10. Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch

20. - 23. Juni 2019 / Kurort Gohrisch, Sächsische Schweiz

(lifePR) ( Pirna, )
Seit nunmehr zehn Jahren begeistern die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch jährlich ein Publikum, das aus dem In- und Ausland zu den Veranstaltungen in die Gohrischer Konzertscheune strömt. Viele hochkarätige Künstler haben die ersten neun Festivaljahre geprägt, allen voran die Musikerinnen und Musiker der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die auch den Jubiläumsjahrgang künstlerisch mitausrichten. Am Vorabend läutet die Staatskapelle das Festival erneut mit einem Sonderkonzert ein, das diesmal im Dresdner Kulturpalast stattfindet.

Dmitri Schostakowitsch – Sergej Prokofjew – Igor Strawinsky: Im Fokus des Jubiläumsprogramms stehen drei russische Komponisten, die sich auf Augenhöhe begegnen und doch ein ambivalentes Verhältnis zueinander hatten. Schostakowitsch und Prokofjew verband Bewunderung und Rivalität und schließlich das gemeinsame Schicksal der öffentlichen Denunzierung. Der ältere Igor Strawinsky, der seine Heimat früh verlassen hatte, galt den sowjetischen Machthabern ohnehin als Inbegriff „westlicher Dekadenz“. Schostakowitsch und Prokofjew aber schätzten ihn sehr – auch wenn sie offiziell zu anderen Verlautbarungen gezwungen waren.

In diesem Spannungsfeld bewegen sich die acht Konzerte des Festivals, dessen Zeitraum in diesem Jahr von drei auf vier Tage erweitert wird. Eröffnet wird der Konzertreigen in Gohrisch mit dem Quatuor Danel, das u.a. das 1960 in Gohrisch entstandene achte Streichquartett von Schostakowitsch zur Aufführung bringen wird. Mit dem Borodin Quartet ist zudem ein Schostakowitsch-Quartett der ersten Stunde erneut in Gohrisch anwesend – die vier Musiker dieser legendären Formation wurden bereits 2015 mit dem Gohrischer Schostakowitsch-Preis ausgezeichnet. Kapelle 21 mit dem Dirigenten und Staatskapell-Kontrabassisten Petr Popelka gestaltet bereits zum zweiten Mal einen Aufführungsabend: Mit der Schauspielerin Isabel Karajan bringt diese der Aufführung von Musik des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmete Initiative der Staatskapelle Prokofjews „Peter und der Wolf“ zur Aufführung; gemeinsam mit den Mitgliedern des Raschèr Saxophone Quartets, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, außerdem die Suite für Varieté-Orchester von Schostakowitsch – mit dem berühmten „Walzer Nr. 2“, der erstmals im Gohrischer Festivalprogramm erklingt. Der Cellist Isang Enders, der die Anfänge des Festivals als ehemaliger Konzertmeister Violoncello der Staatskapelle mitgestaltete, kehrt zu einem Duo-Rezital mit dem Pianisten Yekwon Sunwoo in die Konzertscheune zurück.

Neben dem genannten Komponisten-Schwerpunkt würdigt das Programm auch die Jubilare Mieczysław Weinberg und Galina Ustwolskaja: Der enge Freund Schostakowitschs und seine rätselhafte Schülerin hätten 2019 beide ihren 100. Geburtstag gefeiert. Von Weinberg gelangen „Zwei Lieder ohne Worte“ für Violine und Klavier – gespielt von Linus Roth und José Gallardo – zur Uraufführung. Und es steht auch Neues von Schostakowitsch auf dem Programm: Zwei nachgelassene Film-Romanzen für Sopran und Klavier werden erstmals in Deutschland zu hören sein (mit Ilona Domnich und José Gallardo). Außerdem bringt der Pianist Daniel Ciobanu, der 2017 als Gewinner der Silbermedaille und des Publikumspreises aus dem 15. Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv hervorging, in einem Klavierrezital das kurze Klavierstück „Im Wald“ aus dem Jahr 1919 zur Uraufführung. Damit wird dem Festival bereits zum dritten Mal in Folge die Ehre einer Schostakowitsch-Uraufführung zuteil.

Der Dirigent Andris Nelsons, der weltweit für seine Schostakowitsch-Interpretationen gefeiert wird und für seine Einspielung der Symphonien Nr. 4 und 11 unlängst mit zwei Grammy Awards ausgezeichnet wurde, erhält den diesjährigen Internationalen Schostakowitsch Preis Gohrisch. Im Rahmen der Preisverleihung, bei der er die Auszeichnung persönlich entgegennimmt, musizieren die Pianistin Lauma Skride und das Dresdner Streichquartett – ein Ensemble aus Mitgliedern der Staatskapelle Dresden, das die ersten Jahre des Festivals wesentlich mitgestaltet hat. Das Abschlusskonzert gestalten die Dresdner Schlagzeuglegende Günter „Baby“ Sommer und der Saxophonist Johannes Enders, die mit Jazz-Improvisationen zu einer „Konferenz bei Schostakowitsch“ in die Konzertscheune laden.

Sämtliche Künstler verzichten auch in diesem Jahr auf ein Honorar. Sie erhalten lediglich ein „Frackgeld“ – so, wie es in der Kammermusik der Sächsischen Staatskapelle Dresden seit über 150 Jahren üblich ist.

Zusätzlich zu den Konzerten stehen zahlreiche Sonderveranstaltungen auf dem Programm, die allesamt bei freiem Eintritt besucht werden können. Darunter befindet sich eine Gesprächsrunde zu „10 Jahren Schostakowitsch in Gohrisch“ ebenso wie eine geführte Wanderung über den Malerweg bei Gohrisch, eine Filmvorführung und eine Voraufführung von Prokofjews „Peter und der Wolf“ für die Gohrischer und ihre Familien – eine Veranstaltung unter dem Titel „Dankeschön, Gohrisch!“.

Im Anschluss an die Konzerte findet darüber hinaus allabendlich eine „Schostakowitsch-Lounge“ mit Künstlergesprächen in der Elbresidenz Bad Schandau statt. Moderiert werden diese Gespräche im offiziellen Festivalhotel vom Musikjournalisten Axel Brüggemann.

Nach zehn Jahren steht das Festival auch strukturell auf neuen Beinen: Durch einen Beschluss des Sächsischen Landtages wurde den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch gemeinsam mit dem Festival Sandstein und Musik ab 2019 eine institutionelle Förderung zugesprochen. Beide Trägervereine – Sandstein und Musik e. V. und Schostakowitsch in Gohrisch e. V. – haben im Zuge dieser Veränderung eine übergeordnete, bündelnde Struktur gegründet, die gemeinnützige Gesellschaft FestivalKultur Sächsische Schweiz FEKUSS gGmbH, die beiden Festivals Planungssicherheit für die nächsten Jahre gibt.
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