr schreitet voran und man sei weit entfernt vom 30 ha-Ziel, welches das Bundesumweltministerium für 2020 ausgegeben hatte. Laut BMU waren es von 1992 bis 2017 101 ha pro Tag. Angesichts des stabilen Arbeitsmarktes in Deutschland und anhaltender Arbeitsmigration aus dem Ausland, wegen eines konstanten Wohnraum-Defizits von 800.000 Wohnungen in den Gebieten mit Arbeitsplätzen und bei Neubau von jährlich nur etwa 280.000 Wohneinheiten bietet es sich in Gebieten mit erhöhtem Wohnungsbedarf an, im Bestand aufzustocken. Das Paradox sei ein gleichzeitiger Wohnungsüberhang von 400.000 Einheiten, allerdings in Regionen mit wenig Arbeitsplatzangebot. Hinzu kommt, dass die Elterngeneration des Babybooms heute auf zu grossem Wohnraum hockt. Bei Rückkehr zu einem Pro-Kopf-Wohnflächenbedarf wie in den 1990er Jahren und bei Aktivierung dieser Reserve könnten in Deutschland 2 bis 3 Mio. Menschen Wohnraum finden. Das Pestel-Institut hat zusammen mit der TU Darmstadt in der Deutschland-Studie eine Spanne von 2,3 bis 2,7 Mio. Wohneinheiten berechnet, die auf dem Wege der Aufstockung von Bestandsbauten geschaffen werden könnten - theoretisch. Tatsächlich würden derzeit jährlich aber nur 50.000 Einheiten als Aufstockung entstehen. Günther sieht als Hauptursache mangelndes Interesse der Politik in Berlin, die sich zu wenig um den Wohnungsbau kümmere und ihn nicht fördere.

Auf viel Resonanz stiess der Vortrag von Prof. Hermann Kaufmann über die Gestaltung von Holzfassaden. Anhand des Vergleichs neu erbauter und gealterter Fassaden zeigte er, wie man Holz richtig einsetzen muss, damit es in allen Lebensphasen ansehnlich bleibt. Dabei zeigte Kaufmann auch Gestaltungsfehler und lieferte Korrekturvorschläge.

Den Schluss des Kongresses bildeten drei Präsentationen von Grossprojekten des Holzbaus. Das war zum einen das Siedlungsvorhaben Elmen in Luxemburg, bei dem in einer ersten Phase derzeit 350 Einfamilienhäuser und kleine Mehrfamilienhäuer in stark verdichteter Bauweise entstehen, und ohne Keller. In späteren Bauabschnitten sind jeweils weitere 350 Wohneinheiten geplant. Münchens Stadtdirektorin Ulrike Klar stellte das Holzbauquartier auf dem ehemaligen Gelände der Münchner Prinz-Eugen-Kaserne vor. Es ist kommunales Leuchtturmprojekt für den Geschosswohnungsbau in Bayerns Landeshauptstadt. Von den 1.800 Wohnungen, die dort entstehen, werden bis 2020 knapp 600 in Holzbauweise mit bis zu sieben Geschossen ausgeführt. Es wird Deutschlands grösste zusammenhängende Holzbausiedlung. Sie wird durch ein spezielles kommunales Programm mit einem Volumen von 13,8 Mio. Euro gefördert.

Der EBH-Abschlussvortrag befasste sich mit der Umgestaltung einer Infrastrukturbrache in der Heilbronner Innenstadt zum neuen Stadtteil Neckarbogen als Beispiel für Innenentwicklung und Nachverdichtung. Anlass dafür war die Bundesgartenschau 2019 in der Neckarstadt. Buga-Projektmitarbeiterin Barbara Brakenhoff und Wolf-Dieter Sprenger, Abteilungsleiter bei der Stadtsiedlung Heilbronn, die am Neckarbogen u.a. den Zehngeschosser Skaio errichten liess, erläuterten die Hintergründe und berichteten über den ersten Bauabschnitt des Stadtentwicklungsprojekts, das zur diesjährigen Buga abgeschlossen wurde. Das Skaio ist mit 34 m derzeit Deutschlands Höhenrekordhalter im Holzbau.

Der nächste Kongress Urban Koeln (EBH 2020) findet am 20. und 21. Oktober statt, wieder im Gürzenich.
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