Beschäftigungsanstieg: Mehr Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind in Sachsen beschäftigt

(lifePR) ( Nürnberg, )
Der sächsische Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv. Die Beschäftigung steigt und deshalb sind immer weniger Menschen arbeitslos gemeldet. Davon profitieren auch Menschen mit Handicap. Das belegen die Zahlen aus der heute aktualisierten Beschäftigungsstatistik für schwerbehinderte Menschen. Das Ergebnis: In Sachsen waren im Jahr 2017 insgesamt 44.239 schwerbehinderte und gleichgestellte Frauen und Männer, in Betrieben mit zwanzig und mehr Arbeitsplätzen, sozialversicherungspflichtig beschäftigt - 1.781 mehr als im Jahr 2016. Die Beschäftigungsquote der schwerbehinderten Menschen lag im Jahr 2017 weiter bei 4,1 Prozent.   „Es gibt in Sachsen viele Unternehmer die als Vorbild vorangehen, indem sie Frauen und Männer mit gesundheitlichen Einschränkungen beschäftigen. Diesen Unternehmern gilt mein ausdrücklicher Dank. Sie sind der Beweis dafür, dass Inklusion gelingt, wenn man nur will. Deshalb schaffen jedes Jahr mehr als 3.500 schwerbehinderte Arbeitslose den Absprung aus der Arbeitslosigkeit in eine neue Beschäftigung. Dennoch sehe ich mit dem Blick auf die Beschäftigungsquote noch Luft nach oben. Es gibt noch einige Betriebe, die sich die Chancen, die mit der Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen verbunden sind, entgehen lassen. Denn schwerbehinderte Arbeitsuchende sind überdurchschnittlich gut qualifiziert und können mit geeigneten Arbeitshilfen, die Arbeitsagenturen und Integrationsämter finanzieren, einhundert Prozent Leistung erbringen. Deshalb ist es wichtig, dass sich auch diese Unternehmer den Menschen mit Handicap gegenüber öffnen und selbst zum Chancengeber werden“, appelliert Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA).   Die heute veröffentlichte Jahresstatistik zur Beschäftigungssituation Schwerbehinderter Menschen zeigt zwei verschiedene Bilder:  


Fast 1.800 mehr Menschen mit Handicap arbeiten in Sachsen


Die Beschäftigungssituation betrachtet nach dem tatsächlichen Arbeitsort zeigt einen sehr positiven Verlauf. So waren in Sachsen im Jahr 2017 insgesamt 44.239 schwerbehinderte und gleichgestellte Frauen und Männer, in Betrieben mit zwanzig und mehr Arbeitsplätzen, beschäftigt. Das waren insgesamt 1.781 zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse (plus 4,2 Prozent), die innerhalb eines Jahres durch sächsische Unternehmer bereitgestellt wurden.  


Die Beschäftigungsquote (bezogen auf den Hauptsitz des Unternehmens) liegt weiter bei 4,1 Prozent


Betriebe mit zwanzig und mehr Beschäftigten sind verpflichtet, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung bereitzustellen – und zwar in Höhe von mindestens fünf Prozent aller Arbeitsplätze (Soll-Quote). Aktuell erfüllen in Sachsen nicht alle Betriebe diese Pflicht. Stattdessen zahlen viele eine Ausgleichsabgabe, die monatlich bis zu 320 Euro betragen kann.  

Im Jahr 2017 gab es insgesamt 8.505 Betriebe die ihren Hauptsitz in Sachsen hatten und die Beschäftigungspflicht erfüllen mussten. In diesen Betrieben gab es 925.630 Arbeitsplätze, die für die Berechnung der Beschäftigungspflicht zugrunde gelegt wurden. Fünf Prozent dieser Arbeitsplätze hätten mit Schwerbehinderten oder ihnen gleichgestellten Menschen besetzt werden müssen. Berücksichtigt man jeden einzelnen Betrieb, so müssten 43.840 Pflichtarbeitsplätzen besetzt werden. Tatsächlich waren lediglich 37.912 Arbeitsplätze besetzt. Damit lag die Beschäftigungsquote von schwerbehinderten Menschen in Sachsen bei 4,1 Prozent, auf demselben Niveau wie in den Vorjahren. Bundesweit lag diese Beschäftigungsquote bei 4,6 Prozent.  

