Montag, 23. Juli 2018


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Initiative "Kirchbarkau hilft" erhält den Preis für herausragendes Engagement in der Flüchtlingshilfe

Verleihung des Leuchtturms des Nordens 2017

Kiel, (lifePR) - Die Kirchbarkauer St. Katharinen-Kirche war voll zum Themengottesdienst anlässlich des Internationalen Menschenrechtstages am 10. Dezember. Und knapp 100 Personen - darunter die Plöner Landrätin Stephanie Ladwig, Wolfgang Polakowski vom Kieler Innenministerium und die Landtagsabgeordnete Aminata Touré, waren der Einladung zur anschließenden Verleihung des Leuchtturms des Nordens an Flüchtlingsinitiative "Kirchbarkau hilft" in das sehr idyllisch am See gelegene Gemeindehaus der Kirchengemeinde gefolgt.

"Schön ist es hier. Da mag man gerne Urlaub machen", bekannte Martin Link, Geschäftsführer des Flüchtlingsrates Schleswig-Holstein, der den undotierten Preis Leuchtturm des Nordens in diesem Jahr zum 13. Mal überreichte. "Aber Flüchtlinge machen keinen Urlaub", mahnte Link. "Sie sind gekommen, um zu bleiben!"

Dass Geflüchtete bei ihrem Bemühen, zu bleiben, im besten Fall nicht allein gelassen sind, habe die Gruppe "Kirchbarkau hilft" eindrucksvoll bewiesen, betonte Gudrun Rössig, die für den Vorjahrespreisträger, das Lübecker Solizentrum, die Laudatio auf die Preisträger*innen hielt: "Sie bilden einen Kreis um eine albanische Familie, die vor Gewalt, Korruption und Unrecht zu uns, hier nach Schleswig-Holstein gekommen ist" lobt Rössig die Initiative. "Sie reichen ihnen die Hände für alles, was nötig ist: Willkommen, Nachbarschaft, Hilfe, Freundlichkeit und Unterstützung beim Kampf mit Ämtern und Behörden."

Dieses Engagement sei beständig geblieben, selbst nachdem die Familie nach Albanien abgeschoben worden sei. Gudrun Rössig ist beeindruckt davon, "dass Sie es geschafft haben für Pellumb, Mimoze, Amanda, Arba, Denis und Damian Cekaj fünf Bürgen und weitere 22 finanziell Unterstützende zu finden, die sich für fünf Jahre verpflichten, den Lebensunterhalt zu sichern, damit Familie Cekaj mit einem Ausbildungsvisum nach Kirchbarkau zurückkehren kann."

Inzwischen würde sich selbst die Plöner Ausländerbehörde zur Rückkehr der Familie bekennen und das ihr mögliche dazu beitragen, freute sich Marie Charlotte Wahl von der Gruppe "Kirchbarkau hilft". Das sei indes nicht immer so gewesen, bedauert Frau Wahl, und erinnert an die - trotz der vielfältigen Integrationsleistungen der gesamten Familie und eines laufenden Ersuchens bei der Härtefallkommission -  von der unbeeindruckten Kreisbehörde vollstreckte Abschiebung im vergangenen Spätsommer.

Simon Rützel-Grünberg mahnte einen rechtspolitischen Paradigmenwechsel an. Damit sich solche, wie der Fall der Familie Cekay nicht wiederholten, bedürfe es eines kritischen Nachdenkens über die geltende Gesetzeslage. Es bedürfe eines Spurwechsels, der Asylsuchenden die Möglichkeit gäbe, aus dem für einige bis dato alternativlosen Asylverfahren in eine andere aufenthaltsrechtliche Bleibeperspektive zu wechseln. Ebenso müsse aber den zuständigen Verwaltungen mehr positives Ermessen und Möglichkeit zur eigenständigen Würdigung der Umstände des Einzelfalls eingeräumt werden.

Zuvor hatte Martin Link die von Teilen der Politik befeuerte s. E. unseriöse Diskussion über ein angeblich bestehendes Vollzugsdefizite bei Aufenthaltsbeendigungen von im Asylverfahren erfolglosen Flüchtlingen kritisiert. Insbesondere solche vom Bundesinnenministerium behaupteten monströsen Zahlen, wie die für Ende dieses Jahres prognostizierten 485.000 ausreisepflichtigen Geflüchteten, führten zu einem unverhältnismäßigen und allzu oft ermessensnegativen Aktionismus in den Ausländerbehörden.

Tatsächlich seien im vergangenen September nur 230.000 Ausreisepflichtige gezählt worden, davon nur die Hälfte abgelehnte Asylsuchende, von denen widerum 70% eine Duldung erteilt worden sei, weil ihre Ausreise aus von ihnen nicht verschuldeten Gründen nicht möglich sei.

Mit Blick auf eine zunehmend kritische Bewertung bürgerschaftlicher Bleiberechtsinitiativen seitens der Politik, die ganz aktuell in Gestalt der Innenminisrekonferenz des Bundes und der Länder sich nicht scheut selbst Kirchengemeinden für ihren humanitären Einsatz für ohne Zweifel rückkehrgefährdete Flüchtlinge beim Kirchenasyl zu maßregeln, bleibt Martin Link dennoch zuversichtlich.

"Die bürgerschaftlich engagierten Initiativen, Nachbarn und Freundeskreise, Schulkameraden, Arbeitskolleginnen und Kollegen und nicht zuletzt die ihrem Evangelium und einer rechtverstandenen humanitären Verfassungstreue verpflichteten Gemeinden lassen sich nicht so einfach ins Bockshorn jagen", erklärt Link.

Und weil das so sei, könnten sich Menschen, die die Angst hierher getrieben habe, die berechtigte Sorge vor der Rückkehr umtreibe, darauf verlassen, dass sie im Labyrinth der Paragraphen und gegenüber bisweilen wenig emphatischen Bürokratien auch künftig nicht allein gelassen würden.

"Stellvertretend für viel, die an vielen anderen Orten in unserem Bundesland an ganz ähnlichen Fronten kämpfen, möchten wir deshalb heute, am Internationalen Tag der Menschenrechte, die Unterstützergruppe 'Kirchbarkau hilft' mit dem Leuchtturm des Nordens auszeichnen", erklärt Link abschließend.

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