Montag, 11. Dezember 2017


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"Zusammen leben - voneinander lernen"

750 Teilnehmer beim 7. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Berlin, (lifePR) - Am zweiten Kongresstag besuchten mehr als 750 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland die Vorträge und Workshops auf dem 7. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) im Congress Park Hanau.

Politik für Menschen mit Demenz war ein wichtiges Thema der Veranstaltungen. Petra Weritz-Hanf, Referatsleiterin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sprach über die Arbeitsgruppe "Allianz für Menschen mit Demenz", die Teil der Demografiestrategie der Bundesregierung ist. Die Allianz, der auch die DAlzG angehört, steht unter dem Vorsitz von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder und dem Ko-Vorsitz von Heike von Lützau-Hohlbein, 1.Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und Präsidentin der Dachorganisation Alzheimer Europe. Die Allianz soll die Initiativen zusammenführen, die sich bereits in vielen Orten und Regionen gebildet haben. Bis 2016 sollen 500 lokale Allianzen ins Leben gerufen und gefördert werden, die demenzbetroffene Familien vor Ort begleiten und sie darin unterstützen, weiter ein normales Leben zu führen. Heike von Lützau-Hohlbein sprach über den Beitrag der Selbsthilfe zur "Europä!ischen Demenz-Politik". Durch den Einfluss der "Pariser Erklärung" (2006) und der European Alzheimer's Alliance, einer Initiative von derzeit 66 Abgeordneten des Europäischen Parlaments, haben bereits zahlreiche Länder Nationale Demenzpläne entwickelt. Schwerpunkte dieser Demenzpläne sind Aufklärung und Information, bessere Koordinierung der Beratungsangebote, die Verbesserung von Therapie und Pflege für die Betroffenen sowie verstärkte Forschungsbemühungen.

Bärbel Schönhof, die 2. Vorsitzende der DAlzG, stellte die Regelungen des ab Januar 2013 geltenden Pflege-Neuausrichtungsgesetzes (PNG) dar. Dieses wird Verbesserungen in der ambulanten Pflege Demenzkranker bringen, doch die Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs lässt weiter auf sich warten.

Der Psychiater Alexander Kurz vom Zentrum für Kognitive Störungen der Technischen Universität München erläuterte die praktischen Konsequenzen der aktuellen Forschung: "Die bessere Früherkennung von Demenzerkrankungen und Therapien, die deren Verlauf verzögern, werden dazu führen, dass die Betroffenen länger mit der Krankheit leben müssen. Entscheidend wird sein, dass sie die notwendige Unterstützung dabei bekommen."

Tobias Bartschinski und Bianca Broda von der Alzheimer Gesellschaft München berichteten von einer Reise mit Erkrankten im frühen Stadium und ihren Partnern, die in Kooperation mit einer französischen Alzheimer Gesellschaft durchgeführt wurde. Gemeinsam mit einer örtlichen Gruppe unternahmen die Teilnehmer aus Deutschland Ausflüge ans Meer und an verschiedene Orte in Südfrankreich - einmal sogar in Begleitung von zwei Therapieeseln. Das Erlebnis von Natur, Geselligkeit und über alle Sprachbarrieren hinweg geteilten Erfahrungen begeisterte die Teilnehmer. Ein gutes Beispiel dafür, was auch mit Demenz möglich ist, wenn man den Mut hat, es auszuprobieren.

Die Versorgung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus ist ein wiederkehrendes Thema auf den Kongressen der DAlzG. Winfried Teschauer, Vorstandsmitglied der DAlzG, erklärte, dass es viele gute Konzepte gibt, um die Behandlung Demenzkranker in Akutkliniken zu verbessern, doch es ist sehr schwierig, in den Krankenhäusern etwas zu bewegen. Cornelia Usbeck berichtete über eine traumatische Erfahrung mit ihrem demenzkranken Vater. Sie wandte sich an die Verantwortlichen des Klinikums und wurde abgewiesen, bis sich die Alzheimer Gesellschaft Mittelhessen einschaltete. Deren Vorsitzende, Bettina Rath, schilderte, dass die Klinik erst dann zu Verbesserungen bereit war, als ein Politiker interveniert hatte, Mitarbeiter der Klinik sich engagierten und die Förderung als Modellprojekt in Aussicht stand. Sabine Kirchen-Peters vom iso-Institut in Saarbrücken, die ein von der DAlzG gefördertes Projekt durchgeführt hat, sprach über individuelle, arbeitsorganisatorische und betriebswirtschaft!

liche Barrieren in den Krankenhäusern, die Veränderungen zu Gunsten Demenzkranker so schwierig machen. Verbesserungen müssen vor allem bei der Qualifikation des Personals und der Finanzierung des zusätzlichen Aufwands für Demenzkranke ansetzen.

Ein weiteres Symposium befasste sich mit dem Thema der Gewalt in der Pflege und Möglichkeiten zur Prävention. Gerade Menschen mit Demenz haben ein erhöhtes Risiko Opfer von Gewalt zu werden, weil die Pflegenden immer wieder in Überforderungssituationen geraten. Andrea Kimmel vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen wies ebenso wie Susanna Saxl und Marion Bonillo vom Projekt PURFAM (Potenziale und Risiken in der familialen Pflege alter Menschen) darauf hin, dass in Deutschland verbindliche Vorgaben zur Prävention von Gewalt gegen alte Menschen fehlen. Notwendig wären klar geregelte Zuständigkeiten und Ansprechpartner z. B. für Hausärzte oder Mitarbeitende der ambulanten Pflege, die Anzeichen für Misshandlungen wahrnehmen.

Der Kongress endet am 20.10.2012 mit der Vergabe der Forschungsförderung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft durch die Schirmherrin Wibke Bruns und einer Lesung von Arno Geiger aus seinem Bestseller "Der alte König in seinem Exil".

Die Schirmherrschaft über den Kongress haben Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie Stefan Grüttner, Hessischer Sozialminister.

7. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft: "Zusammen leben - voneinander lernen", Hanau, 18. bis 20. Oktober 2012, Congress Park Hanau, Schlossplatz 1, 63450 Hanau. Informationen und Programm im Internet: www.kukm.de/alzheimer2012

Hintergrundinformationen

Heute leben in Deutschland etwa 1,4 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Ungefähr zwei Drittel davon leiden an der Alzheimer-Krankheit. Ihre Zahl wird bis 2050 auf drei Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz ist der Bundesverband von derzeit 133 regionalen Alzheimer-Gesellschaften, Angehörigengruppen und Landesverbänden. Sie nimmt zentrale Aufgaben wahr, gibt zahlreiche Broschüren heraus, organisiert Tagungen und Kongresse und unterhält das bundesweite Alzheimer-Telefon mit der Service-Nummer 01803 - 171017 (9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz).

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