Von den 8.505 Betrieben beschäftigen die meisten schwerbehinderte Menschen (6.360), jedoch erfüllen insgesamt nur 3.242 die Beschäftigungspflicht. Die übrigen 5.263 zahlen eine monatlich gestaffelte Ausgleichsabgabe oder beauftragen Behindertenwerkstätten, statt Schwerbehinderte oder ihnen gleichgestellte Menschen im eigenen Unternehmen zu beschäftigen.  

„Vorurteile gegenüber Menschen mit einem Handicap können wir uns mit dem Blick auf die hohen Fachkräftebedarfe nicht mehr leisten und sind häufig falsch. Es darf nicht darum gehen, wer alles kann, sondern wer worin besonders gut ist! Letztendlich ist die Leistungsfähigkeit entscheidend, nicht eine vorhandene Behinderung. Deshalb gehen bei der Personalauswahl schon heute viele Unternehmen stärkenorientiert vor. Das ist mit dem Blick auf die hohen Fachkräftebedarfe der erfolgversprechende Ansatz“, sagte Hansen weiter.  

Denn Menschen mit Behinderungen sind meist gut ausgebildete Fachkräfte und in vielen Bereichen der Wirtschaft einsetzbar. So haben von den im März 2019 insgesamt 7.948 arbeitslosen Schwerbehinderten 75 Prozent einen Berufsabschluss oder eine akademische Ausbildung. Damit waren Menschen mit Handicap besser qualifiziert als der Durchschnitt aller Arbeitslosen. Von allen im März 123.531 arbeitslos gemeldeten Frauen und Männern haben 67 Prozent eine Berufsausbildung oder einen akademischen Abschluss.  

Damit noch mehr Menschen den inklusiven Gedanken leben, wurde am 9. April 2019 der Startschuss für die gemeinsame Initiative „Einstellung zählt - Arbeitgeber gewinnen“ gegeben. Diese Initiative soll Arbeitgeber aus sechs verschiedenen Regionen Deutschlands – darunter Mittelsachsen - für die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen sensibilisieren. Dazu werden an den sechs Pilotstandorten über 40.000 Arbeitgeber gezielt angesprochen, beraten und unterstützt. Ziel ist es, diese Unternehmen zu überzeugen schwerbehinderte Menschen auszubilden oder zu beschäftigen.  

Die Arbeitsagenturen und Jobcenter unterstützen die Einstellung von Schwerbehinderten finanziell. Betriebe, die Menschen mit Handicap einstellen, können zusätzliche finanzielle Unterstützung erhalten. Damit sollen Defizite und eine erhöhte Einarbeitung ausgeglichen werden. So können beispielsweise Lohnzuschüsse für mehrere Jahre oder Einstellungspauschalen gezahlt werden. Zusätzlich unterstützen die technischen Berater der Arbeitsagenturen bei der Planung, Beschaffung und Finanzierung von Arbeitshilfen im Betrieb, damit Schwerbehinderte ihre Leistungen ohne Einschränkungen erbringen können.

Hintergrundinformationen:  


Bei Nichterfüllung der Beschäftigungspflicht droht Ausgleichsabgabe


Arbeitgeber, die ihrer Beschäftigungspflicht nicht nachkommen, müssen eine Ausgleichsabgabe zahlen. Die Höhe dieser Abgabe ist abhängig von der Beschäftigungsquote (Ist-Quote) und von der Arbeitsplatzzahl. Sie liegt für jeden nicht besetzten Pflichtarbeitsplatz zwischen 125 und 320 Euro im Monat. Weitere Infos: http://www.ksv-sachsen.de/ausgleichsabgabe  


