Donnerstag, 22. Februar 2018


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"Sport-Events: Die Verantwortung wird geteilt, bis am Ende ein großes Geschäft ohne Verantwortung übrig bleibt"

IM GESPRÄCH: Mag. Gerold Permoser

Wien, (lifePR) - Am 12. Juni füllen sich die Stadien in Brasilien zu Fußball-Weltmeisterschaft, dem größten Sport-Event der Welt. Doch mittlerweile zeigt sich, dass Großereignisse, wie die Fußball-WM in Brasilien oder die Olympischen Spiele in Sotchi, nicht nur Millionen begeistern, sondern auch den Blick auf ökologische, soziale und ethische Missstände in den Gastgeberländern lenken. Im Interview bewertet Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste Asset Management (EAM), Großveranstaltungen aus Sicht des ESG-Investors.

Herr Permoser, wie bewerten Sie Sportgroßveranstaltungen wie die Fußball-WM in Brasilien unter Nachhaltigkeitskriterien?

Permoser: Mit der Organisation von Sportgroßveranstaltungen sind an vielen Punkten unter ökologischen, sozialen und Unternehmensführungs-Aspekten (Environment, Social and Governance, ESG-Aspekte) negative Auswirkungen verbunden. Die betroffenen Menschen lehnen sich gegen die sozialen Missstände in ihrem Land auf und wehren sich. Das geschieht aktuell auch in Brasilien. Neben sozialen Aspekten spielen beispielsweise Umweltzerstörung oder tödliche Arbeitsunfälle beim Bau von Stadien und Infrastruktur eine wichtige Rolle. Auch die allgegenwärtigen Korruptionsvorwürfe sind ein bedeutendes Governance-Thema.

Wie gehen Asset Manager vor, um die Wünsche Institutioneller Investoren nach nachhaltigen Investments in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen?

Permoser: Die Beurteilung von Großereignissen unter Nachhaltigkeitskriterien steckt noch in den Kinderschuhen. In unseren Gesprächen mit ESG-Ratingagenturen zeigte sich, dass sich Mega-Events nicht klar bewerten lassen: Ausrichter solcher Sportereignisse ist meist eine staatsnahe lokale Organisation und Veranstalter ist zumeist ein privater Verein, wie zum Beispiel die FIFA. Ist nun das Unternehmen Adidas, in das wir investieren könnten, verantwortlich dafür, was die FIFA macht? Und: Wer baut die Stadien in Katar? Die Zusammenhänge sind oft so undurchsichtig, dass es schwerfällt, unternehmerische Verantwortung festzumachen. Bei Mega-Events scheint es so zu sein, dass Verantwortung so lange 'privatisiert', anonymisiert, delegiert und geteilt wird, bis am Ende ein großes Geschäft ohne Verantwortung übrig bleibt. Vor diesem Hintergrund haben wir schon im Vorfeld zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 im Rahmen unseres Engagement-Ansatzes betreffende Unternehmen gefragt, welche Möglichkeiten sie sehen, große Sportveranstaltungen nachhaltiger zu gestalten.

Welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt?

Permoser: Manche Unternehmen reagierten sofort auf unser Engagement. Offensichtlich war diesen Unternehmen klar, dass sie mit der Weltmeisterschaft in Brasilien in Verbindung gebracht werden und daraus auch eine entsprechende Verantwortung erfolgt. Mit Adidas, Continental und Sony konnten wir ausführliche Engagement-Aktivitäten durchführen. Andere Unternehmen wie Johnson & Johnson machten jedoch von Anfang an deutlich, dass sie sich zu diesem Thema nicht äußern. Ein Ziel der Unternehmen, die sich äußerten, war den Fußball als Sport populärer und verfügbarer zu machen. In einzelnen Fällen erhielten wir auch erfrischend ehrliche Antworten: Continental gab an, dass sich am Ende alles um die Bekanntheit der Marke und die Umsatzsteigerungen drehe. Viele Unternehmen wollten die Frage, wie sie zu den derzeitigen Protesten stehen, unter dem Hinweis auf interne Unternehmensrichtlinien aber nicht beantworten. Adidas und Continental fühlen sich für die Proteste nicht direkt verantwortlich und sehen die FIFA selbst und den Staat als Ansprechpartner für die Nachhaltigkeit von Groß-Events. Jedes beteiligte Unternehmen, mit dem wir gesprochen haben, versucht aber, die Gesellschaft im Austragungsland zu unterstützen. So wurden beispielsweise zahlreiche soziale Projekte für Kinder zur Förderung von Sport und Schulbildung ins Leben gerufen.

