Sonntag, 23. Juli 2017


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Tagung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

"Demenzsensible Krankenhäuser sind unverzichtbar - und machbar!"

Berlin, (lifePR) - Schulungen der Mitarbeiter, Rooming-in und Unterstützung durch Ehrenamtliche: Eine Fachtagung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zeigte Wege auf, wie die schwierige Situation von Menschen mit Demenz im Krankenhaus verbessert werden kann.

Krankenhäuser sind für Menschen mit Demenz eine belastende Umgebung. Sie können sich dort schlecht orientieren, haben ihre vertrauten Bezugspersonen nicht um sich und verstehen die Handlungsabläufe nicht. Auch für das Personal sind demenzkranke Patienten oft eine besondere Herausforderung: ein einfühlsamer Umgang mit ihnen erfordert Zeit, die im Stationsalltag meist nicht vorhanden ist, sowie eine Wissensbasis zum Verhalten Demenzkranker. Vor diesem Hintergrund lud die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) am 2. Dezember zur Tagung "Menschen mit Demenz im Krankenhaus" nach Kassel ein. Mehr als 230 Mitarbeiter aus Krankenhäusern, ehrenamtlich tätige "Grüne Damen" und Mitglieder der Alzheimer-Gesellschaften kamen zusammen, um sich über Möglichkeiten zur Verbesserung der bestehenden Situation auszutauschen.

Wie dringend es ist, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, zeigte der Bericht von Cornelia Usbeck, deren demenzkranker Vater im Oktober 2011 in einem hessischen Krankenhaus überraschend an den Folgen eines Sturzes verstarb. Während des Aufenthaltes hatten die Angehörigen auf erhebliche Mängel im Umgang mit ihm hingewiesen. Die Klagen, die von der Tochter und der örtlichen Alzheimer-Gesellschaft an das Krankenhaus herangetragen worden sind, führten dazu, dass das Krankenhaus heute mit dem Einsatz ehrenamtlicher Helferinnen ein spezielles Angebot für Demenzkranke geschaffen hat. Eine dauerhafte Finanzierung dafür muss allerdings erst noch gefunden werden.

Wie ein Krankenhaus sich mit einem ganzheitlichen Konzept für demenzkranke Patienten einsetzen kann, machte Oliver Riedel aus dem Klinikum Altmühlfranken deutlich. Dort wurden verschiedene Ansätze realisiert wie Schulungen des Personals, Rooming-in und Beratung für Angehörige sowie die Schaffung eines Demenzbeauftragten. Das Klinikum nahm am Modellprojekt "Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus" teil. Gerhard Wagner vom Landesverband Bayern der Deutschen Alzheimer Gesellschaft berichtete vom Projekt und über Ergebnisse der Evaluation.

Dr. Jochen Hoffmann vom Krankenhaus St. Hildegardis in Köln stellte das Konzept der "Station Silvia" vor, auf der acht demenzkranke Patienten mit unterschiedlichen Indikationen - getrennt von Patienten ohne kognitive Störungen - versorgt werden. In einem wissenschaftlichen Projekt wird dort evaluiert, ob auch wissenschaftlich messbar ist, was vom Personal und den Betroffenen bereits als Vorteil wahrgenommen wird - nämlich ein Rückgang von freiheitsentziehenden Maßnahmen, kürzere Verweildauern und eine Verbesserung der Alltagsfähigkeiten.

Neben der Schulung von Mitarbeitern im Krankenhaus - nicht nur der Pflege, sondern auch von Ärzten und anderem Personal - hoben verschiedene Referenten und auch Teilnehmer aus dem Publikum die Wichtigkeit von ergänzender ehrenamtlicher Betreuung hervor. Diese müsste allerdings auch vom Haus wertgeschätzt und in den Krankenhausalltag integriert werden. Alise Höhn, Einsatzleiterin der "Grünen Damen" in Bad Dürkheim, berichtete von den Aufgaben des ehrenamtlichen Besuchsdienstes. In einem neuen Projekt sollen Ehrenamtliche die Pflegekräfte speziell auf einer Demenzkranken vorbehaltenen Teilstation entlasten. Sie begleiten die Patienten beim Frühstück und dem Mittagessen und bieten einen Lotsendienst an. Höhn betonte "Ehrenamtliche ticken anders als Hauptamtliche", sie seien daher eine gute Ergänzung.

Es gibt bereits einige gute Praxisbeispiele, sie sind jedoch bei Weitem noch nicht flächendeckend vorhanden. Dr. Winfried Teschauer, Vorstandsmitglied der DAlzG und Moderator der Tagung, wies deshalb ausdrücklich darauf hin, dass angesichts des demografischen Wandels und der zunehmenden Zahl von demenzkranken Patienten der Schritt zur Entwicklung eines demenzsensiblen Krankenhauses unumgänglich sei. Es gebe allerdings noch viel zu tun, um Klinikleitungen, Politik und Kostenträger in ganz Deutschland davon zu überzeugen.

Die neue Broschüre der DAlzG zum Thema "Menschen mit Demenz im Krankenhaus", die auf der Tagung vorgestellt wurde, will dazu einen Beitrag leisten.

Broschüre
Deutsche Alzheimer Gesellschaft (Hrsg.): "Menschen mit Demenz im Krankenhaus. Auf dem Weg zum demenzsensiblen Krankenhaus". 1. Auflage 2013, Broschüre mit DVD, 10 €.
Bestellung: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Friedrichstraße 236, 10969 Berlin,
Tel. 030 - 259 37 95 - 0,
mailto:info@deutsche-alzheimer.de, Internet: www.deutsche-alzheimer.de

Hintergrundinformationen

Heute leben in Deutschland etwa 1,4 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Ungefähr 60% davon leiden an einer Demenz vom Typ Alzheimer. Ihre Zahl wird bis 2050 auf 3 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz ist ein gemeinnütziger Verein. Als Bundesverband von derzeit 135 Alzheimer-Gesellschaften, Angehörigengruppen und Landesverbänden vertritt sie die Interessen von Demenzkranken und ihren Familien. Sie nimmt zentrale Aufgaben wahr, gibt zahlreiche Broschüren heraus, organisiert Tagungen und Kongresse und unterhält das bundesweite Alzheimer-Telefon mit der Service-Nummer 01803 / 17 10 17 (9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz) oder 030 / 259 37 95-14 (Festnetztarif).

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