Eine Nachlese zur Auszeichnung des Flughafens Tempelhof als "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland"

(lifePR) ( Berlin, )
Am 1.6.11 luden die Bundesingenieurkammer und die Baukammer Berlin zur Auszeichnung des Flughafens Tempelhof als "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" ein und viele Interessierte kamen.

Seit langer Zeit wurde des Flughafens Tempelhof wieder einmal würdig gedacht und ein weiteres "Brot und Spiele"-Gerede vermieden.

Der Präsident beider Kammern, Dr. Jens Karstedt, erklärte in seiner Ansprache, dass "große Ingenieurbauwerke der Vergangenheit zu ehren heißt auch, den Blick nach vorne zu richten und den Beitrag der Ingenieure für Fortschritt und Zukunft zu würdigen."

Genannt seien hier vor allem die 40 m weit auskragende Stahlkonstruktion der Hangars, die bis heute gültigen Maßstäbe der kurzen Wege im Gebäude, die optimale Anbindung an die externen Verkehrsnetze und die jeweilige Trennung von In- und Auslandsflugverkehr sowie von An- und Abflügen.

Und wenn heute der Grundsatz "Form Follows Function" oft beschworen und genauso oft vermisst wird, so hätte der von uns zitierte Luftfahrtpionier Claude Dornier die Architektur und Ingenieur-Technik in Tempelhof wohl bestimmt ohne jede Einschränkung als schön bezeichnet.

Karstedt griff dann die aktuelle Diskussion auf und forderte ein würdiges Gedenken an die Alliierten in Tempelhof, ggf. durch die Ansiedlung des Alliierten-Museums, die Neugründung eines Luftfahrtmuseums sowie durch einen kompletten Verzicht auf die Bebauung des Geländes.

Schon am 13.10.2010 hatte der ehemalige Intendant des Deutschlandradios, Ernst Elitz, unter dem Titel "Flughafen Tempelhof: Weltgeschichte - auf Karaoke-Niveau" im Tagesspiegel bemerkt:

"In Berlin wird Weltgeschichte auf Bezirksamtsebene behandelt. Was die Stadtentwicklungspolitik des Senats für Tempelhof plant, hat für die Menschheit schon jenseits von Nauen keine Bedeutung mehr. Auffälligstes Merkmal dieser Planung ist der Verzicht auf jede Ambition jenseits des Gewöhnlichen. Berlin verabschiedet sich vom historischen Mythos und richtet sich im Alltäglichen ein. Hier heißt das Leitmotiv Freizeit - nicht Freiheit."

Es bleibt dabei: Ein Flughafen ist ein Flughafen, mit oder ohne Flugbetrieb. Das sollte man auch senatsseitig beherzigen und nicht weiter verdrängen.

Der Berliner Senat, dessen ehemaliger Finanzsenator Thilo Sarrazin in Tempelhof wenn überhaupt nur ein "Filetstück" erkennen wollte, "aus dem schon die Würmer herausgucken", wurde aktuell von der Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer vertreten, die die Gedenktafel enthüllte.

Deren Senatsverwaltung spricht gerne davon, dass es gilt, die "Monumentalität des Flughafengebäudes zu relativieren". Sie dagegen sprach nun erstaunlicherweise von der "Mutter aller Flughäfen" und von der sogenannten Öffnung des Geländes am 8.5.10. Ein Vorgang, der dem Flughafen Tegel noch bevorsteht und dessen ideologische Betitelung den intensiven Kontakt der Berliner zum Flughafen Tempelhof bis 2008 (Tage der offenen Tür, RedBull AirRace etc.) leugnet.

Unvermeidlich war wohl auch ein von der Berliner Morgenpost übernommenen Artikel der Presseagentur dapd vom gleichen Tage, der der Ehrung "ein Stück Verdrängungsarbeit" vorwarf, weil die Nazi- und Kriegszeit in Tempelhof nicht thematisiert worden sei, obwohl im Pressematerial der Kammern ausdrücklich auf diesen Punkt hingewiesen worden war.

Der Bauingenieur Thomas Blau weist übrigens in seinem Buch "Der Flughafen Tempelhof" darauf hin, dass sich die Pläne und Akten des Flughafens Tempelhof in einem sehr schlechten Zustand befinden und dem Verfall preisgegeben sind. Wird dieser Zustand bewusst hingenommen?

Thomas Blau: Der Flughafen Tempelhof. 2011.

Ob der neue Flughafen BBI jemals als "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" ausgezeichnet werden kann? Auf jeden Fall wird er sich in seiner Funktionalität an dem Flughafen Tempelhof messen lassen müssen.
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