Schwere Schocks für Schwellenländer

Kreditversicherer Coface: Emerging Markets von Corona stärker betroffen als Industrienationen

(lifePR) ( Mainz, )
Während sich die Blicke bisher vor allem auf China, Europa und die USA richteten, dürften die Folgen der COVID-19-Pandemie für die Schwellenländer noch gravierender sein. Das erwartet der Kreditversicherer Coface, der in einem neuen „Focus“ die wirtschaftlichen Risiken für die Entwicklung der Schwellenländer analysiert. Dabei rücken die Staatsschulden wieder in den Blickpunkt.

„Auch wenn die Anfälligkeit von vielen Faktoren abhängt, sind die aktuellen öffentlichen Finanzen eine Schlüsselfrage“, sagt Coface-Chefvolkswirt Julien Marcilly. Denn davon hänge die Fähigkeit der Länder ab, auf die zahlreichen wirtschaftlichen Folgen der Krise zu reagieren. „Allerdings war die Staatsverschuldung vieler Schwellenländer bereits 2019auf einem Allzeithoch.“

Kapitalabflüsse und erhöhtes Staatsrisiko

Kapitalabflüsse in einem noch nie dagewesenen Ausmaß belegen die zunehmende Unsicherheit in den Schwellenländern. Im März überstiegen die Verkäufe ausländischer Investoren von Anleihen und Aktien aus 24 Schwellenländern 80 Milliarden US-Dollar. Das ist eine Vervierfachung gegenüber dem letzten Quartal 2008, als die damalige Finanzkrise losbrach. Während des ersten Quartals dieses Jahres werteten die Währungen auch von Ländern mit starken Fundamentaldaten ab. Generell waren die Währungen von Schwellenländern mit offenen Finanzmärkten am heftigsten betroffen. „Die stärksten Abwertungen gegenüber dem US-Dollar verzeichneten in diesem Zeitraum Brasilien, Südafrika, Russland und Mexiko mit jeweils mehr als 25 Prozent, gefolgt von Kolumbien und Indonesien“, erklärt Julien Marcilly.

In der ersten Aprilhälfte floss zwar weniger Kapital ab. Vermehrt Anleihen in Landeswährung schützten die Emittenten zwar vor dem Wechselkursrisiko, bewirkten aber einen zusätzlichen Zinsanstieg. Viele kleinere Schwellen- oder Entwicklungsländer waren nicht in der Lage, in der Landeswährung zu emittieren. „Sie haben in den letzten Jahren die reichlich vorhandene globale Liquidität genutzt, um Anleihen in Fremdwährung herauszulegen. Heute werden diese Verpflichtungen jedoch durch steigende Staatszinsen, die in Ecuador, Angola und Sri Lanka besonders hoch sind, belastet“, sagte der Coface-Economist.

Drei zusätzliche Schocks: Lockdown, Ölpreis, Tourismus

Neben dem Risiko für die öffentlichen Finanzen und die Währung berücksichtigt Coface bei der Bewertung des Länderrisikos auch, inwieweit die Schwellenländer von anderen mit Covid-19 verbundenen Risiken betroffen sind. Dazu zählt der Anstieg der Verschuldung, der sich aus dem Rückgang der Einnahmen ergibt. Hinzu kommt der Anstieg der Ausgaben im Gesundheitswesen und zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerung. Mitte April 2020 befanden sich 87 Länder in dieser Situation.

Von Tourismuseinnahmen abhängige Länder sind von Reisebeschränkungen betroffen. In 45 Ländern, darunter Marokko, Tunesien, Mexiko, Mexiko, Thailand, die Philippinen, Kroatien und Kambodscha, macht der Tourismussektor mindestens 15 Prozent des BIP aus. Auch Schwellenländer, die von den Einnahmen aus dem Export nichtlandwirtschaftlicher Rohstoffe abhängig sind, sind betroffen. Trotz einer von Coface erwarteten Erholung der Preise in der zweiten Jahreshälfte dürften die wichtigsten Exportländer ihre Haushalts- und Leistungsbilanz nicht ausgleichen können. „Die rohstoffexportierenden Länder sind diejenigen, deren Haushaltssaldo sich in diesem Jahr voraussichtlich am stärksten verschlechtern wird“, erwartet Julien Marcilly.

Heute sind neun Länder von gleich drei dieser vier großen Risiken betroffen: Südafrika, Algerien, Angola, Ecuador, Libanon, Mauretanien, Oman, Tunesien und Venezuela. 31 Länder haben mit zwei und 71 Länder mit einem dieser Problemfelder zu tun. „Die von den internationalen Organisationen, insbesondere dem IWF, geplante zusätzliche Finanzierung und die von den Gläubigerländern angekündigten Schuldenberichtigungen werden vielen Ländern mit niedrigem Einkommen helfen, den großen Schwellenländern aber wahrscheinlich wenig“, sagt der Coface-Chefvolkswirt.

Mehr im Coface-Focus: www.coface.de
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