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Pressemitteilung BoxID: 172862 (Creditreform Karlsruhe Bliss & Hagemann GmbH & Co. KG)
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Insolvenzen, Neugründungen und Löschungen, 1. Halbjahr 2010

Nachwehen der Wirtschaftskrise: Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt um sieben Prozent

(lifePR) (Neuss, ) Trotz der konjunkturellen Erholung legen die Insolvenzzahlen weiter zu. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres mussten 17.360 Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. Das sind 7,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (16.210). Nach eineinhalb Jahren Wirtschafts- und Finanzkrise zeigen sich immer mehr Firmen finanziell angeschlagen. Die Kapitalreserven der Unternehmen sind erschöpft, die Kreditvergabe erlahmte vielfach. So hat sich das Insolvenzgeschehen auf die kleinen Mittelständler verlagert.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen erhöhte sich im ersten Halbjahr 2010 um deutliche 13,3 Prozent auf 54.780 Fälle (Vorjahr: 48.350). Die Entwicklung in den ersten Monaten deutet bereits an, dass 2010 die Zahl der insolventen Privatpersonen wie im Vorjahr deutlich über der Marke von 100.000 liegen dürfte. Die "sonstigen" Insolvenzen (u. a. überschuldete Nachlässe, Insolvenzen von ehemals selbstständig Tätigen) nahmen im ersten Halbjahr um 2,9 Prozent auf 15.010 Fälle (Vorjahr: 14.580) zu. Damit befassten sich die Gerichte mit insgesamt 87.150 Insolvenzfällen (Vorjahr: 79.140).

Insolvenzgeschehen kleinteiliger - Insolvenzschäden rückläufig

Die insolventen Unternehmen verursachten im ersten Halbjahr einen volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von insgesamt 14,7 Milliarden Euro. Damit liegt das Schadensniveau 6,1 Milliarden Euro niedriger als im Vergleichszeitraum 2009 (20,8 Milliarden Euro). 10,2 Milliarden Euro der Schadenssumme entfallen auf private Gläubiger, die einen Großteil ihrer Forderungen voraussichtlich abschreiben müssen. Die öffentliche Hand muss für Schäden von schätzungsweise 4,5 Milliarden Euro aufkommen. Die entstandene mittlere Schadenssumme bei privaten Gläubigern je Unternehmensinsolvenz beträgt 588.000 Euro (Vorjahr: 882.000 Euro).

Durch die Insolvenz des Arbeitgebers sind die Arbeitsplätze von 155.000 Beschäftigten bedroht. Die Zahl der gefährdeten Jobs verringerte sich trotz des Anstiegs der Unternehmensinsolvenzen um 39 Prozent (Vorjahr: 254.000). Aufgrund der deutlich geringeren Zahl an Großinsolvenzen entfallen nach 66 Prozent im Vorjahr diesmal nur rund 45 Prozent der Arbeitsplatzverluste auf Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten.

Für die gestiegene Zahl an Unternehmensinsolvenzen sind die Zuwächse im "kleinen" Mittelstand verantwortlich. Große Firmenzusammenbrüche gab es im Gegensatz zu 2009 nur wenige. So erhöhte sich der Anteil der Kleinstbetriebe (bis 500.000 Euro Jahresumsatz) am deutschen Insolvenzgeschehen von 61,5 auf 63,7 Prozent. Mit 11.050 Insolvenzen in diesem Bereich wurde eine Zunahme um 10,9 Prozent registriert, während lediglich 130 insolvente Firmen gezählt wurden, die mehr als 25 Millionen Euro im Jahr umsetzten (minus 28,8 Prozent gegenüber 2009).