Nur in vier Bundesländern wird Beschäftigungspflicht erfüllt


Im Ländervergleich erfüllen nur die Arbeitgeber mit Hauptsitz in Berlin (5,3 Prozent), Hessen (5,1 Prozent), Nordrhein-Westfalen (5,2 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (5,2 Prozent) die Beschäftigungspflicht. Hingegen liegt die Beschäftigungsquote in Sachsen-Anhalt (3,4 Prozent), Rheinland-Pfalz (4,1 Prozent) und in Sachsen (4,1 Prozent) auf geringstem Niveau.   Zu beachten ist hierbei, dass die regionale Zuordnung statistisch nach dem Hauptsitz des Betriebes erfolgt, also die Beschäftigten eines bundesweit tätigen Unternehmens, dem Bundesland zugewiesen sind, in dem sich dessen Hauptsitz befindet.  


Schwerbehinderte können in nahezu allen Branchen arbeiten


Schwerbehinderte Arbeitslose suchen häufig nach Tätigkeiten im Objektschutz (z.B. Pförtner), in Büro- oder Sekretariatsberufen, in der Gebäudetechnik (z. B. Hausmeistertätigkeiten), als Fahrzeugführer im Straßenverkehr oder auch im Verkauf. Aber auch in Sozialarbeits- und Heilerziehungsberufen, in der Haus- und Familienpflege oder in der Hotellerie suchen Schwerbehinderte häufig eine neue Beschäftigung. Vergangenes Jahr haben die meisten arbeitslosen Schwerbehinderten eine neue Beschäftigung in den Bereichen Zeitarbeit, Handel, wirtschaftliche Dienstleistungen, Verarbeitendes Gewerbe, Pflege und Soziales, im Logistikbereich oder auch im öffentlichen Dienst aufgenommen.  

Statistiken: Analyse des Statistischen Landesamtes – Schwerbehinderte Menschen: https://www.statistik.sachsen.de/download/100_Berichte-K/K_III_1_2j17_SN.pdf
Statistiken: https://statistik.arbeitsagentur.de/nn_31958/SiteGlobals/Forms/Rubrikensuche/Rubrikensuche_Form.html?view=processForm&resourceId=210368&input_=&pageLocale=de&topicId=17388&year_month=201712&year_month.GROUP=1&search=Suchen
Ratgeber für Arbeitgeber: https://www.baintranet.de/013/006/Documents/Flyer-Schwerbehinderte-Menschen-AG.PDF

Sechs Thesen zu schwerbehinderten Menschen:  

Schwerbehinderte Menschen sind leistungsfähige Fachkräfte!

Menschen mit Behinderungen sind gut ausgebildete Fachkräfte und in vielen Bereichen der Wirtschaft einsetzbar. Drei Viertel der arbeitslosen Schwerbehinderten haben einen Berufsabschluss oder eine akademische Ausbildung. Damit sind sie besser qualifiziert als der Durchschnitt aller Arbeitslosen.  

Schwerbehinderte Menschen leisten genauso gute Arbeit wie Kollegen ohne Handicap!

Oft sieht man den Menschen mit Handicap ihre Behinderungen nicht an. Zum Beispiel ein an Diabetes leidender Verkäufer oder eine Ingenieurin nach überstandener Krebserkrankung. Auch ein blinder EDV-Fachmann, ein gehörloser Zeichner oder eine Bürokraft im Rollstuhl leisten mit ihren spezifischen Hilfsmitteln vollwertige Arbeit.  

Schwerbehinderte sind nicht häufiger krank als gesunde Kollegen!

Nach Einschätzung von Krankenkassen sind über die Hälfte aller Krankheitsfälle auf Krankheiten zurückzuführen, die mit der Behinderung an sich gar nichts zu tun haben. Vielmals sind Menschen mit Behinderungen stark engagiert  und motiviert.  

Schwerbehinderte Menschen sind nicht unkündbar!

