Aktionstag "Wert der Kreativität" Eine Bilanz

(lifePR) ( Berlin, )
Nach dem Erfolg des ersten bundesweiten Aktionstags "Kultur gut stärken" im letzten Jahr war schnell klar, dass auch am 21. Mai in diesem Jahr ein solcher Tag stattfinden sollte. "Wert der Kreativität" sollte das Motto sein.

Dieses Motto wurde im Herbst des letzten Jahres formuliert, als sich im Kulturbereich eine deutliche Resignation breitmachte. Diejenigen gesellschaftlichen Kräfte, die das Urheberrecht in Frage stellten, schienen immer mehr an Boden zu gewinnen. Wer für den Schutz des Urhebers, seiner Persönlichkeits- wie auch der Verwertungsrechte eintrat, bekam schnell das Image von gestern zu sein. Viel Unmut über manche Entwicklungen in der Kulturwirtschaft, wie beispielsweise die nur schwer nach zu vollziehende Preisgestaltung von einigen Verlagen bei wissenschaftlichen Zeitschriften, die massenhaften Abmahnungen von Urheberrechtsverletzungen im Internet durch Anwälte, die ein lukratives Geschäftsfeld für sich entdeckt hatten und das nicht funktionierende Urhebervertragsrecht, das eigentlich zu einer angemessenen Entlohnung der Künstler führen sollte, wurden in einen Topf geworfen, kräftig umgerührt und herauskam eine radikale Infragestellung des gesamten Urheberrechts.

Manche glaubten gar, dass der professionell arbeitende Künstler im digitalen Zeitalter eine aussterbende Gattung sei, frei nach dem Motto, jedes Foto auf einer Website und jeder Text im Netz sei ja schließlich Kunst. Der geradezu grenzenlos ausufernde Kunstbegriff bei einigen Netzaktivisten, ließ einige fürchten, der professionelle Kunstbereich zählte nicht mehr zur Avantgarde. Er wies nicht mehr nach vorne, sondern vermeintlich ging es nur noch um den Erhalt des Bestehenden.

In dieser Situation sollte nun Aktionstag "Kultur gut stärken" unter dem Motto "Wert der Kreativität" stattfinden. Es sollte aber kein bundesweiter "Klagetag" werden, sondern dem Deutschen Kulturrat ging es darum zu zeigen, wie wichtig kreative Leistungen sind, dass sie nicht kostenlos zu haben sind und dass neben den Künstlern noch viele andere Beschäftigte in der Kulturwirtschaft einen Beitrag dazu leisten, dass Bücher erscheinen, Musik aufgeführt wird, ein Film entsteht und vieles andere mehr. Der Aktionstag "Kultur gut stärken" sollte aufklären, informieren, Diskussionsmöglichkeiten bieten und besonders Mut machen!

Und genau dieses wurde in vielen der rund 450 Veranstaltungen, die am 21. Mai und am Wochenende vorher im gesamten Bundesgebiet stattfanden erreicht. Viele Künstler, Kulturvereine und Kulturunternehmen vor Ort haben sich in ihren Veranstaltungen mit dem Motto "Wert der Kreativität" auseinandergesetzt und zum Diskurs eingeladen.

Der Deutsche Kulturrat selbst war an zwei Veranstaltungen direkt beteiligt. Am Vormittag des 21.05.2012 wurde im Zollernhof (ZDF) in Berlin der Aufruf "Für kulturelle Vielfalt im Internet" vorgestellt. In der von Tina Mendelsohn, kulturzeit (3sat), moderierten Diskussion mit Andres Veiel, Filmemacher, Gabriele Beger, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und Heinrich Schafmeister, Schauspieler wurde insbesondere von Andres Veiel verdeutlicht, wie viel Arbeit in einem künstlerischen Werk steckt.

