Wissenschaftler rufen Politik zum Handeln auf

Luftschadstoff-Debatte ade?

(lifePR) ( Berlin, )
Luftschadstoffe gefährden nicht nur die Umwelt, sondern sind auch gesundheitsschädlich. In einem Symposium, das gestern in Berlin stattfand, erläuterten Experten, welche Gefahren von Luftschadstoffen ausgehen und wie es um die Atemluft in Deutschland steht – auch vor dem Hintergrund des Klimawandels, einer der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit. Im Symposium setzte sich die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) auch kritisch mit der Luftschadstoff-Debatte auseinander. Denn nicht alle Experten schätzen die gesundheitlichen Gefahren, die von Luftschadstoffen ausgehen, als hoch ein.

Die aktuellen Grenzwerte zu Luftschadstoffen basieren auf etwa 70 000 internationalen wissenschaftlichen Publikationen. Im Symposium „Was tun für bessere Luft“, bei dem Mitarbeiter des Umweltbundesamtes, Wissenschaftler, Referenten von Bundestagsabgeordneten und aus mehreren Ministerien sowie Mitglieder der Landesärztekammern anwesend waren, haben sich internationale Experten aus Toxikologie, Klimaforschung und medizinischer beziehungsweise politischer Praxis kritisch mit diesen Studienergebnissen auseinandergesetzt und hinsichtlich ihrer Aussagekraft diskutiert. „Als medizinische Fachgesellschaft ist es das Anliegen der DGP, den Diskurs um die Luftschadstoffdebatte sachlich weiter zu begleiten und sich in vernünftiger wissenschaftlicher Form mit der Debatte auseinanderzusetzen. Das ist uns meiner Überzeugung nach mit diesem Symposium gelungen“, sagt Professor Dr. med. Klaus F. Rabe, Pastpräsident der DGP. „Wir haben uns unterschiedliche Argumente angehört, die verschiedenen Positionen noch einmal kritisch hinterfragt, uns einer kritischen Methodenbewertung gewidmet und dabei auch einen großen politischen Bogen geschlagen.“

Internationalen wissenschaftliche Studien belegen die Schädlichkeit von Stickstoffoxid und Feinstaub – sogar schon unterhalb der nach geltendem EU-Recht aktuell gültigen Grenzwerten. Es gilt jedoch, vom isolierten Betrachten einzelner Luftschadstoffe und Maßnahmen wegzukommen. „Die möglicherweise sich gegenseitig verstärkende Wirkung von Luftschadstoffgemischen ist noch nicht hinlänglich untersucht“, so Rabe, der hauptverantwortliche Organisator des Symposiums. Ko-Faktoren wie ein heißer Sommer erhöhen die Empfindlichkeit des Organismus weiter. „Eine einseitige Fixierung auf eine einzelne Komponente, etwa Diesel, wird der komplexen Problematik daher nicht gerecht“, betonen die internationalen Experten aus Toxikologie und Epidemiologie. Maßnahmen, die nur einige der Probleme bekämpfen – wie Verkehrsverbote – sind nicht effektiv. Es ist eine bundesweite ressortübergreifende Strategie zur Luftreinhaltung notwendig. So müssen beispielsweise auch Maßnahmen in der Landwirtschaft angegangen werden.

Die internationalen Experten des Symposiums sind sich einig: Luftverschmutzung ist der wichtigste Risikofaktor für nichtübertragbare Krankheiten. „Das ist hinreichend bewiesen“, sagt Professor Dr. Francesco Forastiere, Berater der World Health Organization (WHO), in der Abschlussdiskussion der Veranstaltung. „Unabhängig davon, ob es noch mehr Evidenz geben könnte, müssen wir handeln“, betont der Experte. „Die Politik darf sich nicht vom Druck der Industrie leiten lassen“, ergänzt Professor Dr. Joel Schwartz, Harvard University. Die Ziele des Pariser Klimaabkommens müssen konsequent umgesetzt werden – nicht nur, um die gesundheitlichen Auswirkungen einzudämmen, sondern auch um einem gefährlichen Klimawandel entgegenzuwirken. „Als Fachgesellschaft werden wir uns dafür nicht nur heute, sondern auch in Zukunft einsetzen“, so Rabe.
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