Dienstag, 24. April 2018


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Hamburger Forscher auf den Spuren bizarrer Felsbewohner in Mittelgebirgen

Der Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung wird heute Abend an Robert Klesser vergeben

Hamburg, (lifePR) - Die Verleihung des mit bis zu 50.000 Euro dotierten Forschungspreises der Deutschen Wildtier Stiftung findet heute in Hamburg statt. Preisträger ist der junge Biologe Robert Klesser (33). Sein Forschungsvorhaben hat die unabhängige Jury renommierter Fachwissenschaftler überzeugt. Die Deutsche Wildtier Stiftung vergibt ihren Forschungspreis seit 1997.

Im Fokus von Klessers Untersuchungen stehen vergessene Lebensräume und ihre bizarren Bewohner. In kargen, felsigen Blockhalden an den unbewachsenen Hängen unserer Mittelgebirge leben winzige Spezialisten, die weitgehend unerforscht sind. „Blockhalden sind sehr extreme Habitate“, erklärt der junge Forschungspreisträger. „Ohne Vegetation: im Sommer außen brütend heiß, im Winter klirrend kalt.“ Die Halden bestehen aus einem weit verzweigten Höhlensystem, in dessen Innerem oft ein Kern aus Eis liegt, der auch im Sommer nicht schmilzt. Forscher vermuten, dass einige dieser Kerne seit der letzten Eiszeit bestehen und damit zehntausende Jahre alt sind. Hat sich die Genetik der heutigen Ur-Höhlenbewohner verändert? Bedroht sie der zunehmende Stickstoffgehalt in der Luft? Auch das möchte Klesser herausfinden .Vor allem die achtäugige Wolfsspinne Acantholycosa norvegica sudetica interessiert den jungen Doktoranden, der schon in Kindheitstagen eine wahre Leidenschaft für Spinnen entwickelt hat. „Diese Wolfsspinne ist eine Einzelgängerin“, erläutert er. „Sie hat nur einen Durchmesser von rund fünf Zentimetern, aber sie wird zur Löwin, sobald sie ihren Nachwuchs verteidigen muss. Den Kokon, in dem viele hunderte Eier verwebt sind, beschützt die Wolfsspinne mit ihrem Leben.“ Ein Gift-Biss von ihr und der Angreifer wird zum Opfer; er ist gelähmt und stirbt.

„Bislang unbeachtete Standorte wie Geröllhalden, Steinbrüchen, Tagebaue oder auch Truppenübungsplätze sind für die unscheinbaren und unbekannten Spezialisten im Tierreich wichtige Standorte“, sagt Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. „Die Arbeit von Robert Klesser lehrt uns, unser Augenmerk auf diese Raritäten zu richten und auch Sonderstandorte als schützenwert zu begreifen. Es handelt sich um Arten in ökologischen Nischen, die sonst aus Mitteleuropa verschwinden würden.“ Die Deutsche Wildtier Stiftung fördert mit dem Forschungspreis herausragende wissenschaftliche Arbeiten, die das Wissen und den Umgang mit Wildtieren im dichtbesiedelten und naturarmen Mitteleuropa voranbringen.

Die Verleihung findet am 16. November 2017 um 18.30 Uhr im Zoologischen Museum des Centrums für Naturkunde, Universität Hamburg, Bundesstraße 52, statt.

Für Interviews stehen zur Verfügung:

Robert Klesser, Preisträger, Doktorand, Abteilung Entomologie, Centrum für Naturkunde

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung

INFOKASTEN: Die letzten drei Preisträgerinnen und ihre Arbeiten:

Diplom-Psychologin Uta Maria Jürgens (32), die 2015 mit ihrem Promotionsprojekt „Vom Konflikt zur Koexistenz“ die Mensch-Wildtier-Beziehung unter dem Blickwinkel der menschlichen Psyche betrachtete. Zoologin Dr. Lisa Warnecke (39) erhielt 2013 den Preis für ihre Igelforschung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit: Stoffwechselaktivitäten von Igeln im Jahresverlauf, Unterschiede zwischen „stacheligen Städtern“ und „Dorfbewohnern“. Biologin Dr. Stefanie Monecke (45) untersuchte 2011 die „innere Uhr“ des Feldhamsters und die Zusammensetzung seiner Hormone, die den Winterschlaf auslösen.

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