In der Kulturzeit-Extra-Sendung (3sat), die in Kooperation mit dem Deutschen Kulturrat entstanden ist, wurde am selben Abend die Diskussion weiter geführt. In dieser Sendung wurden der Urheberrechtsexperte der Piratenpartei Bruno Kramm, selbst Musiker, der Musiker Frank Spilker, Die Sterne und die Schriftstellerin Tanja Dückers von Tina Mendelsohn befragt. Schnelle Einigkeit bestand, dass künstlerische Arbeit nicht umsonst zu haben ist. Bruno Kramm warb energisch für neue Finanzierungsmodelle für künstlerische Projekte wie Crowdfunding oder auch neue pauschale Vergütungsmodelle (Flatrate) im Internet für Künstler. Tanja Dückers konnte sich mit Crowdfinding nicht anfreunden. Sie unterstrich, dass sich in der ganzen Debatte um das Urheberrecht nicht ausschließlich auf Künstler konzentriert werden dürfe, sondern ebenso die anderen Akteure des Kulturbereiches, die alle ihren spezifischen Anteil zum Erfolg eines künstlerischen Werkes haben, mit betrachtet werden müssen. In eine ähnliche Richtung argumentierte Frank Spilker. Er verdeutlichte, dass neben den Künstlern, die auf der Bühne stehen, die anderen, die diesen Auftritt erst ermöglichen, ebenfalls nicht ehrenamtlich arbeiten können. Dückers und Spilker stellten heraus, dass internationale Konzerne wie beispielsweise Google oder Facebook mit der Verbreitung geistigen Eigentums Geld verdienen, sich bislang an der Vergütung der Künstler aber nur minimal beteiligen. Die Zuschauer konnten bereits vor und während der Sendung per Mail. Facebook oder Twitter ihre Fragen stellen oder Kommentare abgeben. Im Livestream fand nach der Sendung eine Auseinandersetzung mit diesen Zuschauermeinungen statt. (Die Kulturzeit extra-Sendung vom 21. Mai 2012 kann angesehen werden unter: http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=31027 )

Sowohl die Kulturzeit extra-Sendung als auch die Podiumsdiskussion am Vormittag des 21. Mai zeigten, dass die Auseinandersetzung um den "Wert der Kreativität" komplexer geworden ist, dass verschiedene Positionen gegeneinander abgewogen werden und dass stärker auf die Rolle der verschiedenen Akteure im Kulturbereich eingegangen wird. Das ist ein deutlicher Gewinn an Streit- und Debattenkultur.

Erfreulich ist, dass viele Verbände, Einzelpersonen und Gruppen von Urhebern sich jetzt zu Wort melden und verdeutlichen, dass das Urheberrecht nicht ein Recht ist, das sich gegen die Nutzer, also die Kunden, richtet, sondern es vielmehr um den Schutz des Urhebers und seines Werks geht. Zu nennen sind unter der Vielzahl an Stimmen aus dem Kulturbereich der letzten Wochen der Brief von 51 Tatortautoren zum Urheberrecht, das Interview mit Sven Regener in der Sendung Zündfunk des Bayerischen Rundfunks, das Positionspapier der VG Wort, die Unterschriftenaktion "Wir sind die Urheber" oder die fünf Thesen zum Urheberrecht der Spiele-Autoren-Zunft. Der Deutsche Bibliotheksverband hat sich mit seinem Positionspapier "Nutzerinteressen stärken, Urheberrechte wahren" ebenfalls klar für den Schutz von Urhebern und ihren Werken eingesetzt. Zugleich werden verbesserte Möglichkeiten zur digitalen Nutzung von Werken eingefordert.

