Montag, 23. Juli 2018


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Sammelschiffchen macht das Rennen

Theo Neuwald aus Dortmund hat mit seiner Familie eine besondere Seifenkiste gebaut

Bremen, (lifePR) - Stürmisch ist es oft, wenn die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) aufs Meer rausfahren, um Menschen aus Seenot zu befreien. Stürmisch war es Anfang September 2017 auch für den zehnjährigen Theo Neuwald – allerdings nicht draußen auf See, sondern in Krefeld. In einer selbstgebauten Seifenkiste sauste er bei einem Rennen den Hügel hinunter. Die Form des Eigenbaus sorgte für reichlich Aufsehen: Er sieht aus wie ein Sammelschiffchen der Seenotretter – nur in Groß.

„Die Erklärung dafür ist ganz einfach“, sagt Theo und lacht. „Schuld ist mein Opa.“ Als passionierter Segler und langjähriger Förderer der DGzRS beflügelte Großvater Eckhard Osterhage von klein auf Theos Fantasie. Die Seenotretter und ihre wichtige Aufgabe waren im Bewusstsein der Familie schon immer fest verankert. So ist es kein Wunder, dass Theo bei einem Aufsatzwettbewerb der Dortmunder Schulen zum Thema „Meine Zukunft“ nicht lange nachdenken musste, worum es in seinem Text gehen soll. „Ganz klar“, sagt er, „die Seenotretter.“ Und was genau will er werden? „Als Seenotretter auf dem Seenotrettungskreuzer HERMANN MARWEDE helfe ich beim Löschen einer brennenden Fähre.“

Dabei legte sich Theo so ins Zeug, dass er für seinen Aufsatz innerhalb seiner Altersgruppe ausgezeichnet wurde und eine Lokalzeitung darüber berichtete. Was der Junge nicht ahnen konnte: Sein Opa gab der DGzRS-Zentrale in Bremen einen kleinen Wink. Prompt erschien auch noch ein Artikel über den ungewöhnlichen Aufsatz in der Vierteljahreszeitschrift „Längsseits“ der DGzRS. Und damit nicht genug: Die Seenotretter waren so von der Geschichte angetan, dass Theo und seine Familie bei einem Besuch auf Helgoland an Bord der HERMANN MARWEDE durften.

„Das war super“, schwärmt er noch heute. „Da konnte ich mir die HERMANN MARWEDE von oben bis unten angucken. Alle waren total nett und haben sich viel Zeit für uns genommen.“ So viel Zeit, dass man an Bord gemütlich ins Plaudern kam. Die Mannschaft erzählte etwas über das Schiff. Theo erwähnte irgendwann das Seifenkistenrennen in Krefeld – und die Idee war geboren. „Der Vormann der HERMANN MARWEDE meinte, die Seifenkiste könnte doch aussehen wie ein Schiff der Seenotretter“, erzählt Theo. „Ich fand das sofort klasse.“

Wettlauf gegen die Zeit

Dass die Seifenkiste allerdings dann doch nicht wie ein Seenotrettungskreuzer aussehen konnte, stellte sich zu Hause schnell heraus. „Das war ziemlich kompliziert und hätte nur eine Kompromisslösung werden können“, sagt Vater Jürgen Neuwald. Die Lösung: das Sammelschiffchen. „Es hat dafür die perfekte Form. Es ist schnittig, gleichzeitig einfach aufgebaut und hat einen sehr hohen Erkennungswert.“ Die gesamte Familie krempelte die Ärmel hoch und packte mit an. Ein Wettlauf gegen die Zeit begann: Bis zum Start des Seifenkistenrennens blieben nur noch wenige Wochen.

