Dienstag, 21. November 2017


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Personalschlüssel in Berliner Krippen schlechter als der Bundesdurchschnitt

Gütersloh, (lifePR) - Die Qualität der Berliner Kitas hat sich nicht verbessert. Das zeigt sich vor allem an der Entwicklung des Personalschlüssels. Sowohl zum 1. März 2014 als auch zwei Jahre später kommen rein rechnerisch 5,9 ganztags betreute Kinder auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in Krippengruppen. In Kindergartengruppen blieb der Personalschlüssel in Berlin ebenfalls nahezu konstant (2014: 1 zu 8,8 sowie 2016: 1 zu 8,9). Damit bietet Berlin für die unter Dreijährigen deutlich ungünstigere Personalschlüssel als der Bundesdurchschnitt (1 zu 4,3). Die Personalschlüssel in den Berliner Kindergartengruppen sind trotz geringfügiger Verschlechterung besser als der Bundesdurchschnitt (1 zu 9,2). Das zeigt das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung.  

Unterschiede zwischen den Personalschlüsseln in den Kindergartengruppen in Berlin

Für die Flächenländer zeigt eine Auswertung der Personalschlüssel der Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland, die die Bertelsmann Stiftung erstmals durchgeführt hat, teilweise erhebliche Unterschiede zwischen den Kreisen. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht die große Spannweite innerhalb der Bundesländer kritisch: „Die Bildungschancen von Kindern hängen heute erheblich von ihrem Wohnort ab. Wir brauchen verlässliche Kita-Qualität in ganz Deutschland.“

Die Qualität in Berliner Kitas hängt auch von der jeweiligen Kita ab. Im Stadtstaat zeigt sich, dass 23 Prozent der Kindergartengruppen über einen kindgerechten Personalschlüssel von unter 1 zu 7,0 verfügen, 13 Prozent kommen dem sehr nah (1 zu 7,0 bis unter 1 zu 8,0), aber 64 Prozent verfügen nur über ein Verhältnis von 1 zu 8,0 und mehr. Es ist zu klären, ob diese Unterschiede Ergebnis einer gezielten Steuerung durch Landesregelungen zur Personalausstattung sind oder sich hier unbeabsichtigte Steuerungseffekte zeigen. Bei den Berliner Krippen bestehen weniger Unterschiede: 93 Prozent haben ein – allerdings noch nicht kindgerechtes - Verhältnis von 1 zu 3,5 und mehr.

Gravierende Unterschiede zwischen den Bundesländern bleiben bestehen

Wenngleich sich die Kita-Qualität bundesweit tendenziell verbessert, sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern nach wie vor gravierend. Bundesweiter Spitzenreiter beim Personalschlüssel sowohl im Krippen- (1 zu 3,0) als auch im Kindergartenbereich (1 zu 7,2) ist Baden-Württemberg. Schlusslicht bei den jüngeren Kindern ist Sachsen (1 zu 6,5) und bei den Älteren Mecklenburg-Vorpommern (1 zu 13,7). In westdeutschen Krippengruppen kümmert sich eine Fachkraft um deutlich weniger Kinder (1 zu 3,6) als in Ostdeutschland (1 zu 6,0). Allerdings befinden sich in Ostdeutschland 52 Prozent der unter Dreijährigen in Betreuung, während es in Westdeutschland lediglich 28 Prozent sind. In Berlin sind es 46 Prozent. Bundesweit sind fast alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr in Kindertagesbetreuung.

12.100 zusätzliche Fachkräfte für kindgerechte Betreuung notwendig

Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt einen qualitätssichernden Personalschlüssel von 1 zu 3,0 in Krippengruppen und 1 zu 7,5 in Kindergartengruppen. Berlin hat ähnlich wie die meisten anderen Bundesländer noch keinen pädagogisch angemessenen Wert erreicht. „Bund und Länder müssen einheitliche Qualitätsstandards umsetzen“, fordert Dräger.

Für einen kindgerechten Personalschlüssel müssen in Berlin nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung zusätzlich 12.100 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte rekrutiert und weitere 534 Millionen Euro jährlich bereitgestellt werden. Zusätzliche Nachfrage nach Fachkräften entsteht zudem aufgrund des steigenden Bedarfes an Betreuungsplätzen für unter dreijährige Kinder. Ohne attraktivere Rahmenbedingungen für das Kita-Personal wird es schwer, dem steigenden Fachkräftebedarf nachzukommen. In den vergangenen Jahren ist in Berlin bereits ein außerordentlicher Personalzuwachs zu verzeichnen: Von 2006 bis 2016 ist die Anzahl der Kita-Fachkräfte um 11.200 Beschäftigte bzw. um 70 Prozent gestiegen. Dies ist nach Bayern (97 Prozent) und Baden-Württemberg (83 Prozent) der höchste prozentuale Zuwachs. Der weitere Ausbau in Qualität und Quantität erfordert einen Kraftakt von Bund, Ländern, Kommunen und auch Eltern. Deshalb rät Dräger davon ab, kurzfristig auf die Elternbeiträge zu verzichten: „Erst wenn die Qualität stimmt und genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stehen, können wir die Beitragsfreiheit angehen!“ Die Beteiligung der Eltern darf dennoch keine Zugangsbarriere für Kinder werden. Deshalb sollten Kita-Beiträge einkommensabhängig gestaffelt und Familien mit besonders niedrigen Einkommen komplett entlastet werden. Berlin gewährte bis zum 31. Juli 2017 vier Jahre vor Beginn der regelmäßigen Schulpflicht eine Befreiung von Elternbeiträgen. Ab dem 1. August diesen Jahres wird diese Befreiung auf fünf Jahre vor dem Schulbeginn ausgeweitet.

Notwendig ist nicht nur eine ausreichende Anzahl an Fachkräften, sondern auch „gut“ qualifiziertes Personal. Berlin erreicht hier ein hohes Niveau: 79 Prozent der gut 27.200 pädagogisch Tätigen in Kitas (ohne Horte) verfügen über einen fachlich einschlägigen Fachschulabschluss, etwa zur Erzieherin. Dies ist zwar unter allen ostdeutschen Bundesländern der niedrigste Anteil, liegt jedoch immer noch über dem westdeutschen Anteil (67 Prozent). Dort hat auch ein deutlich größerer Anteil der Fachkräfte (16 Prozent) als in Berlin (1 Prozent) einen formal niedrigeren, fachlich einschlägigen Berufsfachschulabschluss, etwa zur Kinderpflegerin.

Zusatzinformationen
Grundlage des jährlich aktualisierten Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme sind Auswertungen von Daten der Sta­tistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik und wei­teren amtlichen Statistiken. Stichtag für die Datenerhebung war der 1. März 2016. Die Be­rechnungen wurden vom Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund sowie der Bertelsmann Stiftung durchgeführt. Die aktuellen Daten und Fakten zu den frühkindlichen Bildungssystemen mit den Länderprofilen finden Sie im Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme sowie unter www.laendermonitor.de.

Bertelsmann Stiftung

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich für eine gerechte Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben ein. Sie will Bildung verbessern, Demokratie gestalten, Gesellschaft entwickeln, Gesundheit aktivieren, Kultur leben und Wirtschaft stärken. Durch ihr Engagement möchte sie alle Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Die gemeinnützige Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet. Weitere Informationen: www.bertelsmann-stiftung.de

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