Sonntag, 24. September 2017


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2 Jahre danach: Wie unkonventionelle Flüchtlingsprojekte die Integration fördern

Berlin, (lifePR) -
Nur jeder zweite Flüchtling wird in den nächsten fünf Jahren Arbeit finden
Von Technik bis Kulinarik - es gibt viele kreative Ansätze für mehr Integration 
DEVUGEES, wolkenschlösser, Über den Tellerrand: Drei spannende Integrationsprojekte


Willkommenskultur, das war einmal - noch vor einem Jahr traten in Deutschland unzählige Promis und Politiker mit dem Slogan "Refugees Welcome" für Flüchtlinge ein. Heute hört man davon nichts mehr. 54 Prozent der Deutschen sind mittlerweile dagegenweitere Flüchtlinge aufzunehmen. Auch der Europäische Gerichtshof hat sich eingeschaltet und mit seinem Urteil vom 26.07.2017 dem "Durchwinken" von Flüchtlingen für die Zukunft ein Ende gesetzt. Künftig sind wieder die Länder, in denen die Flüchtlinge die EU erstmals betreten, für sie zuständig. Aber selbst wenn es keine weiteren Neuankömmlinge gibt, steht die eigentliche Herausforderung noch bevor: eine langfristig erfolgreiche Integration. So prognostizieren etwa die Experten des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass von den angekommenen Flüchtlingen nur jeder zweite in den nächsten fünf Jahren Arbeit finden wird. Und das nur, wenn auch Praktika und Minijobs einbezogen werden. Um die Aussichten zu verbessern, braucht es also kreative Lösungsansätze und unkonventionelle Initiativen. Drei Projekte, die den Flüchtlingen schon jetzt eine neue Perspektive bieten:

Ein Update für die Tech-Szene: Vom Geflüchteten zum Programmierer
Die zwei Wahlberliner Stephan Bayer, der 2008 sofatutor gründete, und Steffen Zoller, CEO von kununu, nehmen sich seit September 2016 mit ihrem Projekt DEVUGEES - eine Verbindung aus Refugees und Developer - der Flüchtlingssituation auf recht ungewöhnliche Art an. Geflüchtete und bleibeberechtigte Asylbewerber werden in einem einjährigen Fort- und Weiterbildungsprogramm zum Programmierer ausgebildet, um so die Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt zu vereinfachen und gleichzeitig gut ausgebildeten Entwicklernachwuchs heranzuziehen. Von HTML bis hin zu JavaScript lernen die Teilnehmer alles was in der Tech-Szene gefragt ist. Zusätzlich zur praxisnahen Ausbildung besuchen die Geflüchteten einen Sprachkurs, um eine ganzheitliche Integration zu ermöglichen. Das Weiterbildungsprogramm, welches von der Agentur für Arbeit gefördert wird, bietet sowohl in Berlin als auch Düsseldorf Klassen an. Weitere Standorte werden noch in diesem Jahr folgen. "Wir sind davon überzeugt, dass DEVUGEES helfen kann, Flüchtlinge effektiver in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Denn wir halten Bildung für eine wichtige Starthilfe in jeder Lebenssituation, auch - oder gerade - in der eines Geflüchteten", so Bayer, der bereits mit 17 Jahren eine NGO für interkulturelles Lernen ins Leben rief.    

