Sonntag, 25. Februar 2018


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"Das Leitmotiv des Friedens hat noch lange nicht ausgedient."

EKD-Ratsvorsitzender beim 10. Religionsführertreffen in Brüssel

Hannover/Brüssel, (lifePR) - Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat dazu aufgerufen, das Ergebnis der Europawahlen ernst zu nehmen und der offensichtlichen Entfremdung eines Teils der Bürgerinnen und Bürger von der Europäischen Union zu begegnen. "Nicht durch undifferenziertes Europapathos oder eine Strategie der Pauschalierung und Ausgrenzung als Europagegner. Nein, durch Ansprache und Auseinandersetzung mit den realen Ängsten und Befürchtungen der Menschen", betonte Schneider am Dienstag, dem 10 Juni, in Brüssel. Anlässlich des Treffens europäischer Religionsführer sagte der Vorsitzende des Rates der EKD: "Auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften stehen in der Verantwortung, Europa als Heimat, als geistliches Zuhause erlebbar zu machen. Außerdem haben sie dank der grenzüberschreitenden und völkerverbindenden Kraft des Glaubens die Chance, Menschen zu einem gemeinsamen europäischen Weg zu ermutigen."

Auf Einladung von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kamen heute zum 10. Mal europäische geistliche Würdenträger und hochrangige Vertreter der Europäischen Union in Brüssel zusammen. Thema des Treffens war die Zukunft der Europäischen Union und der Beitrag der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Neben Präsident Barroso waren u. a. der Präsident des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, und der Vize-Präsident des Europäischen Parlamentes, László Surján, bei dem Austausch zugegen. Hinsichtlich der Debatte um ein neues Narrativ für Europa entgegnete der Ratsvorsitzende: "Ich frage, ob denn das "alte" Leitmotiv einer EU als Friedensprojekt, als Garant für Wohlfahrt und Gerechtigkeit wirklich ausgedient hat? Oder muss es nicht einfach nur mit neuem Leben gefüllt werden? Führt uns nicht die aktuelle Krise in der Ukraine wieder neu vor Augen, welch zeitlose Relevanz der Friedenscharakter des europäischen Projekts hat?"

Vorrangig stehe die Politik in der Verantwortung, die Menschen zu überzeugen. "Daneben dürfen aber auch wir alle nicht nachlassen, die Bürgerinnen und Bürgern zu ermutigen, sich -durchaus auch kritisch - mit der EU auseinanderzusetzen und Europa zu ihrer Sache zu machen." Im Vorfeld der Europawahlen habe es dazu auch in zahlreichen Kirchengemeinden und Landeskirchen in Deutschland eine Vielzahl von Veranstaltungen und Wahlaufrufe gegeben. "Solches Engagement macht Mut für die Zukunft Europas."

Aktuell böten sich eine Reihe von Anlässen, die Demokratie auf EU-Ebene zu stärken und die Wertegemeinschaft wieder mit Leben zu füllen, so Schneider. So müsse bei der Bestimmung des Präsidenten der Europäischen Kommission der Wählerwille respektiert werden. Die EU müsse aber zum Beispiel auch bei der Energie- und Umweltpolitik ihren Ehrgeiz beibehalten und mutig vorangehen. Ebenso sollten die Anstrengungen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa fortgeführt und verstärkt werden.

Erstmals wurde bei dem Treffen auch eine gemeinsame Erklärung von den EU-Spitzenpolitikern und den Religionsführer zum weltweiten Schutz der Religionsfreiheit und zur unverzüglichen Freilassung der sudanesischen Christin, Mariam Jahia Ibrahim Ishak, verabschiedet. Sie wurde im Sudan wegen der Abkehr vom Islam zum Tode und wegen ihrer Ehe mit einem Christen zu 100 Peitschenhieben verurteilt und ist weiterhin in Haft.

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