Der Aufruf des Deutschen Kulturrates "Für kulturelle Vielfalt im Internet" ergänzt und erweitert die vorhandenen Positionen. Alle Unterzeichner des Aufrufes, unter ihnen viele Künstler, Kulturunternehmer, Mitarbeiter aus Kulturvereinen und Kultureinrichtungen, Kulturpolitiker, Kulturinteressierte, Kulturnutzer und andere, plädieren für einen Dialog zur kulturellen Vielfalt im Internet. Sie unterstreichen mit dem Aufruf, dass Kunst und Kultur von der Kreativität einzelner Menschen leben. Künstler schaffen die Werke, die gespielt, gelesen, gesehen und gehört werden. Das trifft nicht nur auf die analoge, sondern ebenso auf die digitale Welt zu. Die Unterzeichner betonen, dass kulturelle Produktions- und Rezeptionsgewohnheiten einem ständigen Wandel unterworfen sind und sie verschließen sich keiner sinnvollen Änderung, die diese Entwicklung auch rechtlich nachvollzieht. Sie bekräftigen zugleich, dass bei allem Reformbedarf für hunderttausende von Kulturschaffenden und darüber hinaus für einen ganzen Wirtschaftszweig die Sicherung des Urheberrechts eine existenzielle Frage ist.

Es kommt Bewegung in die Diskussion zur Zukunft des Urheberrechts. In einem Punkt herrscht zwischen der sogenannten Netzgemeinde und dem Kulturbereich Übereinstimmung: Das Urheberrecht muss der digitalen Welt angepasst werden. Es geht allerdings um die große Frage "Wie". Eines hat der Aktionstag des Deutschen Kulturrates deutlich gemacht, der Kulturbereich ist nicht gegen die Nutzer. Im Gegenteil, die Nutzer sollen die künstlerischen Werke genießen, sich darüber austauschen, aber sie sollen bitte auch bezahlen. Dass dafür die bestehenden Geschäftsmodelle im Internet weiterentwickelt werden müssen, steht außer Frage. Ebenso außer Frage steht aber auch, dass Kunst im Internet nicht kostenlos zu haben ist. Es kann nicht sein, dass an Musik, Texten, Filmen und Bildern im Internet die Internetfirmen verdienen und der Kulturbereich mit Brosamen abgespeist werden soll. Hier besteht Handlungsbedarf und auch die sogenannte Netzgemeinde sollte nachdenken, ob es richtig ist, dass internationale Internetkonzerne Unsummen verdienen und Künstler keine Vergütung für ihre Leistung bekommen sollen. Google, YouTube und Co., schaffen keine Kunst, sondern verdienen nur daran!

Die verschiedenen Wortmeldungen aus dem Kulturbereich und darüber hinaus haben dazu beigetragen, dass sich der Wind gedreht hat. Auch in den Medien wird jetzt anders über das Thema "Wert der Kreativität" berichtet. Diejenigen, die für das Urheberrecht einstehen, werden nicht mehr durch die Bank als Ewiggestrige beschrieben und diejenigen, die das Urheberrecht grundlegend ändern wollen, sind nicht mehr ausschließlich Motor der Innovation. Das ist gut so, weil so die Auseinandersetzung auf einer anderen Grundlage stattfinden kann.

Wir haben mit dem Aktionstag unter dem diesjährigen Motto "Wert der Kreativität" die Zeichen der Zeit erkannt und thematisch aufgegriffen. Ich bin glücklich über die Einsatzbereitschaft für kulturelle Vielfalt und Wertschätzung künstlerischer Leistungen aller Beteiligten bei unserem Aktionstag im gesamten Bundesgebiet und bedanke mich bei allen Aktiven und allen finanziellen Unterstützern.

Mit dem am Aktionstag gestarteten Aufruf "Für kulturelle Vielfalt im Internet" haben wir ein deutliches Zeichen auch über den 21. Mai hinaus setzen. Die Liste der Unterzeichner ist schon jetzt ein Who's Who der Kultur- und Politikprominenz und wächst beständig an. Unterzeichen Sie auch unter: http://kulturstimmen.de/aufruf!

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

PS. Zwei Bücher zum Thema können hier kostenlos als pdf-Datei geladen werden:
Künstlerleben: Zwischen Hype und Havarie Digitalisierung: Kunst und Kultur 2.0

Außerdem lesen Sie auch den "Ersten Bericht der Bundesrepublik Deutschland über Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen zur Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens".
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