Mittwoch, 20. September 2017


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Kasachstan: Bessere Wachstumsaussichten trotz anhaltender Schwierigkeiten

Credendo Länderblickpunkt

Wiesbaden, (lifePR) - .
- Starke Ölabhängigkeit setzt Kasachstan weiter unter Druck
- Durchsetzung strenger Strukturreformen dürfte Wachstum unterstützen

Die Wirtschaft Kasachstans wächst wieder – erstmals seit zwei Jahren. Denn nachdem das Land über 14 Jahre lang ein BIP-Wachstum von durchschnittlich über sieben Prozent verbuchen konnte, verschlechterte sich die Lage in den vergangenen zwei Jahren zusehends. 2016 notierte das BIP gar bei 1,1 Prozent. Grund für diese drastische Entwicklung war ein dreifacher Schock: Zum einen traf der Ölpreisverfall Kasachstan hart, da Öl die wichtigste Quelle von Leistungsbilanzeinahmen und Staatseinkünften darstellt. Zum anderen geriet der verbündete Nachbar Russland in eine Wirtschaftskrise, welche zugleich von einem Währungsverfall des Rubels begleitet wurde. Der dritte negative Faktor war der Konjunkturabschwung in China, der wichtigste Handelspartner Kasachstans. Infolge dieser Ereignisse brachen die Leistungsbilanzeinnahmen Kasachstans ein. Dies führte wiederum dazu, dass die Leistungsbilanz 2015 ein Defizit verzeichnete, welches sich 2016 sogar weiter vergrößerte. Um dem Schock entgegenzuwirken, verabschiedete die Regierung im Jahr 2014 das Konjunkturpaket „Nurly Zhol“, welches Infrastrukturengpässe beheben und Arbeitsplätze schaffen sollte. „Das Konjunkturpaket Nurly Zhol hat es jedoch nur kurzfristig geschafft, die externen negativen Einflüsse abzumildern“, so Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credendo. Nachdem das zuvor stillgelegte Ölfeld Kashagan aber wieder in Betrieb genommen wurde und die Ölförderung langsam zunimmt, ist in diesem Jahr ein BIP-Wachstum von 2,5 Prozent zu erwarten. „Der Haken daran: Zwar kurbelt der Anstieg der Ölproduktion das Wachstum an, letztendlich steigt dadurch aber auch der Druck auf Kasachstan, die Vereinbarungen von OPEC- sowie von Nicht-OPEC-Ländern hinsichtlich der Reduzierung der Fördermengen einzuhalten“, erläutert Witte.

Herausforderungen bleiben bestehen

Trotz des ansteigenden BIP-Wachstums sind die Gesamtaussichten für Kasachstan noch immer getrübt, da die kasachische Regierung mit vielen Herausforderungen konfrontiert wird. Hierzu zählt etwa der Bankensektor, welcher sich noch nicht vollständig von der Finanzkrise im Jahr 2008 erholen konnte, bevor er 2015 erneut schwer getroffen wurde. Die 2015 getroffene Entscheidung, die Währung freizugeben, reduzierte zwar den Druck auf die Währungsreserven, sorgte jedoch gemeinsam mit den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für einen Rückgang der Qualität von Vermögenswerten sowie zu einer Verschlechterung der Profitabilität und der Kreditbedingungen. Der Sektor wird seit langem von schlechten Kreditvergabepraktiken, intransparenten Besitzverhältnissen und der Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung überschattet. „Für Privathaushalte und Unternehmen bleiben die Schwierigkeiten des Bankensektors natürlich auch nicht folgenlos“, sagt Witte. „Darlehen sind schlicht und einfach aufgrund horrender Zinsen für viele Haushalte und Unternehmen nicht mehr erschwinglich. Dieser Faktor stellt eine Belastung für das systemische Geschäftsrisiko dar.“ Somit ist der schwache Banksektor nicht in der Lage, die Wirtschaft kurzfristig zu unterstützen und strapaziert gleichzeitig den kasachischen Haushalt. Die staatliche Unterstützung des Bankensektors dürfte in diesem Jahr sogar auf vier Prozent des BIPs anschwellen. Ein weiteres Problem ist, dass mit dem Anstieg der Auslandsverschuldung auch die Schuldendienstquote stark gewachsen ist und in den kommenden Jahren bei rund 30 Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen verbleiben dürfte. Somit ist das Finanzrisiko des Landes hoch. Darüber hinaus notierte die Bruttoauslandsverschuldung 2016 bei 300 Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen und 120 Prozent des BIPs. Allerdings wird 2017 mit einer verbesserten Leistungsbilanz gerechnet, was sich wiederum positiv auf die Bruttoauslandverschuldung auswirken könnte und diese in den kommenden Jahren schrittweise senken dürfte – wenn auch noch immer auf einem hohen Niveau. Auch die strikten Reformen des Landes könnten die Aussichten verbessern. „Kasachstan verfolgt weiterhin ehrgeizige Strukturreformen“, so Witte. „Deshalb erwarten wir, dass trotz der vielen Probleme, mit denen Kasachstans Wirtschaft zu kämpfen hat, die Wachstumsaussichten auch in den kommenden Jahren positiv bleiben.“

Credendo schätzt das kurzfristige politische Risiko für Kasachstan als eher mäßig ein (3 auf einer Skala von 1 bis 7). Das Geschäftsrisiko wird hingegen als hoch bewertet (C auf einer Skala von A bis C).

Credendo

Credendo ist auf dem gesamten europäischen Kontinent in allen Bereichen der Kreditversicherung tätig und bietet mit ihren Produkten weltweiten Versicherungsschutz: belgische Exportkreditagentur-Leistungen, Warenkreditversicherung zur Deckung von europäischen und außereuropäischen Risiken, Einzelrisiken, Excess of loss, Top up, Bürgschaften sowie Rückversicherung. Im Jahr 2016 versicherte Credendo Handelstransaktionen im Wert von 80 Milliarden Euro und fakturierte Prämien in Höhe von 370 Millionen Euro. Credendo ist die viertgrößte Kreditversicherungsgruppe in Europa.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage www.credendo.com

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