„Wir haben zunächst mal nach Bauplänen für Schiffe im Internet geguckt, wurden aber nicht fündig. Schließlich hat uns Theos Onkel Daniel Napolitano die symmetrische Spantenkonstruktion präzise entworfen. Dem Konstrukteur ging das leicht von der Hand. „Mit dem filigranen Spantengrüst steht und fällt ja die gesamte Statik und Optik des Schiffchens“, erzählt Jürgen Neuwald. Er selbst ist Ingenieur, weiß also, wovon er spricht.

„Außerdem konnten wir in der Tischlerei meines alten Klassenkameraden Olaf Engels arbeiten. Wir durften alle Geräte benutzen. Er ist selbst Segler und schätzt dementsprechend die Arbeit der DGzRS. Er war sofort begeistert und hat tatkräftig mitgeholfen.“ Auch Theo und sein jüngerer Bruder Helge packten mit an.

„Körperlich am Ende – aber superstolz“

Gut 300 Arbeitsstunden steckten Familie Neuwald und Co. in den Bau der Seenotretter-Seifenkiste. Baupläne aufstellen, Holz sägen und fräsen, Holzverbindungen nach Tischlerart herstellen statt Baumarktwinkel zu benutzen, eine richtige Beplankung befestigen und natürlich das Fahrwerk inklusive Lenkung und Fußbremse fest mit dem Korpus verbinden, zuletzt spachteln, lackieren und beschriften – drei volle Wochenenden waren die „Schiffbauer“ von morgens bis abends auf der Seifenkisten-Werft beschäftigt. „Am Ende“, sagt Jürgen Neuwald, „waren alle auch körperlich am Ende – aber superstolz.“

Für Theo ging die Aufregung jetzt erst richtig los: Am Renntag klopfte sein Herz bis zum Hals. „Die Startrampe war so richtig steil“, sagt er. „Und die Seifenkiste wurde echt schnell.“ Nur zwei Probeläufe waren vor dem eigentlichen Rennen auf der Strecke erlaubt. In einem DGzRS-roten Overall und mit Sturzhelm auf dem Kopf meisterte er die Testläufe gut. Die Seifenkiste hat zum Glück Bremsen. „Benutzt hat er die beim eigentlichen Rennen allerdings weniger“, sagt Vater Jürgen und lacht. „Das Schiffchen hat aus optischen Gründen nur eine schmale Spurbreite und dabei einen relativ hohen Schwerpunkt. Die scharfe S-Kurve auf der Hälfte der Strecke hat Theo dann auf zwei Rädern genommen. Ich dachte, ich guck’ nicht richtig.“

Gut 500 Meter lang ist die Seifenkistenstrecke in Krefeld-Hüls. Theo startete in der „Jux-Klasse“ mit der Startnummer 35. Der kleine Stunt auf zwei Rädern in der Kurve nützte ihm auf jeden Fall. Er brauchte nur 31 Sekunden für die Strecke und behauptete sich damit gut gegen Seifenkisten der Rennklasse. Die Wertung für Theo: ein ziemlich schneller und bejubelter dritter Platz.

„Klar bin ich stolz“, sagt der junge Seifenkistenpilot und erinnert sich gern an den Bau seines kleinen Flitzers. Ursprünglich wollte die Familie den Eigenbau nach dem Rennen meistbietend versteigern und das Geld der DGzRS spenden. Jetzt gibt es einen noch schöneren Plan. Jürgen Neuwald: „Wir übergeben die Seifenkiste der DGzRS als Dauerleihgabe. Eine Idee ist es, sie in Bremen oder in einem Informationszentrum der DGzRS auszustellen, sodass sie für jedermann zu sehen ist.“ Natürlich brauchen auch kleine Schiffe auf Rädern einen Namen. Theo hat schon einen ausgesucht: „Seenotretter-Seifenkiste“.

Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)

Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenot­rettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit - rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter mehr als 2.000 Einsätze, koordiniert von der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre). Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zu­wendungen finanziert, ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen mehr als 84.500 Menschen aus Seenot gerettet oder drohenden Gefahren befreit. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident.

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