Dienstag, 26. September 2017


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EMI: Deutsche Industrie weiter in Partylaune

Frankfurt, (lifePR) - Die deutsche Industrie war auch im Juni in Höchstform und ist noch einen Tick stärker gewachsen als im Mai. Überdies blieben die Geschäftsaussichten des Verarbeitenden Gewerbes im Berichtsmonat binnen Jahresfrist ausgesprochen optimistisch. Das signalisiert der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,1 Punkte auf 59,6 zulegte und damit das kräftigste Wachstum seit April 2011 erzielte. Der wichtige Konjunktur-Indikator notiert bereits seit 31 Monaten über der 50-Punkte-Marke – das ist der zweitlängste Zeitraum ununterbrochenen Wachstums seit dem Umfragebeginn vor 21 Jahren. Der Index spiegelt das Ergebnis der Juni-Umfrage zur Konjunkturlage der deutschen Industrie in einem Wert wider.

„Die anhaltende Robustheit der deutschen Wirtschaft überrascht angesichts nach wie vor bestehender globaler Risiken. Gleichzeitig stimmt uns das EMI-Hoch für den weiteren Jahresverlauf optimistisch“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Mittwoch in Frankfurt. Erfreulich sei zudem, dass sich der Anstieg der Einkaufspreise trotz steigender Rohstoffnotierungen den dritten Monat in Folge verlangsamt habe.

„Laut EMI ist die Stimmung in der Industrie ausgezeichnet. Es scheint, als ob die Bäume in den Himmel wachsen. Wie wahrscheinlich ist das aber?“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Mittwoch auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Die Korrektur an den Aktienmärkten sei nach Einschätzung der Helaba-Bankdirektorin ein erstes Anzeichen dafür, dass die Stimmung über die Lage hinaus gewachsen und entsprechend zu viel Euphorie eingepreist ist. „So ist es wahrscheinlich, dass der nächste EMI schwächer reinkommt. Nichtsdestotrotz bleibt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Deutschland ein weiteres Jahr über Potenzial wächst. Die EZB bereitet zwar langsam den Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik vor. Restriktiv wird sie aber noch lange nicht werden“, sagte Traud abschließend dem BME.

Nach Ansicht von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, „geht die Party weiter“. Die politischen Risiken hätten im Euroraum in den vergangenen Monaten deutlich abgenommen. Die Europäische Zentralbank plane nur einen sehr langsamen Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik. Zudem sei der weltwirtschaftliche Rahmen laut Kater solide. Tatsache sei aber, dass der Bezug der Stimmungsindikatoren zur tatsächlichen Entwicklung verloren gegangen ist. „Schon im ersten Quartal war die Stimmung der Unternehmen im Vergleich zur tatsächlichen Entwicklung viel zu optimistisch. Diese Euphorie wird sich im weiteren Jahresverlauf korrigieren. Dann muss man sich davor hüten, diese Normalisierung gleich wieder als den Weg in die nächste Rezession zu interpretieren“, sagte Kater am Mittwoch dem BME.

„Die Industriekonjunktur nimmt richtig Fahrt auf. Auch die Investitionstätigkeit kommt in Gang“, kommentierte DIHK-Konjunkturexperte Dr. Dirk Schlotböller die aktuellen EMI-Daten. Beim Export könne die deutsche Wirtschaft dank ihrer global breiten Aufstellung Rückschläge auf einzelnen Märkten kompensieren. „Insgesamt rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent in diesem Jahr. Den Einstellungsplänen der Betriebe könnte allerdings der Fachkräftemangel vielfach einen Strich durch die Rechnung machen“, teilte Schlotböller am Mittwoch dem BME mit.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Industrieproduktion: Die Produktionssteigerungsrate schwächte sich im Berichtsmonat gegenüber Mai zwar marginal ab, blieb aber immer noch die zweithöchste seit April 2011. Seit 50 Monaten, und damit so lang wie nie zuvor in der bisherigen Umfragegeschichte, wird die Produktion nun bereits ununterbrochen ausgeweitet. Spitzenreiter in dieser Kategorie war diesmal der Investitionsgüterbereich.

Auftragseingang: Die Nachfrage zog im Juni zum sechsten Mal innerhalb der vergangenen sieben Monate an und sorgte dafür, dass das 31. Auftragsplus in Folge sowohl bei Global Playern als auch bei KMU so hoch ausfiel wie zuletzt im März 2011.

Das Exportorderplus verringerte sich gegenüber dem Sieben-Jahreshoch von Mai nur leicht und war das dritthöchste seit über sechs Jahren. Aus Europa, den USA und Asien gingen laut EMI-Umfrageteilnehmern die meisten Neuaufträge ein, vor allem bei den Vorleistungsgüterherstellern.

Beschäftigung: Der 15. Jobaufbau in Folge fiel nur geringfügig schwächer aus als zum Sechs-Jahreshoch im Vormonat und war damit der zweitstärkste seit Mai 2011. Grund hierfür waren vor allem notwendige Kapazitätsausweitungen infolge der kräftigen Nachfrage.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Der Anstieg der Einkaufspreise schwächte sich im Juni saldiert ab. Der entsprechende Teilindex landete auf dem tiefsten Wert seit November 2016, er notiert jedoch noch immer über seinem Langzeit-Durchschnittswert. Mit dazu beigetragen haben die hohen Rohstoffpreise und verbreitete Lieferschwierigkeiten.

Wegen der anhaltenden Verteuerung einiger Rohstoffe beschleunigte sich der Anstieg der Verkaufspreise und fiel erst zum zweiten Mal so hoch aus wie zuletzt im Juli 2011. Seit zehn Monaten und damit so lange wie seit über fünf Jahren nicht mehr werden die Verkaufspreise nun bereits ununterbrochen angehoben. Am stärksten fiel die Erhöhung diesmal im Vorleistungsgüterbereich aus.

Jahresausblick*: Wegen der guten Nachfrageperspektiven, besonders auch aus Asien und dem Nahen Osten, und einer weltweit florierenden Konjunktur, verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist zum fünften Mal innerhalb der vergangenen sieben Monate und fielen so optimistisch aus wie zuletzt im Januar 2014. Der entsprechende Teilindex notiert aktuell auf dem zweithöchsten Wert seit Beginn der Erhebung dieser Daten im Juli 2012. Die wenigen Stimmen, die eher mit einer Abkühlung rechnen, verwiesen auf Rohstoffverteuerungen, den Brexit und die Politik der USA und Türkei.

*IHS Markit hat am 1. Februar 2017 erstmals für die deutsche Industrie den EMI-Teilindex „Jahresausblick“ veröffentlicht. Dieser Wert spiegelt die Geschäftsaussichten der 500 EMI-Umfrage-Teilnehmer wider und wird alle vier Wochen aktualisiert.

Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Er wird vom Anbieter von Unternehmens-, Finanz- und Wirtschaftsinformationen IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).

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