71. Jahrestagung der DGHM vom 25. bis 27. Februar 2019 in Göttingen

Infektionsprävention und innovative Diagnostik - gemeinsame Strategien gegen multiresistente Erreger

(lifePR) ( Göttingen, )
Angesichts des weiterhin stetigen Anstiegs von multiresistenten Erregern – Bakterien, die gegenüber den meisten zur Behandlung eingesetzten Antibiotika unempfindlich sind – definiert die Weltgesundheitsorganisation WHO die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen bei ansteckenden Krankheiten als eine der größten Gesundheitsbedrohungen. Der neue WHO-Fünfjahresplan kritisiert einmal mehr, dass sowohl in der Medizin als auch in der Tierproduktion Antibiotika häufiger als notwendig eingesetzt werden. Multiresistente gramnegative Erreger (MRGN) treten oft da auf, wo viele Antibiotika verwendet werden. In Krankenhäusern sind sie ein zunehmendes Problem. Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr und die Behandlung kann problematisch werden, wenn Antibiotika nicht mehr wirken. 
Neue Ansätze zur Infektionskontrolle und Strategien gegen Antibiotikaresistenzen werden bei der 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) e. V. vom 25. bis 27. Februar 2019 in Göttingen vorgestellt. „Das Thema Hygiene und Infektionsprävention wird beim Kongress der DGHM von vielen Seiten aus beleuchtet – sowohl durch international renommierte Sprecher als auch durch junge Nachwuchswissenschaftler“, betont Prof. Dr. Simone Scheithauer, Institut für Krankenhaushygiene und Infektiologie, die diesjährige  Kongresspräsidentin gemeinsam mit Prof. Dr. Uwe Groß, Institut für Medizinische Mikrobiologie, beide Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Georg-August-Universität Göttingen. 
 „Aktuelle Landmark Studien, die bei der Tagung diskutiert werden, sind die Modellierung von Erkrankungs- und Todesfällen durch multiresistente Erreger (MRE) durch das ECDC  – das European Centre for Disease Control –, nach welchen sich jährlich in Europa 670 000 Menschen im ambulanten oder stationären Kontext infizieren, 33 000 davon versterben“, so Simone Scheitauer. Nach dem aktuellen Bericht der ECDC sind zunehmend mehr Menschen durch multiresistente Erreger bedroht, europaweit gibt es immer mehr Todesfälle. Schon jetzt sterben genauso viele Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen wie an Influenza, Tuberkulose und HIV/Aids zusammen, wie die Auswertung von Daten aus 30 Ländern, auf acht Bakterienarten konzentriert, zeigt. Unter den „Top Ten“ liegt Deutschland mit 5.543 Todesfällen bei 124.806 Infizierten hinter Italien (10.763 Todesfälle und 201.584 Infizierte) und Frankreich (5.543 Todesfälle und 124.806 Infizierte). Der aktuelle Bericht geht davon aus, dass mehr als die Hälfte der Fälle vermeidbar sei – vorausgesetzt, die Maßnahmen eines rationalen Einsatzes von Antibiotika würden durchgesetzt. „Solche Infektionen müssen reduziert werden“, betont Simone Scheitauer. „Einer aktuellen Metaanalyse zur Folge liegt das Reduktionspotential bei Ausschöpfung aller bekannten Maßnahmen zwischen 35 und 55%.“
Im Kampf gegen Infektionserreger steht die Krankenhaushygiene vor einer großen Herausforderung. Als Sprecher der Fachgruppe Antibiotikaresistenz und Infektionsprävention legt Simone Scheithauer einen wichtigen Fokus des Kongresses auf neue Erkenntnisse zu multiresistenten Erregern in der Humanmedizin, aber auch in der Nutztierhaltung und der Umwelt mit dem Ziel, die aktuellen Forschungsergebnisse in die Praxis zu bringen und den direkten Bezug für die Patientenbehandlung herzustellen. Mit den hochaktuellen, klinisch relevanten Themen nimmt die DGHM-Jahrestagung die Herausforderung „From Bench to Bedside and Back“ an.  
Gemeinsam werden Strategien gegen multiresistente Erreger in der Infektionsprävention und innovativen Diagnostik entwickelt. „In Zeiten zunehmender Resistenzentwicklungen kommt der Prävention eine noch größere Rolle zu“, betont Uwe Groß. Angesichts der dramatischen Entwicklung antimikrobieller Resistenzen liege die Lösung für eine Umkehr des derzeitigen Trends nicht in der Entwicklung neuer Antibiotika und neuer Wirkstoffe, sondern in einem Umdenken beim Umgang mit bestehenden Antibiotika und der Einsicht in notwendige krankenhaushygienische Maßnahmen.  Eine klare Indikationsstellung für jede Antibiotikatherapie sollte ihren überflüssigen Einsatz verhindern. 
Für den Medizinischen Mikrobiologen stellt die Diagnostik eine der Hauptaufgabengebiete dar: „Um Infektionsketten zu durchbrechen, ist eine zeitnahe und adäquate Diagnostik zwingender denn je.“ Groß weist auf den analog zum Antibiotic Stewardship weiterentwickelten Themenkomplex Diagnostic Stewardship hin. International und europaweit gehe es um das schnelle und gleichzeitige Erkennen pathogener Erreger und ihrer Resistenzen, um Antibiotika nach klarer Indikationsstellung einzusetzen und adäquat und zeitnah krankenhaushygienische Strategien durchzuführen, um die Übertragung multiresistenter Erreger zu vermeiden. Eine wichtige Rolle spielten Metagenom- und Ganzgenom-Ansätze. Nachdem die Diagnostik bereits vor einigen Jahren durch den revolutionären Einsatz der Massenspektrometrie um einen ganzen Tag gekürzt werden konnte, sei die neue Ganzgenombestimmung  ein zukünftiges schnelles Diagnostikverfahren als Routineeinsatz: Next Generation Sequencing (NGS)  und Whole Genome Sequencing (WGS).
Drei Tage lang diskutieren führende nationale und internationale Wissenschaftler und Ärzte ihre aktuellen Forschungen und Erkenntnisse beim DGHM-Kongress in Göttingen, dem deutschlandweit größten Fachkongress im Bereich der Mikrobiologie, Hygiene und Infektionskrankheiten.  Das komplette Kongressprogramm sowie alle Informationen gibt es unter www.dghm-kongress.de. Pressevertreter sind herzlich zur Tagung im Zentralen Hörsaalgebäude der Georg-August-Universität Göttingen eingeladen. Gerne vermitteln wir Experten als Gesprächspartner für Interviews! Akkreditierungen sind über die Tagungshomepage oder direkt über den Pressekontakt möglich.
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