Mittwoch, 22. August 2018


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Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. warnt: Reduktion der Transplantationszentren für die Nierentransplantation kontraproduktiv

Düsseldorf, (lifePR) - Angesichts der Skandale um die Organverteilung bei der Lebertransplantation in Deutschland wurde von mehreren Seiten gefordert, die Anzahl der deutschen Transplantationszentren zu reduzieren. Diese Forderung wurde u.a. vom Verband der Universitätsklinika Deutschlands, der Krankenkasse BarmerGEK, der Hamburger Gesundheitssenatorin und der Bayerischen Landesärztekammer erhoben. Wie eine Reduktion der Anzahl der Transplantationszentren Missbrauch bei der Organzuteilung verhindern könnte, bleibt allerdings unklar, weshalb sich die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) gegen eine solche, vorschnelle Maßnahme ausspricht.

"Solange Manipulationsmöglichkeiten und falsche Anreize bestehen, werden diese in 35 Zentren genauso wie in 47 Zentren wirksam sein können. Vielmehr ist die effiziente Regulierung und Kontrolle der Prozesse der Organverteilung notwendig und allein als Korrektiv wirksam", sagt DGU-Generalsekretär Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg. Dies wurde mit der verpflichtenden Einführung des "Sechs-Augen-Prinzips" durch Eurotransplant und die Bundesärztekammer bereits umgesetzt.

Ursache der Manipulationen war der Anreiz, die Transplantationszahlen des eigenen Zentrums nach Möglichkeit hochzutreiben. Prof. Hakenberg: "Es muss zukünftig zweifelsfrei sichergestellt sein, dass falsche Anreize für verantwortliche Ärzte in Form von Boni oder Ähnlichem bei Steigerung der Transplantationszahlen völlig ausgeschlossen werden." Zusätzlich besteht aber ein weiterer im System verankerter Anreiz zur Fallzahlsteigerung, der aus den schon längerfristig bestehenden Maßnahmen zur Qualitätssicherung resultiert und Mindestzahlen für die Organtransplantation definiert. Werden diese Mindestzahlen unterschritten, kann ein Transplantationszentrum geschlossen werden. In dieser Hinsicht besteht von allen Beteiligten gewollter Druck, die Zahlen der Transplantation an jedem Zentrum hochzuhalten. Dieser Widerspruch des einerseits als "qualitätssichernd" gewollten Zwanges zur Fallzahlsteigerung und des nicht gewollten Druckes zur Fallzahlsteigerung aus Prestigestreben wird nicht von allen, die sich nun zu den Transplantationsskandalen äußern, gesehen. Die Vielschichtigkeit der Problematik erlaube keine vorschnellen Schlüsse, mahnt die DGU.

Die aufgedeckten Manipulationen betrafen ausschließlich die Lebertransplantation. Wenn nun Einzelne eine massive Reduktion der Zahl der Transplantationszentren fordern, sollte dies, laut DGU, vernünftigerweise allenfalls für die Lebertransplantation diskutiert werden. Die Nierentransplantation, in Deutschland auch von zahlreichen urologischen Transplantationskliniken durchgeführt, war von solchen Manipulationen bei der Organverteilung nicht betroffen. "Die Nierentransplantation ist mengenmäßig viel bedeutsamer als Leber- oder Herztransplantation und braucht darum für eine regional vernünftige Verteilung auch mehr Transplantationszentren", warnt Prof. Hakenberg.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie wendet sich auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. energisch gegen eine unbedachte Reduktion der Zahl der Transplantationseinrichtungen. Für die Nierentransplantation wäre dies kontraproduktiv und würde eine deutliche Verschlechterung der Versorgung von terminal nierenerkrankten Menschen in Deutschland nach sich ziehen. "Die Forderung einzelner Transplantationschirurgen nach Schließung anderer als der eigenen Transplantationszentren ist wieder nur Ausdruck des Strebens nach höheren Zahlen im eigenen Zentrum und dient damit nur eigenen Partikularinteressen", so DGU-Generalsekretär Hakenberg.

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