Während der ersten sechs Monate des Arbeitsverhältnisses gilt kein besonderer Kündigungsschutz. In dieser „Probe“-Zeit kann das Arbeitsverhältnis beendet werden, wie jedes andere auch. Ab diesen Zeitpunkt benötigt man für eine Kündigung die Zustimmung des Integrationsamtes.  

Schwerbehinderte Menschen verursachen kaum zusätzliche Kosten!

Betriebe werden finanziell unterstützt, wenn sie schwerbehinderte Menschen einstellen. Dazu gehören Eingliederungszuschüsse der BA, Beschäftigungsprämien, Zuschüsse für technische Arbeitshilfen und die Finanzierung der behinderungsbedingten Ausstattung von Arbeitsplätzen. Außerdem kann sich das Integrationsamt an den Investitionskosten für die Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen mit bis zu 25.000 Euro beteiligen. Zusätzlich sparen Betriebe die Zahlung der monatlichen Ausgleichsabgabe, die bis zu 320 Euro pro unbesetzten Pflichtarbeitsplatz betragen kann.  

Schwerbehinderte Menschen sind für jedes Unternehmen ein Imagegewinn!

Durch die Beschäftigung von Menschen mit Handicap beweist man Kunden, Geschäftspartnern, Mitarbeitern und der im besten Fall der breiten Öffentlichkeit, dass  sich der Betrieb der gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst ist und sozial handelt.    

Fördermöglichkeiten zur Unterstützung:  


Arbeitsagenturen und Jobcenter unterstützen die Einstellung von Schwerbehinderten finanziell


Technische Berater

Mitarbeiter aus den Agenturen für Arbeit sind Spezialisten in der Einrichtung von geeigneten Arbeitsplätzen für Menschen mit Handicap. Diese Technischen Berater klären gemeinsam mit Arbeitgebern vor Ort, unter welchen Bedingungen die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung möglich ist. Zudem leisten sie Unterstützung bei der Beantragung von Zuschüssen für die richtige Arbeitsplatzgestaltung.  

Berater für Rehabilitanden und Schwerbehinderte

Damit Menschen mit Behinderung bestmöglich unterstützt werden, kümmern sich in allen Agenturen für Arbeit speziell qualifizierte Berater um sie. Ziel ist, Erwachsene und auch Jugendliche individuell und umfassend über die Möglichkeiten der Arbeits- und Ausbildungsaufnahme zu beraten und mit ihnen gemeinsam die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen. Dazu können zusätzlich auch der Ärztliche Dienst, der Berufspsychologische Service oder der Technische Beratungsdienst hinzugezogen werden.  

Eingliederungszuschuss:

Für bis zu zwei Jahre kann ein Betrieb bis zu 70 Prozent des Arbeitsentgeltes bezuschusst bekommen. Zusätzlich wird eine Pauschale für die Sozialversicherung gewährt. Für besonders betroffene schwerbehinderte Menschen kann die Förderung sogar bis 60 Monate erfolgen, bei über 55- Jährigen bis zu 96 Monate.  

Probebeschäftigung:

Arbeitgebern können die Kosten für die befristete Probebeschäftigung behinderter, schwerbehinderter und ihnen gleichgestellten Menschen bis zu einer Dauer von drei Monaten erstattet werden. Wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass dadurch die Möglichkeit einer Teilhabe am Arbeitsleben verbessert wird oder eine vollständige und dauerhafte Teilhabe zu erreichen ist.  

Arbeitsmarktprogramm  „Wir machen das! – Menschen mit Behinderungen in Ausbildung und Beschäftigung“:

Gefördert werden Arbeitgeber, die schwerbehinderte oder diesen gleichgestellte arbeitslose Menschen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung einstellen (Arbeit oder duale Ausbildung). Die Anträge müssen vom Betrieb bei der Agentur für Arbeit vor Abschluss des Ausbildungs- oder Arbeitsvertrages gestellt werden. Insgesamt kann die gestaffelte Förderung bis zu 5.000 Euro betragen.
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