Deutschkurs in Sprechblasen
Die Organisation wolkenschlösser animiert junge Geflüchtete zum kreativen und spielerischen Umgang mit der deutschen Sprache. Sei es durch Comics, Gedichte, Märchen, Filme oder Sketchnotes. Das junge Team ist davon überzeugt, dass Geflüchtete durch das Erzählen ihrer eigenen Geschichten, die oftmals traumatischen Umstände der Flucht, spielerisch und altersgerecht verarbeiten können. Und das, ohne dabei eine ausdrückliche Konfrontation mit der Vergangenheit einzufordern. Darüber hinaus schafft der Umgang mit fiktionalen Werken einen einstiegsfreundlichen Zugang zur deutschen Sprache und Kultur - vor  allem im Gegensatz zur komplizierten Formularsprache, der oft jeder Bezug zum Alltag fehlt. Wolkenschlösser bietet Tutoring und Workshops an, die sich auf die kreative Verwendung von Sprache konzentrieren und greift auf einen Pool an Autoren, Übersetzern, Lektoren sowie anderen kreativ-schaffenden Menschen zurück, denen es am Herzen liegt, ihre Liebe zu Geschichten in jeglicher Form weiterzugeben.    

Kulturaustausch in der Küche
Was sich im Urlaub und auf Fernreisen am besten bewährt, funktioniert auch für Neuankömmlinge im eigenen Land: Nur wer sich unter Land und Leute mischt, fühlt sich schnell heimisch und lebt sich ein. Mit dieser Vision startete bundesweit das Projekt Über den Tellerrand. Die ursprüngliche Idee der Gründer war ein Kochbuch mit Rezepten von Flüchtlingen, in dem sie ihre Geschichten und ihre Lieblingsgerichte vorstellen. Das Buch mit dem Titel "Rezepte für ein besseres Wir" haben sie auf Startnext mit über 900 Unterstützern und knapp 40.000€ bereits erfolgreich finanziert. Inzwischen bringt das Berliner Sozialunternehmen Flüchtlinge aus aller Welt mit Einheimischen zusammen, um gemeinsam zu kochen. Mit ihrem Projekt "Kitchen on the Run" tourt das Team mit einem Küchencontainer durch Deutschland. Dabei kochen mehrmals wöchentlich Gruppen von rund 20 Geflüchteten und Beheimateten gemeinsam. Das Ziel ist, in Kleinstädten und Regionen, in denen Geflüchtete angekommen sind und bleiben, weitere Möglichkeiten zum gegenseitigen Kennenlernen und Kulturaustausch zu schaffen. Zusätzlich hat sich rundum die Organisation auch eine eigene Community gebildet, in der immer wieder Sprach-Tandems und andere kleine Events, wie gemeinsames Singen, veranstaltet werden.  

Soziales Engagement macht die Welt immer um ein kleines Stück besser. Innovative Ansätze verändern die Möglichkeiten der Hilfeleistung, machen diese flexibler und bieten jedem die Chance, sich im Alltag für Andere einzusetzen. Ob nun als Teilnehmer einer Kochgruppe oder sogar Gründer einer eigenen Initiative, jeder Beitrag ist willkommen und hilfreich. Denn sind erstmal die Grundbedürfnisse von Wohnraum und Lebensmitteln erfüllt, ist es im nächsten Schritt wichtig, dass der Kontakt mit Sprache und Kultur sowie Bildungsmöglichkeiten gefördert werden.

DCI Digital Career Institute GmbH

Das Digital Career Institute betreibt mit DEVUGEES (www.devugees.org) in Berlin ein Fort- und Weiterbildungsprogramm für Geflüchtete und bleibeberechtigte Asylbewerber, um diese bei der Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt zu unterstützen. In einer einjährigen Ausbildung nehmen sich Experten aus den Bereichen Web Development, Entrepreneurship und IT-Technik den häufig noch unerfahrenen Teilnehmern an und gehen so aktiv gegen den akuten Fachkräftemangel der Tech-Szene an. Zusätzlich zur praxisnahen Ausbildung besuchen die Geflüchteten einen Sprachkurs, um eine ganzheitliche Integration zu vereinfachen.

Gegründet wurde das Projekt 2016 von Stephan Bayer, CEO von sofatutor, und Steffen Zoller, Geschäftsführer bei kununu. Weitere Standorte werden noch dieses Jahr folgen. Ziel ist es das Programm bundesweit anzubieten, um so Geflüchtete und Startups in ganz Deutschland zusammenzubringen.

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