Montag, 25. September 2017


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Zecken möglichst rasch entfernen

Köln, (lifePR) - Entdecken Eltern eine Zecke auf der Haut ihrer Kinder, dann sollten sie sie rasch entfernen, damit von einer möglicherweise infizierten Zecke keine Erreger auf das Kind übergehen. Dabei sollten sie das Tier möglichst nah an der Einstichstelle mit einer Zecken-Pinzette oder ‑karte greifen. „Dehnen Sie die Haut vorsichtig im Bereich der Zecke, fassen Sie die Zecke im Kopfbereich so nah wie möglich an der Haut des Kindes und ziehen Sie sie dann senkrecht vorsichtig ‚mit Materialgefühl‘ heraus“, empfiehlt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Fassen Eltern das Tier am Körper und quetschen es, besteht die Gefahr, dass es sich übergibt und Erreger über den Speichel des Tiers bzw. Darminhalt in die Blutbahn des Kindes geraten. Bleibt die Zecke mehrere Stunden haften, können über sie ebenso Erreger in den Körper gelangen. Eine anschließende Desinfektion der Stichstelle ist ratsam. Sind Reste von der Zecke in der Haut zurückgeblieben – meist der Stechapparat –, können Eltern ihn mit einer sterilen Nadel entfernen oder beim Kinder- und Jugendarzt beseitigen lassen.

Zwei Erregerarten können von Zecken übertragen werden: die Borrelia-burgdorferi-Bakterien (Borrelien) und die FSME(Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis)-Viren. Gelangen Borrelien durch einen Zeckenbiss in den Organismus, kann dies bei einem kleinen Teil der Infizierten zur sogenannten Borreliose führen. Diese verläuft stadienhaft und kann in gleicher Weise bei Kindern wie Erwachsenen unbehandelt zu einer chronischen Hirnhautentzündung, Gelenkschäden und Funktionsstörungen des Rückenmarkes wie auch der peripheren Nerven führen. Ist ein Zeckenbiss entdeckt und die Zecke entfernt worden, sollte die Bissstelle bis zu 4 Wochen beobachtet werden. Entwickelt sich um sie herum eine sich langsam in die Peripherie ausbreitende Rötung mit Abblassung der zentralen Anteile, liegt eine sogenannte Wanderröte (Erythema migrans) vor, die auf eine erfolgte Infektion schließen lässt. „Es empfiehlt sich, in jedem Falle nach einem Zeckenbiss den Kinder- und Jugendarzt um Rat zu fragen“, rät Dr. Fegeler. Eine erfolgte Borrelien-Infektion kann – früh entdeckt - gut und nachhaltig mit einem Antibiotikum behandelt werden.

FSME-Viren tragende Zecken finden sich in nur wenigen Gebieten Deutschlands: wesentliche Endemiegebiete liegen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Thüringen, dazu sind einige Landkreise in Rheinland-Pfalz, im Saarland sowie in Sachsen betroffen. In Endemiegebieten können zwischen 0,1 und 5% der Zecken FSME-Erreger beherbergen. Infizierte Personen erkranken überwiegend nicht, in 10 bis 30% kommt es nach 7 – 14 Tagen zum Auftreten grippeähnlicher Symptome. Nur ein kleiner Teil der Infizierten (und hier auch überwiegend Erwachsene) bildet schwere Krankheitssymptome aus wie eine Entzündung der Hirnhäute und des Hirnes (Meningo-Encephalitis), wobei wiederum bei einem kleinen Teil der schwer Erkrankten (und bei fast ausschließlich Erwachsenen) bleibende neurologische Ausfälle auftreten können. Allerdings zeigen neuere Ergebnisse, dass auch bei FSME-erkrankten Kindern über längere Zeit neurologische Störungen nachgewiesen können. Die FSME ist selbst nicht behandelbar, allerdings steht hier eine Impfung als Prävention zur Verfügung. Die Impfung wird dringend für alle Personen empfohlen, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit in Endemiegebieten aufhalten, sowie für Ferienreisende in Endemiegebiete.

Weitere aktuelle Informationen rund um das Thema "FSME" und „Borreliose“ finden Sie auf der Internetseite des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) unter https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/fsme-fruehsommer-meningo-enzephalitis/was-ist-fsme-eine-fruehsommer-meningo-enzephalitis/ und https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/borreliose-lyme-krankheit/was-ist-borreliose/

Quelle:

RKI (Hrsg.): Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016. Datenstand 1. März 2017. Robert Koch-institut, Berlin 2017.
DOI: 10.17886/rkipubl-2017-002
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/Jahrbuch_2016.pdf?__blob=publicationFile

Hofmann, H.: Wann an eine Borreliose denken? MMW - Fortschritte der Medizin 12, 152 (2017)

Schöffel, N. et al.: Frühsommer-Meningoenzephalitis: Eine Übersicht. Zbl Arbeitsmed 67, 155 (2017).
DOI 10.1007/s40664-017-0178-0

Experte, Kontakt: Dr. Ulrich Fegeler, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von www.kinderaerzte-im-netz.de, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), E-Mail: ul.fe@t-online.de

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