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Pressemitteilung BoxID: 679568 (Credendo)
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Elfenbeinküste: Erhebliche Fortschritte trotz bestehender Abwärtsrisiken

Credendo Länderblickpunkt | 27/10/2017

(lifePR) (Wiesbaden, )
BIP-Wachstum dürfte sich bei etwa sieben Prozent stabilisieren
Niedriger Kakaopreis schwächt Kernbranche des Landes


Die Elfenbeinküste hat sich beachtlich entwickelt: Nach einem fast zehn Jahre währenden Bürgerkrieg, der erst 2011 beendet wurde, ist das Land eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Subsahara-Afrika. Drei Jahre in Folge konnte die Elfenbeinküste ein BIP-Wachstum von neun Prozent vorweisen. Diese Quote dürfte sich zwar reduzieren, sich längerfristig jedoch bei circa sieben Prozent einpendeln. „Selbst wenn das BIP-Wachstum nachlässt und sich bei etwa sieben Prozent stabilisiert, liegt dieser Wert noch immer über dem Durchschnitt der Subsahara-Staaten“, so Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credendo. Das Wachstum beruht hauptsächlich auf zwei Faktoren: den Investitionen in die Infrastruktur, die Landwirtschaft und den Bergau, sowie der Erholung des Privatkonsums. Auch die Regierung stützt das Wachstum, indem sie im Rahmen des National Development Plan (NDP) zwischen 2016 und 2020 Investitionen in beträchtlicher Höhe tätigen wird. Der NDP wird hauptsächlich von privaten Investitionen dominiert und bis 2019 zusätzlich von einem laufenden Programm des Internationalen Währungsfonds (IWF) unterstützt. Generell ist die Investitionsquote seit 2012 stark gestiegen und dürfte sich bis 2018 auf bis zu 21,3 Prozent des BIP erhöhen. Die meisten Investitionen werden hierbei im Ausland finanziert, da die Sparquote langsamer angestiegen ist als die Investitionsquote. Insbesondere Direktinvestitionen konnten einen starken Zuwachs verbuchen. „Die politische Stabilisierung, die wachsende Mittelschicht sowie die Umsetzung von Reformen und die daraus resultierende Verbesserung des Geschäftsklimas stimmen die Investoren zuversichtlich“, sagt Witte. „Trotzdem muss das Land weitere Herausforderungen bewältigen, um Frieden und Wachstum weiterhin gewährleisten zu können.“

Hohe Abhängigkeit vom Weltkakaopreis

Eine dieser Herausforderungen stellt beispielsweise der langwierige Versöhnungsprozess nach dem Krieg dar. Insbesondere die Wiedereingliederung der Rebellen in die ivorische Armee gestaltet sich schwierig. Selbst die international geförderte Sicherheitsreform (SSR) zum Wiederaufbau der nationalen Armee und zur Zusammenführung von Regierungsanhängern und Rebellen konnte diesen Prozess nicht voranbringen. Erst Anfang dieses Jahres kam es zu Meutereien unter den Soldaten, da diese schlechten Bedingungen ausgesetzt sind und sich noch immer unterschiedlichen Lagern zugehörig fühlen. Erst nachdem die Regierung der Zahlung ausstehender Prämien zugestimmt hatte, konnten die Unruhen beendet werden. Zudem sind nach wie vor informelle Netzwerke aus Bürgerkriegszeiten in den inneren Machtzirkeln der Politik intakt. „Die Tatsache, dass noch immer Seilschaften bestehen, könnte im Hinblick auf die Wahlen im Jahr 2020 erneute Unruhen hervorrufen“, sagt Witte. Des Weiteren wächst auch die soziale Unzufriedenheit im Land. Grund hierfür ist die hohe Armutsquote, die bei 46,3 Prozent liegt und in den vergangenen Jahren nur minimal gesunken ist. „Von den politischen Fortschritten konnte nicht die gesamte ivorische Bevölkerung profitieren“, so Witte. „Um eine langfristige gesellschaftliche Stabilität zu erreichen, muss die Regierung ein integratives Wachstum schaffen.“ Ein weiteres Risiko ist die starke Abhängigkeit der ivorischen Wirtschaft vom Kakao. Da die Elfenbeinküste der weltgrößte Exporteur für Kakao ist und rund 44,5 Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen mit Kakaobohnen und -produkten erwirtschaftet, hinterließ das weltweite Überangebot von Kakao spürbare Folgen: In der Erntesaison 2016/17 sanken die Kakaopreise. Das beeinflusste die Steuer- und Exporteinnahmen des Landes negativ. Zusätzlich lässt der Rückgang beim Kakaopreis auch die Erlöse in der Landwirtschaft sinken, was wiederum dazu führt, dass die vom Kakao abhängige Bevölkerung, die ungefähr ein Drittel ausmacht, ihren persönlichen Konsum einschränken muss. „Normalerweise ist die Preisentwicklung des Kakaos von der Witterung abhängig. Da der Weltmarkt aber derzeit übersättigt ist, ist es unwahrscheinlich, dass der Kakaopreis sich mittelfristig erholen kann“, prognostiziert Witte. „Für die Elfenbeinküste könnte diese Entwicklung eine anhaltende Herausforderung darstellen.“

Credendo schätzt das kurzfristige politische Risiko für die Elfenbeinküste als relativ hoch ein (4 auf einer Skala von 1 bis 7). Das Geschäftsrisiko wird als sehr hoch bewertet (C auf einer Skala von A bis C).