Freitag, 24. November 2017


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Bodensee-Stiftung hält Windpark Chroobach für möglich

Naturschutz und Landschaftsbild grenzüberschreitend besser berücksichtigen / Energiewende in der Bodenseeregion und Europa geht nur gemeinsam

Radolfzell, (lifePR) - In einer Stellungnahme zum kantonalen Schaffhauser Richtplan, Kapitel Windenergie, legt die Bodensee-Stiftung Wert auf die Einhaltung hoher Standards beim Natur- und Artenschutz. Die Bodenseeregion muss einen Beitrag zur Energiewende leisten und gleichzeitig der überragenden Bedeutung des Bodensees als Brut, Rast- und Zugvogelgebiet Rechnung tragen. Die Weltklimakonferenz in Bonn in dieser Woche zeigt drastisch, dass die bisherige Ausbaugeschwindigkeit bei Erneuerbaren Energien in der Schweiz und Deutschland bei weitem nicht ausreichend ist. Wichtig erscheint der Bodensee-Stiftung deshalb auch die enge Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg. Angesichts von fast 100.000 Menschen in Deutschland und in der Schweiz, die den Windpark aus ihrem Wohnumfeld sehen können, ist die Sichtbarkeit der Windenergieanlagen in der Landschaft und damit der Schutz des Landschaftsbildes ein besonders schwerwiegender Belang, der bislang nicht ausreichend gewürdigt wird. Das spielt auch für den Tourismus am Bodensee eine wichtige Rolle.

Beim Natur- und Artenschutz sind insbesondere die weitreichenden Untersuchungen der Vogelwarte Sempach zum Zugvogelschutz angemessen zu berücksichtigen. Vom Land Baden-Württemberg wünscht sich die Bodensee-Stiftung endlich vergleichbare Untersuchungen zum Zugvogelschutz. Die Berücksichtigung von vier möglichen Windenergie-Standorten, in unmittelbarer bzw. enger räumlicher Nähe zum Bodensee auf der Höri und am Randen, hält die Bodensee-Stiftung nicht für angemessen. Insofern begrüßt die Stiftung den Wegfall des ökologisch besonders wertvollen Standortes Wolkenstein. Auch am Randen in der Schweiz kann man sich seitens der Bodensee-Stiftung am Ende des Prozesses nur einen der zwei geplanten Windparks vorstellen. Dort sind die bestehenden Schutzgebiete zu bedenken. Dabei soll auch der bereits existierende Windpark Verenafohren in Deutschland, direkt an der Schweizer Grenze berücksichtigt werden. Diesen Windpark mit drei Anlagen im Tengener Ortsteil Wiechs hält die Bodensee-Stiftung in der Abwägung von Naturschutz und Klimaschutz für positiv.

Grundsätzlich begrüßt die Bodensee-Stiftung die Ausweisung einer Vorrangfläche für einen Windpark am Chroobach. Aufgrund der Informationen, die man bislang von den Schweizer Partnerorganisationen bekommen hat, gibt es keine Fakten, die für eine generelle Ablehnung des Standortes sprechen. Die Bodensee-Stiftung fordert dennoch eine genauere Untersuchung von Fledermäusen, windkraftsensiblen Vogelarten und Vogelzug.

Für die Zukunft wünscht sich die Bodensee-Stiftung, direkt an den Planungen beteiligt zu werden, um die Interessen der Umwelt-und Naturschutzverbände aus der gesamten Region wirksamer als bisher vertreten zu können. Im weiteren Verfahren sind Themen zu prüfen, wie die genaue Zahl der Windenergieanlagen und Auswahl der genauen Anlagenstandorte auf dem Chroobach. Das gilt auch für die umweltrechtlichen Themen wie Schall und Schatten, die dann nicht nur auf dem Papier, sondern genauer unter die Lupe genommen werden müssen. Insbesondere auch, um dem Protest der örtlichen Windkraftgegner mit klaren Fakten begegnen zu können.

Windparks sind aus Sicht der Bodensee-Stiftung generell nur dann vertretbar, wenn dem Eingriff in Natur und Landschaft vernünftige Mengen an Windstrom gegenüber stehen. Dadurch gibt es in der Bodenseeregion nur sehr wenige geeignete Standorte für Windparks. Aus Sicht der Bodensee-Stiftung wird der Solarstrom in der Schweiz und in Süddeutschland einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten und muss weiter ausgebaut werden. Dennoch muss auch die Windenergie einen substantiellen Beitrag zur Stromversorgung leisten, vor allem im Winterhalbjahr. Die bislang von den möglichen Betreibern kommunizierten fünf Mio. Kilowattstunden pro Anlage und Jahr erscheinen der Stiftung weit zu niedrig. Mit modernsten Schwachwindanlagen, die spätestens im Jahr 2018 zur Verfügung stehen werden, sollten am Standort Chroobach mehr als sechs Mio. Kilowattstunden Strom pro Windenergieanlage und Jahr produzieren können. Dann stünde der Eingriff aus Sicht der Bodensee-Stiftung in einem angemessenen Verhältnis zum Eingriff in die Natur.

Kritisch sieht die Bodensee-Stiftung die hohen Einspeisevergütungen für Windstrom in der Schweiz. Sie spiegeln den deutlichen Preisverfall für Windenergieanlagen in den letzten Jahren überhaupt nicht wider. Selbst angesichts des hohen Preisniveaus in der Schweiz fordern die Umweltschützer eine deutliche Reduktion, um keine falschen Anreize für weniger geeignete Standorte zu setzen. Dann kann man dem Vorwurf von Windkraftgegnern, dass nur die Betreiber von Windparks in Deutschland und der Schweiz einseitig von der Energiewende profitierten, besser entgegentreten.

Insgesamt setzt sich die Bodensee-Stiftung als internationale Organisation bei der Energiewende für eine bessere Kooperation in Europa ein. Gerade die Schweiz, Österreich und Deutschland, die bei der Energiewende ähnliche Ziele und Grundwerte verbinden, sollten enger als bisher zusammenarbeiten. Wasserkraft aus dem Alpenraum, Windkraft mit einem Schwerpunkt im Norden Deutschlands, Solarenergie aus der gesamten Fläche und eine naturverträgliche Nutzung von Biomasse und Geothermie lassen einen schnellen Atom- und Kohleausstieg in allen drei Ländern möglich erscheinen. Nur wenn wir in den Vorreiterländern der Energiewende wirtschaftlich und beim Klimaschutz erfolgreich sind, werden Länder wie Frankreich die Atomkraft und Polen die Nutzung der Kohle überhaupt in Frage stellen. Und nur wenn das passiert, haben wir die Chance, die sich deutlich abzeichnenden Auswirkungen des Klimawandels in Europa und weltweit einigermaßen in den Griff zu bekommen. So lautet die Botschaft der Bodensee-Stiftung anlässlich der Weltklimakonferenz in Bonn.

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