Leichter Rückgang im Verarbeitenden Gewerbe - deutlicher Zuwachs bei Dienstleistern

Die konjunkturelle Stabilisierung findet in der diesjährigen Insolvenzentwicklung erst teilweise ihren Niederschlag. So gibt es im Bausektor sowie im Verarbeitenden Gewerbe einen leichten Rückgang, während im Handel sowie im Dienstleistungssektor noch Zuwächse verzeichnet werden. Im Bereich des Verarbeitenden Gewerbes sank die Zahl der Konkurse nach einem kräftigen Anstieg im letzten Jahr um zwei Prozent auf 1.500 Fälle (Vorjahr: 1.530). Das Baugewerbe verzeichnet 2.560 Insolvenzen - ein Minus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (2.690 Fälle). Im Handel wurde dagegen ein Anstieg der Insolvenzzahl um 5,6 Prozent auf 3.740 Fälle registriert (Vorjahr: 3.540). Zweistellig fällt der Zuwachs bei den Dienstleistern aus: Nach 8.450 insolventen Dienstleistungsunternehmen im ersten Halbjahr 2009 sind diesmal 9.560 Betriebe betroffen (plus 13,1 Prozent).

In allen Unternehmensaltersklassen lässt sich ein Anstieg der Insolvenzzahlen feststellen. Mit lediglich 1,8 Prozent bzw. 3,8 Prozent fiel die Steigerungsrate bei jungen Unternehmen (bis zwei Jahre) bzw. bei etablierten Firmen (mehr als zehn Jahre) aber vergleichsweise gering aus. Zweistellige Zuwachsraten von 14,1 bzw. 14,7 Prozent verzeichnen dagegen die Altersgruppen sieben bis acht Jahre und fünf bis sechs Jahre.

200.000 neue Jobs durch wirtschaftsaktive Gründungen

In der ersten Hälfte des laufenden Jahres wurden deutschlandweit 87.600 wirtschaftsaktive Gründungen registriert. Dabei handelt es sich um Unternehmen, über die Kapitalgeber oder Lieferanten eine Creditreform Wirtschaftsauskunft eingeholt haben bzw. die neu ins Handelsregister eingetragen worden. Im Vergleich zum Vorjahr (89.400) entspricht dies einem leichten Rückgang um 2,0 Prozent. Den größten Anteil am Gründungsgeschehen besitzt der Dienstleistungssektor mit 58.000 neuen Unternehmen, gefolgt vom Handel mit 16.000 wirtschaftsaktiven Neueintragungen. Im Verarbeitenden Gewerbe wurden 7.100 Unternehmen gegründet, denen eine größere wirtschaftliche Bedeutung zukommt - im Bau waren es 6.500. Von den neu entstandenen Unternehmen sind 211.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden (Vorjahr: 221.600).

Insgesamt wurden 450.100 Anmeldungen im Gewerbe- und Handelsregister festgehalten. Das ist ein Plus von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (421.600). Die Zahl der Löschungen verringerte sich um 2,1 Prozent auf 353.300 (Vorjahr: 360.700).

Gründungsintensives Hamburg - gute Startbedingungen für Dienstleister

Die höchste Gründungsintensität weisen derzeit die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen auf. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres kamen auf 10.000 Bestandsunternehmen 524 (Hamburg), 452 (Berlin) bzw. 420 (Bremen) Neueintragungen ins Handelsregister. Über dem Bundesdurchschnitt von 296 liegen zudem die Länder Nordrhein-Westfalen (327), Schleswig-Holstein (327), Hessen (318) und Bayern (308). Die wenigsten Handelsregisterneugründungen pro 10.000 Unternehmen gab es in Thüringen (198), gefolgt von Rheinland-Pfalz (216).

Dienstleister fanden im ersten Halbjahr die besten Bedingungen für den Start in die Selbstständigkeit vor. Auf einer Bewertungsskala von 0 bis 10 werden die Gründungsbedingungen in den Wirtschaftszweigen unternehmensnahe und personenbezogene Dienstleistungen mit der Punktzahl 7,3 bzw. 7,1 bewertet. Positiv für Gründungen in diesen Wirtschaftszweigen sind die vergleichsweise freundliche Branchenkonjunktur und die niedrigen Eintrittshürden. Die Startbedingungen für Unternehmensgründungen im Großhandel werden mit 5,6 von 10 möglichen Punkten bewertet, im Einzelhandel sind es 3,8 und im Bausektor 3,2 Punkte. Am ungünstigsten für Startups ist das derzeitige Gründungsklima im Transport- und Logistikgewerbe (3,0 Punkte). Eine hohe Insolvenzgefahr und die tiefen Einschnitte der Rezession auf die Branchenkonjunktur belasten in diesem Wirtschaftszweig die Gründung eines Unternehmens.