Wie wird sich Engagement bei Sportgroßveranstaltungen in der Zukunft entwickeln?

Permoser: Es wird immer deutlicher, dass auch Investoren einen ausführlicheren Dialog mit den am Event beteiligten Parteien führen müssen. Aus diesem Grund will die Erste Asset Management mit dem Engagement-Experten GES gemeinsam einen Investorenkreis gründen. Dieser soll periodisch Engagement-Aktivitäten durchführen, die sich nicht nur auf die Fußball-Weltmeisterschaft, sondern auf alle großen Sportereignisse und ihre Sponsoren beziehen.

Über Gerold Permoser: Mag. Gerold Permoser ist Chief Investment Officer (CIO) der Erste Asset Management in Wien.

Über den Fonds ERSTE RESPONSIBLE STOCK GLOBAL

Fondsstart: 11.07.2003
Basiswährung: EUR
Volumen: 233,0 Millionen Euro (per 30.5.2014)
Verwaltungsgebühr: bis zu 1,80% p.a.
TER (letztes Geschäftsjahr): 1,75%
Rechnungsjahr: 01.12. bis 30.11.
Ausschüttung: 01.03.
Benchmark: MSCI World in EUR

Anteilklassen:
A (Ausschüttend)
ISIN: AT0000A01GL7
VT (Vollthesaurierend)
ISIN: AT0000A0FSN4
T (Thesaurierend)
WKN: A0J36T
ISIN: AT0000646799

Der ERSTE RESPONSIBLE STOCK GLOBAL legt weltweit in Aktien mit deutlichem Fokus auf die entwickelten Märkte an. Das Investment-Universum wird einem Screening auf qualitativer Grundlage nach CSR/SRI-Kriterien unterzogen. Der Fonds ist ein aktiv gemanagter Nachhaltigkeits-Aktienfonds, der weltweit investiert. Die Struktur des Fonds – betreffend Sektoren und Währungen – orientiert sich am MSCI World Index. Der Fonds wird nach einem vierstufigen Investmentprozess verwaltet, auf dessen 1. Ebene das Investmentuniversum des Fonds nach Umwelt-, Stakeholder- und Corporate Governance-Kriterien gefiltert wird. Auf Ebene 2 werden in einem Investment Board die Ergebnisse des Nachhaltigkeitsfilter (Ebene 1) nochmals überprüft und spezielle Einzeltitel sowie IPOs diskutiert – am Ende steht das investierbare SRI Universum. Auf der nächsten Ebene (3) folgen die Portfoliokonstruktion sowie das Risk Management. Auf Ebene 4 finden sich die Engagement-Aktivitäten des Fondsmanagements.

Bei Interesse können Sie hier den vollständigen „ERSTE RESPONSIBLE RETURN - The ESG Letter” lesen: http://www.esgletter.at/

Erste Asset Management GmbH

Die Erste Asset Management GmbH (www.erste-am.com) koordiniert und verantwortet die Asset-Management-Aktivitäten (Vermögensverwaltung mit Investmentfonds und Portfoliolösungen) innerhalb der Erste Group Bank AG. An ihren elf Standorten in Österreich sowie Deutschland, Kroatien, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn verwaltet sie ein Vermögen von rund 47 Milliarden Euro.



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