Ausbildung und Beschäftigung in der Seeschifffahrt - alte und neue Turbulenzen!

(lifePR) ( Bremen, )
Die maritime Wirtschaft hat sich im Zuge der Weltwirtschaftskrise stark verändert und war 2019 noch immer in der Anpassungs- und Konsolidierungsphase.

Dies hatte auch auf die Attraktivität der maritimen Branche als mögliches Karrierefeld starke Auswirkungen. Die deutsche Flotte ist stark geschrumpft und durch die Änderung der Schiffsbesetzungsverordnung wurde der Schiffsmechaniker quasi aus der internationalen Schifffahrt gefegt.

Entgegen aller Unkenrufe sind deutsche Seeleute aber nicht ausgestorben - und werden das auch nicht. Die Nachfrage nach Schiffsmechanikern ist da, wenn auch auf reduziertem Niveau, und wird noch steigen, vor allem in der nationalen Fahrt sowie auf dem Sekundär-markt. Und gerade für diese Bereiche zeigen die Prognosen auch einen großen Bedarf an Nautikern und Technikern - bei den Fährbetrieben, in der Schleppfahrt, in der Forschungs-schifffahrt und auch bei den Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern, den Lotsen, der Bun-despolizei See und anderen Behörden.

Dieser Bedarf wächst und kann durch die gegenwärtigen Zahlen an Abgängern der ver-schiedenen Ausbildungswege nicht gedeckt werden. Gegensteuern ist also notwendiger denn je.

Die neue Lotsenausbildung ist sicher einer der Lösungsansätze, die neue Website und die geplante konzertierte Werbekampagne ist ein weiterer Baustein.

Aber das allein wird nicht reichen.

Nun hat sich durch die Pandemie und die daraus resultierenden Folgen vieles geändert, an Land wie auf See.

Die Situation der Seeleute an Bord ist oft besorgniserregend, und viele Probleme (Crew-Wechsel, medizinische Versorgung und psychische Belastungen) sind immer noch nicht ge-löst. Die Schifffahrt ist der Schlüssel zur internationalen Wirtschaft, deshalb ist es gerade jetzt so wichtig, diejenigen zu schützen und zu unterstützen, die die Schiffe in Fahrt halten.

Die Sozialpartner VDR und ver.di, Vertreter der Seemannsmission, des seeärztlichen Diensts, der Deutschen Flagge und auch die Geschäftsstelle der BBS arbeiten hierfür eng zusammen und tauschen sich regelmäßig aus.

Veranstaltungen, Projekte und Pläne mussten verschoben, abgesagt oder angepasst wer-den.

Auch auf die Ausbildung haben Pandemie und notwendige Schutzmaßnahmen Auswirkun-gen. Mittlerweile haben die drei Berufsschulstandorte die Schiffsmechanikerausbildung wie-deraufgenommen. Die abgesagten Abschlussprüfungen wurden nachgeholt und die kom-menden Prüfungen unter den geltenden Bedingungen neu geplant.

Die Situation verlangt ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Resilienz. Neue Wege müssen gefunden werden, um die Ausbildung nicht nur nach den vorgeschriebenen Stan-dards durchzuführen, sondern sie auch kontinuierlich zu verbessern.

Arbeitskreise, Projektgruppen und Planungskomitees führen ihre Arbeit nun per E-Mail oder in Tele- und Videokonferenzen, oft aus dem Home-Office, durch.

Die Messetätigkeiten wurden auf den virtuellen Raum verlagert und auch in den sozialen Medien ist die BBS aktiv.

Die Anforderungen der Arbeitswelt ändern sich, und die Bedürfnisse und Wünsche der Ju-gend stehen im starken Kontrast zu den Wünschen und Bedürfnissen früherer Generationen. Die Schifffahrt wird sich auch da anpassen müssen.

Die Vorsitzenden Erik Hirsch (VDR) und Peter Geitmann (ver.di) betonen, dass es zur Siche-rung von Ausbildung und Beschäftigung das Engagement aller maßgeblich Beteiligten be-darf. Im Hinblick auf die Entwicklung des Fachkräftebedarfs in der Seeschifffahrt war/ist die Nachwuchsgewinnung auch im Jahr 2019/2020 eine der großen Herausforderungen.

Die Mitglieder der Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt e. V. bedanken sich bei allen Beteilig-ten, die ihren Beitrag dazu leisten, dass die Seeschifffahrt mit all ihren Chancen und Mög-lichkeiten wieder sichtbarer wird.

Die Zeiten bleiben sicher turbulent, aber nur gemeinsam können wir die Zukunft und auch die Zukunftsfähigkeit der deutschen Seeschifffahrt sichern.

In eigener Sache:

Frau Sabine Zeller hat seit 01.06.19 die Geschäftsführung der BBS inne. Beinahe zeitgleich ging mit Herrn Klinkmüller ein Ausbildungsberater in den verdienten Ruhestand und mit Frau Svenja Rohde als neue Ausbildungsberaterin kam weibliche Verstärkung in das Team der BBS.

Damit wurden ideale Voraussetzungen geschaffen, um auch junge Frauen gezielter auf die vielfältigen Möglichkeiten in der Seeschifffahrt aufmerksam zu machen.
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