Charta: Ambitionierte Agenda und harte Kost zugleich

DBV-Präsident Gerd Sonnleitner bei VDAJ Fragestunde

(lifePR) ( Berlin, )
"Die Charta ist eine ambitionierte Agenda für eine produktive und nachhaltige Landwirtschaft. Im Großen und Ganzen können wir den Charta-Überlegungen der Ministerin Aigner folgen, auch wenn sie für unsere Tierhalter harte Kost bedeuten." So beurteilte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, in einer ersten Reaktion die von Bundesagrarministerin Ilse Aigner vorgestellte Charta für Landwirtschaft und Verbraucher. Bei der Fragestunde des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ) anlässlich der Grünen Woche 2012 erklärte Sonnleitner, dass es zwar wichtig sei, Probleme in der Tierhaltung anzupacken, offene Fragen im Umweltschutz zu verfeinern, die Welternährung im Blick zu behalten und den Verbrauchern zu ihrem Recht zu verhelfen. Gleichwohl gehören auch die ökonomische Perspektive des Agrarstandortes Deutschland sowie das Preisgebaren des Lebensmitteleinzelhandels in eine derartige Zukunftsbetrachtung.

Deutliche Kritik übte Sonnleitner in der Fragestunde des VDAJ an der erneut aufkommenden Diskussion um das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). "Das neue EEG ist drei Wochen in Kraft. Jetzt schon wieder eine neue Reform herbeizureden, halte ich nicht für klug", stellte Sonnleitner klar. "Wir hätten uns bei der Novelle des EEG im letzten Jahr eine deutlichere Angleichung zwischen den Erlösen auf den Energiemärkten und den Ertragsbedingungen in der Nahrungsmittelproduktion gewünscht. Sprich, die Einspeisevergütungen hätten auch für große Biogasanlagen deutlicher gesenkt werden können. Wir sollten uns daher im Laufe dieses Jahres sehr genau anschauen, wie die Korrekturen gewirkt haben und danach neu überlegen", lautete Sonnleitners Appell.

In enger Verbindung mit der Charta für Landwirtschaft und Verbraucher sieht Sonnleitner auch die aktuellen Diskussionen um die Tierhaltung und den Einsatz von Tierarzneimitteln. Der Bauernpräsident stellte klar, dass der DBV eine Minimierungsstrategie beim Antibiotika-Einsatz mittrage. Sonnleitner erinnerte gleichzeitig aber daran, dass Bauern aus Tierschutzgründen in der Pflicht seien, kranke Tiere zu behandeln. "Das, was Hunde- und Katzenhalter für sich reklamieren, muss auch für den Nutztierhalter gelten", stellte Sonnleitner klar. Auch ließen sich Resistenzbildungen bei Keimen im Schulterschluss mit der Humanmedizin durchaus verringern. Zu Eingriffen am Tier - vom Ferkelkastrieren über das Schwänze- oder Schnäbelkürzen bis hin zum Enthornen - stellte Sonnleitner fest, dass die Probleme auf einer Zeitachse gelöst werden müssten, "aber auch gelöst werden können". Dazu müsse jedoch die Forschungs- und Entwicklungsarbeit beschleunigt werden und zwar von der Tierzucht bis zum Stallanlagenbau.

Der DBV-Präsident ging vor den Agrarjournalisten auch auf die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik ein. "Wir gehen mit", wenn Agrarkommissar Ciolos die Marktorientierung der europäischen Landwirtschaft weiter voranbringen, den Direktausgleich für die Bauern verstetigen sowie gerechter innerhalb der Landwirtschaft Europas verteilen wolle. Da könne niemand widersprechen, sagte Sonnleitner und lobte Ciolos' Engagement bei der Finanzierung des EU-Agrarhaushaltes. Allerdings laufe Ciolos Gefahr, neue Bürokratie zu erzeugen. Dafür sprächen unter anderem seine Vorschläge zur Neuabgrenzung benachteiligter Gebiete. "Völlig unsinnig wird es aber, wenn der Agrarkommissar an seiner Vorstellung festhält, 7 Prozent der Ackerfläche in jedem Betrieb stilllegen zu wollen. Faktisch geht es darum, die normale Erzeugung zurückzudrängen. Das ist in einem Land, in dem 40 Prozent der Gesamtfläche mehr oder minder unter Schutz gestellt sind oder in Agrar-Umweltprogrammen einbezogen werden, nicht zu vermitteln", machte der DBV-Präsident deutlich. So ein Vorschlag passe zudem nicht in eine Zeit, in der ein Beitrag zur Welternährung zu leisten und die Energiewende Deutschlands auch mit Biomasse zu ermöglichen sei. "Deshalb werden wir weiterhin intensive Gespräche in Deutschland und Europa suchen, um diese Reform nicht zu einem Fiasko werden zu lassen."
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